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10. Februar 2026 | M.Sc. Meteorologe Nico Bauer

Tauwetter und Hochwasser?

Tauwetter und Hochwasser?

Datum 10.02.2026

Ab der Nacht zum Mittwoch setzt in einigen Regionen starkes Tauwetter ein. Welche meteorologischen und hydrologischen Faktoren bestimmen dabei, wie viel Schmelzwasser tatsĂ€chlich in die FlĂŒsse gelangt?

Die zweite Februarwoche startete weitgehend mit ruhigem und nach SĂŒdwesten hin auch mit mildem Winterwetter. Verantwortlich dafĂŒr war HOCH EMMERAM, welches am gestrigen Montag mit seinem Schwerpunkt ĂŒber dem Baltikum lag. EMMERAN hat sich nun aber unter allmĂ€hlicher AbschwĂ€chung zum Schwarzen Meer verlagert. Gleichzeitig erfasste uns bereits am Morgen die Okklusionsfront eines Tiefs bei den Britischen Inseln. Damit kamen bereit in der FrĂŒh im SĂŒdwesten die ersten RegenfĂ€lle auf. GrĂ¶ĂŸere Niederschlagsmengen kommen dadurch aber zunĂ€chst einmal nicht zustande.

Dies Ă€ndert sich jedoch in der kommenden Nacht: Dann greift bereits das teilokkludierte Frontensystem eines neuen Tiefs mit Kern nordwestlich von Irland auf den SĂŒdwesten des Landes ĂŒber. Dabei setzen im Schwarzwald gegen Mitternacht, verstĂ€rkt durch einen herannahenden markanten Randtrog, krĂ€ftige RegenfĂ€lle ein. Aufgrund der sehr milden Luftmasse setzt im Hochschwarzwald Tauwetter ein. Dort liegen oberhalb von etwa 900 Metern 10 bis 30 Zentimeter Schnee, auf den Gipfeln, wie beispielsweise auf dem Feldberg rund 50 Zentimeter. Die tieferen Lagen sind allerdings ĂŒberwiegend schneefrei, was die mögliche Hochwassersituation etwas entspannt.


Vom Modell aktuell simulierte Gesamtschneehöhe und das WasserĂ€quivalent fĂŒr den Schwarzwald. Im Hochschwarzwald werden teilweise um 80 Millimeter WasserĂ€quivalent simuliert. Im Nordschwarzwald liegt dagegen kaum Schnee.


Die NiederschlĂ€ge halten am Mittwoch insbesondere im Schwarzwald tagsĂŒber an. Am Abend ist voraussichtlich mit einer kurzen Unterbrechung zu rechnen, bevor in der zweiten NachthĂ€lfte erneut krĂ€ftige RegenfĂ€lle einsetzen. Mit diesem zweiten Niederschlagsschub werden voraussichtlich die Staulagen des Nordschwarzwaldes die grĂ¶ĂŸten Niederschlagssummen erhalten. Dort wird bis zu diesem Zeitpunkt jedoch selbst in den Hochlagen kein Schnee mehr liegen. weshalb sich dort insgesamt nicht ganz so hohe Abflussmengen ergeben. Die NiederschlĂ€ge halten auch am Donnerstag weiter an. Erst in der Nacht auf Freitag schwĂ€chen sie sich ab und gehen allmĂ€hlich wieder in Schnee ĂŒber. Insgesamt werden im Schwarzwald bis Freitagnacht verbreitet 40 bis 80 Liter pro Quadratmeter erwartet. In einigen exponierten Staulagen sind sogar Mengen von ĂŒber 100 l/qm möglich.


Wetterlage fĂŒr Mittwoch, den 11.02.2026 um 00 UTC. Ein Randtrog sorgt fĂŒr starke Hebung ĂŒber dem SĂŒdwesten. Gleichzeitig werden sehr milde Luftmassen mit einem hohen Feuchtegehalt herangefĂŒhrt.


Welche Faktoren spielen neben der Niederschlagsmenge und der Schneehöhe eine Rolle bei der EinschĂ€tzung des Hochwasserpotenzials? Ein wichtiger Punkt ist der Wassergehalt der Schneedecke. Frisch gefallener Neuschnee besitzt einen Wassergehalt von lediglich 0,5 bis 1,5 Millimetern pro Zentimeter, feuchter Altschnee hingegen von 3,0 bis 5,0 Millimetern pro Zentimeter. Dies spielt insbesondere bei einer verbreiteten, dicken Schneedecke eine große Rolle. Zudem ist entscheidend, ob die Schneedecke vollstĂ€ndig wegtaut oder nur teilweise, da sie Regenwasser bis zu einer bestimmten Menge aufnehmen kann. Taut die Schneedecke jedoch vollstĂ€ndig ab und ist der Boden zusĂ€tzlich aufgrund einer vorangegangenen kalten Witterungsperiode bis in tiefere Schichten gefroren, gelangt das gespeicherte Wasser direkt in die FlĂŒsse und kann zu Hochwasser fĂŒhren.

Außerdem sind bei einem Tauwetterereignis auch die Feuchttemperatur und der Wind von Bedeutung. Setzt Tauwetter bei einer sehr milden und feuchten Luftmasse mit krĂ€ftigem Wind ein, taut die Schneedecke deutlich schneller ab. Dies fĂŒhrt zu einem erhöhten Wasserangebot innerhalb kurzer Zeit. Entscheidend, insbesondere fĂŒr Hochwasser an kleineren FlĂŒssen, ist zudem, ob der Dauerregen von Unterbrechungen begleitet wird oder ob es ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum ohne Unterbrechung krĂ€ftig regnet.

DarĂŒber hinaus spielen auch nicht-meteorologische Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu zĂ€hlen zum einen die Topographie der Region, zum anderen aber auch der Versiegelungsgrad sowie die Art der Vegetation im Einzugsgebiet eines Flusses.

Analysieren wir diese Faktoren nun fĂŒr das bevorstehende Ereignis: Schnee ist insgesamt nur in geringem Umfang vorhanden und beschrĂ€nkt sich auf die Hochlagen des Hochschwarzwaldes. Dabei handelt es sich ĂŒberwiegend um feuchten Altschnee, der in diesem relativ kleinen Gebiet voraussichtlich vollstĂ€ndig abschmelzen wird. Weitere Faktoren, die fĂŒr Hochwasser sprechen, sind die hohen Feuchttemperaturen sowie der stĂŒrmische SĂŒdwestwind. Allerdings wird es im Zeitraum von etwa 48 Stunden nicht durchgehend zu Niederschlag kommen; am Mittwochabend ist eine Niederschlagspause zu erwarten. Hinzu kommt, dass die Böden nicht gefroren sind und aufgrund einer zuvor eher trockenen Witterungsphase aufnahmefĂ€hig bleiben.

Letztlich spielt auch die Topographie eine Rolle: Durch die teils bergige Landschaft ist die Region grundsĂ€tzlich anfĂ€llig fĂŒr schnell ansteigende Flusspegel. Allerdings ist die Bebauung und Versiegelung im Schwarzwald vergleichsweise gering, was einer hohen GefĂ€hrdung entgegen wirkt.

Insgesamt lĂ€sst sich daraus schließen, dass in den kommenden Tagen im Schwarzwald deutlich steigende Flusspegel zu erwarten sind. Örtlich kann es zu Überflutungen kommen, und an kleineren FlĂŒssen im SĂŒdschwarzwald ist auch Hochwasser möglich. Eine grĂ¶ĂŸere, ĂŒberregionale Hochwasserlage wird jedoch nach heutigem Stand nicht erwartet!



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