Einleitung
Nachdem die diesjĂ€hrige Tornadosaison etwas MĂŒhe hatte in Gang zu kommen, kamen in den zurĂŒckliegenden gut zwei Wochen einige neue FĂ€lle in die Datenbank. Gesammelt werden die TornadofĂ€lle in Deutschland unter anderem in der europĂ€ischen Unwetterdatenbank (eswd.eu) oder ĂŒber die Tornadoliste Deutschland (tornadoliste.de). Letztere Seite sammelt auch viele VerdachtsfĂ€lle und sogenannte plausible FĂ€lle. Diese plausiblen FĂ€lle werden zu einem spĂ€teren Zeitpunkt nochmal genauer unter die Lupe genommen, die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr hoch, dass diese noch bestĂ€tigt werden.
TornadofÀlle bisher
Insgesamt gab es bereits 13 bestÀtigte Tornados und sechs plausible FÀlle. Das ist eine gute Gelegenheit, um einmal zu schauen, was bisher schon passiert ist.

Den ersten bestÀtigten Tornado des Jahres gab es am 30. MÀrz in Uenze in Brandenburg. Dies war ein relativ kurzlebiger Tornado der StÀrke IF1 (~150 km/h). SchÀden wurden auf einer LÀnge von 1.3 km erfasst. Dann gab es auch aufgrund bestÀndiger Hochdrucklagen eine lÀngere Pause.
Interessant wurde es wieder am ersten Maiwochenende. Nun waren wieder TiefauslĂ€ufer am Zuge und auch die fĂŒr organisierte Gewitter und Tornados so wichtige Zutat Windscherung war recht ĂŒppig vorhanden. Bei Windscherung ist es ausschlaggebend, dass sich der Wind bezĂŒglich Richtung und StĂ€rke möglichst stark mit der Höhe Ă€ndert. So kam es am 2.Mai zu einem schwachen Tornado in Oppenwehe, am 3.Mai wurden dann zwei Tornados in Hessen (Biebertal, Stolzhausen bei Bebra), sowie einer im sĂ€chsischen Vogtland (Unterheinsdorf) registriert, wobei die beiden hessischen Tornados eine StĂ€rke von IF1.5 (~180 km/h) hatten. Die Vorortuntersuchung wurde von der Vereinigung TorKUD (Tornado Kartierung und Untersuchung Deutschland) unter anderem mit Drohnen durchgefĂŒhrt. Solche Aufnahmen ermöglichen es, ein genaues Schadensmuster zu erstellen und daraus abzuleiten, ob es sich tatsĂ€chlich um einen Tornado gehandelt hat. TorKUD ist damit ebenfalls ein wichtiger Partner des DWD.
SchlieĂlich wurde noch am 4.Mai. auf Usedom eine Wasserhose beobachtet.
Bisher aktivste Tornadophase und stÀrkster Tornado des Jahres
Nach einer weiteren hochdruckbedingten Pause folgte die bisher aktivste Tornadophase in Deutschland. Los ging es am 28.05.2025. An diesem Tag sind insgesamt mindestens vier Tornados aufgetreten, drei davon in Hessen (Bieber, Steinau an der StraĂe und in Hessisch-Lichtenau)) und ein weiterer in Untertheres bei Schweinfurt in Unterfranken. Vor allem bei dem Fall in Nordhessen gab es gröĂere GebĂ€udeschĂ€den, da der Tornado auf einer Strecke von 1.4 km ĂŒber bebautes Gebiet gezogen ist.
Der bisher stĂ€rkste Tornado der Saison trat am 7.Juni. in Donaustetten bei Ulm auf. Auf einer Strecke von 15.5 km wurden SchĂ€den bis in einen Bereich von IF2 (~220 km/h) festgestellt. Damit war dies auch der erste signifikante Tornado im Jahr 2025 (im Schnitt gibt es etwa vier starke Tornado im Jahr in Deutschland, mind. IF2). Die Schadenanalyse wurde wieder von TorKUD durchgefĂŒhrt und zeigte eine maximale Tornadobreite von 310 m. Am stĂ€rksten war unter anderem eine Baumallee und eine Wohnsiedlung betroffen. In der Siedlung gab es an einem Haus betrĂ€chtliche SchĂ€den. Das Hausdach und Teile des Dachstuhls wurden stark beschĂ€digt.

Zuletzt gab es noch zwei Tornados in Mecklenburg-Vorpommern. Am 07.06. war die Gemeinde Glewitz (sĂŒdlich von Stralsund) betroffen (StĂ€rke IF1) und am 10.06. die Stadt Greifswald (IF0.5). Der Grund fĂŒr die gehĂ€uften Tornadomeldungen und VerdachtsfĂ€lle war die sehr dynamische Wetterlage der vergangenen Wochen.
Auch am gestrigen Samstag möglicherweise ein Tornado
Auch gestern haben unsere Tornadoexperten beim DWD (tornado@dwd.de) zahlreiche Beobachtungen eines weit nach unten reichenden Funnels erreicht. Betroffen war ein Gebiet zwischen Bad Lippspringe und Altenbeken in Ostwestfalen. Zwar liegen bisher keine Meldungen ĂŒber SchĂ€den vor, es ist aber sehr wahrscheinlich, dass auch am Boden ein Wirbel vorhanden war. Möglicherweise wurde aber nur unbewohntes Gebiet getroffen, sodass mögliche Auswirkungen nur mit einer Vor-Ort Untersuchung zu ermitteln sind.
Ausblick
Auch unter BerĂŒcksichtigung der plausiblen, noch nicht bestĂ€tigten FĂ€lle, hĂ€lt sich die Anzahl der Tornados bisher noch in Grenzen. Zur durchschnittlichen Anzahl von 49 Tornados im Jahr, sind noch einige FĂ€lle nötig. Es folgen aber noch zweieinhalb Sommermonate und auch im September ist die Tornadowahrscheinlichkeit noch erhöht. Zudem kann es besonders im August und September auch hĂ€ufig Wasserhosen an Nord- und Ostsee geben. Um jetzt schon die aktuelle Saison zu bilanzieren, ist es also noch viel zu frĂŒh.

Nachdem es heute vor allem im Osten und SĂŒden nochmal ordentlich zur Sache geht (mit allerdings nur geringem Tornadopotential), kehrt dann zu Beginn der neuen Woche wieder Ruhe ein und es steht eine möglicherweise wieder lĂ€ngere Tornadopause bevor.
Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.06.2025
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