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15. Januar 2017 | Dipl.-Met. Christoph Hartmann

Kahlfrost

Kahlfrost

Datum 15.01.2017

Kahlfröste, also Fröste bei schneefreiem Boden, sind in der Landwirtschaft unerwünscht, denn es fehlt die dämmende Wirkung einer Schneedecke.

Das sich derzeit über Skandinavien entwickelnde Hoch Brigitta wird während der gesamten Woche verbreitet zu mäßigem bis strengem Nachtfrost führen. Während dann weite Teile Deutschlands unter einer Schneedecke liegen, bleibt es insbesondere in den landwirtschaftlich genutzten Bereichen oftmals schneefrei.


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Man spricht von Kahlfrost wenn es über winterlich kahlem und schneefreiem Boden frostig wird. Dann lauten die Prognosen beispielsweise: Tiefstwerte um -8, über Schnee um -15 Grad. Und trotzdem wären den Landwirten die -15 Grad über Schnee lieber als die -8 Grad ohne Schnee. Was sich zunächst paradox anhört, lässt sich leicht erklären.

Zunächst machen wir mal ein Gedankenexperiment. Halten Sie mal ein 10 cm langes Metallrohr mit bloßen Händen an der einen Seite und das andere Ende in eine Kerzenflamme. Nach kurzer Zeit werden sie sich die Finger verbrennen, da das Metall die Wärme gut überträgt (hohe Wärmeleitfähigkeit). Machen Sie das gleiche mit einem Glasrohr, so können Sie dieses festhalten bis Ihnen der Arm einschläft oder die Kerze abgebrannt ist, denn das Glas leitet die Wärme nur unmerklich weiter. Mit Kälte funktioniert das ähnlich, aber weniger anschaulich.

Die aufgelaufene Saat des Wintergetreides über strengen Frost nicht so ganz glücklich und Kahlfrost macht ihr sehr zu schaffen. Warum ist das so? Zum einen ist es in Bodennähe in der Regel noch kälter als die vorhergesagte Temperatur in der Wetterhütte. Die Pflanzen halten sich daher ohne Schneebedeckung in der kältesten Zone auf. Zum anderen dringen die kalten Temperaturen an der Erdoberfläche schnell auch bis zur Wurzel vor, denn die Wärmeleitfähigkeit nackten Erdbodens entspricht eher dem Metall als dem Glas im obigen Gedankenexperiment.

Bei Schnee stellt sich die Situation gänzlich anders dar. Schnee kühlt zwar an seiner Oberfläche stark aus, daher die viel kälteren Temperaturen über dem Schnee als über dem Schneefreien Erdboden. Gleichzeitig aber leitet Schnee, ähnlich wie Glas, die Temperaturen nur sehr träge Richtung Erdoberfläche, deren Temperatur daher nur wenig unter null Grad sinkt. Der Schnee wirkt also wie Dämmmaterial an einer Hauswand. Daher sind -20 Grad über Schnee für die Pflanzen wesentlich angenehmer als -10 Grad am schneefreien Boden. Kahlfrost hat es bei uns schon bis nahe -20 Grad gegeben, die Landwirte haben dann bis zur Ernte über die Verluste geklagt. In der nächsten Woche erwarten wir Kahlfrosttemperaturen bis - 10 Grad. Es wird also nicht ganz so dramatisch, zudem Wintergetreide eine Frostperiode zum Schossen im Frühjahr braucht.



© Deutscher Wetterdienst

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