08. Mai 2012 |
Ist der Mai kühl und nass...
...füllt's dem Bauern Scheun' und Fass.
Dererlei Bauernregeln hören wir immer wieder und werden gefragt, was
wir Meteorologen davon halten. Auch sogenannte Lostage wie die
Eisheiligen (11.-15. Mai), die Schafskälte (10.-12. Juni), der
Siebenschläfer (27. Juni) oder auch die Hundstage (23. Juli-23.
August) gehören in diese Kategorie.
Die Bauernregeln basieren auf langjährigen Beobachtungen von Bauern
in ihrer Region, die dort auch ihre Berechtigung haben und oftmals
zutreffend sind. Allerdings sind sie häufig auch auf die
Ursprungsregion, wie zum Beispiel ein bestimmtes Tal, beschränkt und
lassen sich nicht auf andere Gegenden übertragen. Und eine
Wettervorhersage lässt sich aus den Bauernregeln auch nicht wirklich
ableiten.
Die Lostage sind da etwas universeller, aber auch sie treffen nicht
immer zu. Die Eisheiligen zum Beispiel (siehe auch Thema des Tages
vom 02.05.2012) finden häufig nicht genau vom 11. bis 15. Mai statt,
sondern können etwas "verfrüht" oder auch "verspätet" stattfinden.
Davon abgesehen, dass sich das Wetter an diese Lostage nicht
punktgenau hält, findet sich aber meist bis etwa Mitte Mai ein
Kaltlufteinbruch, der ihnen zugeordnet werden kann. Die
Eintreffwahrscheinlichkeit liegt bei ungefähr 70 %. Die Ursache
dafür, dass man bei den Lostagen meist eine etwas größere Zeitspanne
und nicht nur einen einzigen Tag betrachten muss, liegt auch an der
Kalenderreform von Papst Gregor XIII. nach der die Kalte Sophie vom
15. auf den 22. Mai verschoben werden müsste.
Dieses Jahr kann man sich wahrscheinlich sogar streiten, ob die
Eisheiligen schon am letzten Wochenende stattgefunden haben oder ob
sie tatsächlich erst am kommenden Wochenende zuschlagen. Denn die
Prognosen deuten nach einem vorübergehenden Zustrom wärmerer Luft im
Laufe der Woche wieder auf einen Rückschlag der Temperaturen am
Wochenende hin.
Auch den Siebenschläfer kann man nicht allein auf den 27. Juni
datieren. Aber davon wird sicher zu gegebener Zeit an dieser Stelle
mehr zu lesen sein...
Nun freuen wir uns aber erstmal auf die wärmeren Temperaturen am
Donnerstag und Freitag, die allerdings gebietsweise wieder von
kräftigeren Schauern und Gewittern begleitet werden.
Und allen, die noch eine alte Wetterweisheit hören möchten, sei
gesagt:
Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt
wie es ist.
Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.05.2012
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