Regenbögen gehören zu den schönsten und buntesten NaturphĂ€nomenen, die der Himmel zu bieten hat. Wahrscheinlich jeder kennt den farbenfroh leuchtenden Lichtbogen, der sich scheinbar ĂŒber den gesamten Horizont spannt. Doch wie genau entsteht ein Regenbogen, welche physikalischen Grundlagen liegen ihm zugrunde?
Ein Regenbogen entsteht durch die Wechselwirkung von Sonnenlicht mit Wassertropfen in der AtmosphĂ€re. Damit ein Regenbogen sichtbar wird, mĂŒssen drei Bedingungen erfĂŒllt sein: Es muss regnen, gleichzeitig muss die Sonne scheinen, und der Beobachter muss mit dem RĂŒcken zur Sonne stehen.
Das Sonnenlicht besteht aus elektromagnetischen Wellen unterschiedlicher WellenlĂ€nge. Da normalerweise die unterschiedlichen WellenlĂ€ngen alle gleichzeitig aufeinandertreffen erscheint das Sonnenlicht fĂŒr uns weiĂ. Trifft dieses Licht auf einen Regentropfen, so wird es gebrochen, also in seiner Richtung verĂ€ndert, und gleichzeitig in seine spektralen Farben zerlegt. Dieser Prozess beginnt beim Eintritt des Lichts in den Tropfen: Die Lichtstrahlen werden an der TropfenoberflĂ€che gebrochen, im Inneren reflektiert und beim Austritt erneut gebrochen. Durch diese zweifache Brechung und einmalige Reflexion wird das Licht in verschiedene Farben aufgefĂ€chert und zurĂŒck in Richtung des Beobachters geworfen. Der Regenbogen erscheint als Bogen mit einem Winkel von etwa 42 Grad (fĂŒr rotes Licht) relativ zur Richtung der einfallenden Sonnenstrahlen. Diese Konstanz wird durch die Geometrie der Lichtstreuung im Tropfen bestimmt und ist dabei unabhĂ€ngig vom Standpunkt des Beobachters.
Trotzdem kann die Form des Regenbogens vom vertikalen Standort des Beobachters variieren. Befindet sich der Beobachter in einer höheren Position â beispielsweise auf einem HĂŒgel oder in einem Flugzeug â kann der Regenbogen als vollstĂ€ndiger Kreis erscheinen. In normalen Bedingungen, bei denen der Horizont die untere HĂ€lfte des Regenbogens verdeckt, sieht der Beobachter nur einen Halbkreis oder Bogen. Zudem Ă€ndert sich die GröĂe des Regenbogens in AbhĂ€ngigkeit zum Sonnenstand. Bei niedrigem Sonnenstand steht der Regenbogen hoch am Himmel und erscheint groĂ, weil der gegenĂŒberliegende Winkel von einem tief stehenden Sonnenpunkt ausgeht. Bei hohem Sonnenstand, also im Sommer zur Mittags- oder Nachmittagszeit, ist der Regenbogen eher flacher und nĂ€her am Horizont, da der zugehörige geometrische Winkel unter den Horizont fĂ€llt.
Ein typischer Regenbogen zeigt die Farben in folgender Reihenfolge (von auĂen nach innen): Rot, Orange, Gelb, GrĂŒn, Blau, Indigo und Violett â also das Spektrum sichtbaren Lichts. Diese Reihenfolge ergibt sich aus der wellenlĂ€ngenabhĂ€ngigen Brechung: Kurzwelliges Licht (z.B. Blau und Violett) wird stĂ€rker gebrochen als langwelliges (z.B. Rot). Dadurch erscheinen die verschiedenen Farben in unterschiedlichen Winkeln zur einfallenden Sonnenstrahlung. FĂŒr den Hauptregenbogen liegt der Winkel des rĂŒckgestreuten roten Lichts wie schon erwĂ€hnt bei etwa 42 Grad zur ursprĂŒnglichen Sonnenrichtung.
Die IntensitĂ€t und SchĂ€rfe der Farben in einem Regenbogen hĂ€ngen stark von der GröĂe der Regentropfen ab. GroĂe Tropfen (etwa mit einem Durchmesser von 1â2 mm) erzeugen krĂ€ftigere, klar abgegrenzte Farben, da sie das Licht kohĂ€renter brechen und reflektieren. Kleine Tröpfchen hingegen (unter 0,5 mm) lassen die Farben ineinander verlaufen, wodurch der Regenbogen eher milchig oder unscharf erscheint. In sehr feinem SprĂŒhregen oder Nebel kann es sogar sein, dass kaum noch Farben sichtbar sind â ein Effekt, der beim sogenannten Nebelbogen besonders deutlich wird.
Manchmal lĂ€sst sich auĂerhalb des Hauptregenbogens ein zweiter, schwĂ€cherer Bogen erkennen â der sogenannte sekundĂ€re Regenbogen oder Nebenregenbogen. Dieser entsteht durch zwei statt einer inneren Reflexion im Regentropfen. Dabei kehrt sich die Farbreihenfolge um: Beim nebenregenbogen liegt Rot innen und Violett auĂen. Der Nebenregenbogen ist zudem breiter und deutlich lichtschwĂ€cher, da durch die zusĂ€tzliche Reflexion mehr Licht im Tropfen verloren geht. Zwischen primĂ€ren und sekundĂ€ren Regenbögen liegt der sogenannte âAlexandersche Dunkelstreifenâ, benannt nach Alexander von Aphrodisias, der diese Erscheinung bereits im 2. Jahrhundert beschrieb. Dieser Bereich erscheint dunkler, da dort weniger Licht aus den Regentropfen reflektiert wird. Theoretisch gibt es auch noch Regenbögen, bei denen das Licht im Wassertropfen dreimal reflektiert wird. In der Natur wurde das aber bisher nicht beobachtet, da die LichtintensitĂ€t zu gering ist.
Ein eher selten beobachtbares PhĂ€nomen ist der Mondregenbogen oder seleneische Regenbogen. Dabei handelt es sich um einen Regenbogen, der durch das Licht des Mondes statt der Sonne erzeugt wird. Da das Licht des Mondes wesentlich schwĂ€cher ist als Sonnenlicht, erscheint ein Mondregenbogen meist weiĂlich oder nur schwach farbig â die LichtintensitĂ€t reicht oft nicht aus, um das volle Farbspektrum fĂŒr das menschliche Auge sichtbar zu machen. Mondregenbögen treten nur bei Vollmond (oder fast Vollmond) auf und erfordern eine Ă€hnliche Geometrie wie Sonnenregenbögen: Regen auf der gegenĂŒberliegenden Seite und einen klaren Himmel in Richtung des Mondes.
Ein weiteres PhĂ€nomen ist der Interferenzbogen oder auch âSupernumerary Bowsâ genannt. Bei der Brechung des Lichts im Tropfen werden die Strahlen nicht nur in ihre Spektralfarben zerlegt, es finden zudem auch Phasenverschiebungen von Lichtstrahlen gleicher WellenlĂ€nge statt. Bei der Ăberlagerung der Lichtwellen entstehen Interferenzeffekte. Sie erscheinen als feine, zusĂ€tzliche FarbbĂ€nder innerhalb des Hauptregenbogens, meist in Rosa- und TĂŒrkistönen. Die Entstehung von Interferenzbögen ist dabei auch von der TröpfchengröĂe abhĂ€ngig. Zum einen dĂŒrfen die Regentropfen nicht zu groĂ sein, zum anderen auch nicht zu klein. Am idealsten sind Tropfendurchmesser von 0,4 bis 0,6 mm.
Noch seltener als den Interferenzbogen sieht man den Zwillingsregenbogen. Beim Zwillingsregenbogen gibt es zwei Hauptregenbögen, die fast parallel nebeneinander erscheinen bei gleicher Farbreihenfolge. Es handelt sich also nicht um einen Nebenbogen mit einer Umkehr der Farbfolge. Ursache ist eine Mischung unterschiedlich groĂer Regentropfen entlang der Sichtlinie. Das tritt beispielsweise auf, wenn zwei unterschiedlich intensive Regenschauer aufeinander treffen. Lichtstrahlen aus groĂen und kleinen Tropfen werden leicht unterschiedlich abgelenkt (der exakte Winkel ist abhĂ€ngig von der TropfengröĂe), was zur Aufspaltung des Hauptbogens in zwei scheinbar parallele Bögen fĂŒhren kann.
Wer sich jetzt nach all dem Gerede noch auf die Suche nach dem Schatz am Ende des Regenbogens machen möchte, dem sei nochmal der erste Abschnitt des Artikels ins GedĂ€chtnis gerufen. Der Regenbogen ist unabhĂ€ngig vom Standpunkt des Beobachters und bewegt sich daher mit dem Beobachter mit. Das Ende des Regenbogens kann also nie erreicht werden. Aber manchmal ist ein Spaziergang im Freien mit Blick auf eine bunt leuchtende âEinhornrutscheâ ja vielleicht selbst schon Gold wert.






