Am vergangenen Dienstag um 23:04 Uhr mitteleuropĂ€ischer Sommerzeit war es soweit: Mit dem MTG-S1 hob der erste europĂ€ische geostationĂ€re Satellit mit einem Infrarot-Sounder-Instrument (ISR) vom Kennedy Space Center in Florida ins Weltall ab. Neben dem ISR ist der Satellit auch mit dem Copernicus Sentinel-4 UV-Visible-Near-Infrared (UVN) Spektrometer ausgestattet. WofĂŒr man so etwas braucht, erfahren Sie gleich.
Erst einmal wollen wir auf den Satelliten an sich eingehen. Der MTG-S1 ist der zweite Satellit, der im Rahmen des MTG-Programms (siehe www.eumetsat.int (Ăffnet neues Fenster)">www.eumetsat.int/meteosat-third-generation) gestartet wurde. Der erste Satellit, Meteosat Third Generation Imager-1 (MTG-I1), ist 2024 in den Routinebetrieb ĂŒbergegangen und liefert als Meteosat-12 seitdem Beobachtungsdaten mit doppelt so hoher rĂ€umlicher und zeitlicher Auflösung sowie einer hundertfach höheren Datenrate im Vergleich zu den Meteosat-VorgĂ€ngerversionen. Den deutschen Beitrag des Programms finanziert das Bundesministerium fĂŒr Verkehr. FĂŒr die fachliche UnterstĂŒtzung bei der DurchfĂŒhrung ist die Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum fĂŒr Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit dem DWD verantwortlich.
Die MTG-Baureihe wurde im Auftrag der EuropĂ€ischen Organisation zur Nutzung meteorologischer Satelliten Eumetsat von der EuropĂ€ischen Weltraumorganisation ESA entwickelt und soll die KontinuitĂ€t der 1977 mit METEOSAT-1 begonnenen Wetterbeobachtung aus dem Weltraum sicherstellen. Sie besteht aus insgesamt sechs Satelliten, die in Serie gestartet werden, um ĂŒber die nĂ€chsten 25 Jahre routinemĂ€Ăig Wetterdaten zu generieren: vier Satelliten mit abbildenden Instrumenten, den sogenannten Imagern (MTG-I1-4), und zwei Satelliten mit spektral hochauflösenden Instrumenten, den sogenannte Soundern (MTG-S1-2). Die neueste Generation, MTG, wird die Sturmvorhersage maĂgeblich transformieren, die Wettervorhersage verbessern, die Klimaaufzeichnungen erweitern und eine breite Palette wichtiger Beobachtungen liefern.
"Ganz konkret werden die Daten des MTG-S1 uns in die Lage versetzen, das generelle Auftreten, den Ort und die Schwere von konvektiven StĂŒrmen â also Gewittern, Sturmereignissen mit hohen Niederschlagsmengen oder Hagel â noch prĂ€ziser vorherzusagen und entsprechend genauer zu warnen. Indem wir die Informationen sowohl in unser regionales, als auch in unser globales Vorhersagemodell einflieĂen lassen, wird es uns auĂerdem möglich sein, Kurzfristvorhersagen und die Vorhersage im Bereich mehrerer Tage enger zu verzahnen, und damit die VorhersagequalitĂ€t insgesamt zu erhöhen. Nicht zuletzt werden perspektivisch auch das Klimamonitoring des DWD sowie die nachgelagerten Produkte und Dienstleistungen von dieser neuen Satelliten-Generation profitieren", so DWD-PrĂ€sidentin Prof. Dr. Sarah Jones. Sie verfolgte den Start der Falcon 9 Rakete, an der der Satellit gekoppelt war, gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern live bei Eumetsat in Darmstadt.
Nun zu den Instrumenten an Bord des MTG-S1: Das IRS-Instrument wird ungefĂ€hr alle 30 Minuten Messdaten liefern, die RĂŒckschlĂŒsse auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit und indirekt auch den Wind in verschiedenen Höhen der ErdatmosphĂ€re sowie auf die Verteilung wichtiger Spurengase ĂŒber Europa und Nordafrika zulassen. GegenĂŒber Ă€hnlichen Daten von polarumlaufenden Satelliten ist besonders diese extrem gute zeitliche Auflösung wichtig, die eine relativ kontinuierliche Beobachtung ĂŒber den ganzen Tag mit einer gleichzeitig hohen rĂ€umlichen Auflösung liefert. Neben der Nutzung fĂŒr die numerische Wettervorhersage generell sind solche Daten besonders fĂŒr die FrĂŒherkennung von möglichen Sturmentwicklungen wertvoll. Zudem verbessern sie die bisherigen Modelle fĂŒr die Wettervorhersage im Stunden- und Minutenbereich.
Das hochauflösende Sentinel-4 UVN-Spektrometer fĂŒr den ultravioletten, sichtbaren und nah-infraroten Spektralbereich wird die LuftqualitĂ€t und die Konzentration von Treibhausgasen messen. Hierzu liefert es stĂŒndlich Informationen der wichtigsten Spurengase und Schadstoffe Ozon, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Formaldehyd. DarĂŒber hinaus werden Wasserdampf sowie Aerosol- und Wolkeneigenschaften erfasst. Informationen ĂŒber Ozonverteilung und Sonneneinstrahlung fĂŒr die UV-Vorhersage werden ergĂ€nzend gewonnen. Sentinel-4 liefert damit wichtige Beobachtungen fĂŒr die Klima- und AtmosphĂ€renĂŒberwachung.



