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20. Januar 2026 | Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm

Eisnebelhalos - ein himmlisches Phänomen auf Erden

Eisnebelhalos - ein himmlisches Phänomen auf Erden

Datum 20.01.2026

Im heutigen Thema des Tages geht es um eine besondere Form der Halos, die nicht am Himmel stehen, sondern auf der Erde in greifbarer Nähe zu sein scheinen: Die Eisnebelhalos.

Die weithin sichtbaren, teils farbenfrohen Lichtspuren der „Halos“ am Himmel hat wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen, wenn sich hohe, dünne Schleierbewölkung (Cirrus) vor die Sonne schiebt. Diese himmlischen Phänomene gibt es aber auch am Erdboden, quasi zum Greifen nahe: Die Eisnebelhalos.


Abb 1: Eisnebelhalos am Furggelenstock, aufgenommen am 22. November 2025





Abb 2: Lichtbrechung und Dispersion am Beispiel eines Prismas



Halos sind Lichteffekte der atmosphärischen Optik, die durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen entstehen. Sonnenlicht wird beim Eindringen in die Eiskristalle gebrochen, wodurch sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes ändert und der Lichtstrahl abgelenkt wird. Die Stärke der Lichtbrechung ist abhängig von der Frequenz des Lichtes, wodurch es zu einer Aufspaltung in die spektralen Einzelteile kommt wie bei einem Regenbogen. Das nennt man in der Optik Dispersion (siehe Beispiel in Abbildung 2). Im Inneren wird das Licht dann mitunter mehrfach an den Wänden der Kristalle reflektiert, also wie bei einem Spiegel zurückgeworfen, und tritt schließlich wieder aus den Kristallen aus. Wie und wohin genau das Licht reflektiert und gebrochen wird, hängt von der Form der Kristalle sowie dessen Orientierung relativ zum einfallenden Sonnenlicht ab. So vielfältig die geometrischen Formen der Eiskristalle sind, so vielfältig sind auch die unterschiedlichen Formen der Halo-Erscheinungen.

Damit es zu Halos kommt, braucht es folglich Sonne und Eiskristalle. Während diese Kombination in großer Höhe (z. B. in 10 Kilometern) wegen der dort vorkommenden, dünnen Schleierwolken häufiger vorkommt, hat dies am Erdboden eher Seltenheitswert. Zwar stellt beispielsweise Eisnebel, also Nebel bei Temperaturen von unter 0 Grad Celsius, die notwendigen Eiskristalle bei entsprechender Wetterlage zur Verfügung, aber meistens ist dieser zu dicht, dass nicht genügend Sonnenlicht bis zum Erdboden bzw. zum Beobachter durchdringt. Bessere Chancen hat man da in den Hochlagen der Mittelgebirge und in den Alpen, wenn der Nebel aus den Tälern gerade so in Form weniger Eiskristalle zum Beobachter schwappt, die Sonne aber noch nicht verdunkelt. Ein Mekka für Eisnebelhalos in Deutschland ist das Erzgebirge, wenn sich der Nebel aus dem Böhmischen Becken in Tschechien über den Kamm kämpft und auf deutscher Seite in winzige Eiskristalle zerfällt. Die Halos sind dann nicht mehr am Himmel, sondern um einen herum. Alles funkelt und glitzert.


Abb 3: Eisnebelhalos am Furggelenstock, aufgenommen am 22. November 2025


Die beiden Fotos in Abbildung 1 und 3, aufgenommen von Seraphine Hauser und Christian Grams am 22.11.2025 am Furggelenstock im Kanton Schwyz in der Schweiz, zeigen sehr eindrucksvoll Eisnebelhalos in allen möglichen Farben und Facetten. Die beiden Ringe um die Sonne nennt man 22°- und 46°-Ring, wobei die Grad-Angaben die Entfernung des Halos zur Sonne (vom Blickpunkt des Beobachters) bemessen. Die Bögen, die sich oberhalb und unterhalb der Sonnen an den inneren 22°-Ring schmiegen, nennt man obere und untere Berührungsbögen. Die hellen Punkte im inneren Ring links und rechts der Sonne sind die sog. Nebensonnen. Sehr schön zu erkennen sind darüber hinaus der waagerecht verlaufende Horizontkreis und die vertikal verlaufenden Lichtsäulen, die sich in der Sonne schneiden. Insgesamt sind über 50 verschiedene Halo-Arten bekannt, einige von ihnen lassen sich häufiger beobachten, andere nur sehr selten. So oder so gehören Eisnebelhalos wohl zu den schönsten Wetterphänomenen.



© Deutscher Wetterdienst

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