Die weithin sichtbaren, teils farbenfrohen Lichtspuren der âHalosâ am Himmel hat wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen, wenn sich hohe, dĂŒnne Schleierbewölkung (Cirrus) vor die Sonne schiebt. Diese himmlischen PhĂ€nomene gibt es aber auch am Erdboden, quasi zum Greifen nahe: Die Eisnebelhalos.
Halos sind Lichteffekte der atmosphĂ€rischen Optik, die durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen entstehen. Sonnenlicht wird beim Eindringen in die Eiskristalle gebrochen, wodurch sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes Ă€ndert und der Lichtstrahl abgelenkt wird. Die StĂ€rke der Lichtbrechung ist abhĂ€ngig von der Frequenz des Lichtes, wodurch es zu einer Aufspaltung in die spektralen Einzelteile kommt wie bei einem Regenbogen. Das nennt man in der Optik Dispersion (siehe Beispiel in Abbildung 2). Im Inneren wird das Licht dann mitunter mehrfach an den WĂ€nden der Kristalle reflektiert, also wie bei einem Spiegel zurĂŒckgeworfen, und tritt schlieĂlich wieder aus den Kristallen aus. Wie und wohin genau das Licht reflektiert und gebrochen wird, hĂ€ngt von der Form der Kristalle sowie dessen Orientierung relativ zum einfallenden Sonnenlicht ab. So vielfĂ€ltig die geometrischen Formen der Eiskristalle sind, so vielfĂ€ltig sind auch die unterschiedlichen Formen der Halo-Erscheinungen.
Damit es zu Halos kommt, braucht es folglich Sonne und Eiskristalle. WĂ€hrend diese Kombination in groĂer Höhe (z. B. in 10 Kilometern) wegen der dort vorkommenden, dĂŒnnen Schleierwolken hĂ€ufiger vorkommt, hat dies am Erdboden eher Seltenheitswert. Zwar stellt beispielsweise Eisnebel, also Nebel bei Temperaturen von unter 0 Grad Celsius, die notwendigen Eiskristalle bei entsprechender Wetterlage zur VerfĂŒgung, aber meistens ist dieser zu dicht, dass nicht genĂŒgend Sonnenlicht bis zum Erdboden bzw. zum Beobachter durchdringt. Bessere Chancen hat man da in den Hochlagen der Mittelgebirge und in den Alpen, wenn der Nebel aus den TĂ€lern gerade so in Form weniger Eiskristalle zum Beobachter schwappt, die Sonne aber noch nicht verdunkelt. Ein Mekka fĂŒr Eisnebelhalos in Deutschland ist das Erzgebirge, wenn sich der Nebel aus dem Böhmischen Becken in Tschechien ĂŒber den Kamm kĂ€mpft und auf deutscher Seite in winzige Eiskristalle zerfĂ€llt. Die Halos sind dann nicht mehr am Himmel, sondern um einen herum. Alles funkelt und glitzert.
Die beiden Fotos in Abbildung 1 und 3, aufgenommen von Seraphine Hauser und Christian Grams am 22.11.2025 am Furggelenstock im Kanton Schwyz in der Schweiz, zeigen sehr eindrucksvoll Eisnebelhalos in allen möglichen Farben und Facetten. Die beiden Ringe um die Sonne nennt man 22°- und 46°-Ring, wobei die Grad-Angaben die Entfernung des Halos zur Sonne (vom Blickpunkt des Beobachters) bemessen. Die Bögen, die sich oberhalb und unterhalb der Sonnen an den inneren 22°-Ring schmiegen, nennt man obere und untere BerĂŒhrungsbögen. Die hellen Punkte im inneren Ring links und rechts der Sonne sind die sog. Nebensonnen. Sehr schön zu erkennen sind darĂŒber hinaus der waagerecht verlaufende Horizontkreis und die vertikal verlaufenden LichtsĂ€ulen, die sich in der Sonne schneiden. Insgesamt sind ĂŒber 50 verschiedene Halo-Arten bekannt, einige von ihnen lassen sich hĂ€ufiger beobachten, andere nur sehr selten. So oder so gehören Eisnebelhalos wohl zu den schönsten WetterphĂ€nomenen.





