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07. August 2021 | Dipl.-Met. Marcel Schmid

Sommer, wo bist du?

Sommer, wo bist du?

Datum 07.08.2021

Irgendwie will der Sommer in Deutschland dieses Jahr gefühlt nicht so richtig in die Gänge kommen. Schaut man aber etwa 200 Jahre ins Jahr 1816 zurück, dann gab es tatsächlich ein "Jahr ohne Sommer".

Immer wieder werden wir darauf angesprochen, wo denn der Sommer dieses Jahr bleibt und ob er denn noch kommt. Die Antwort ist immer die gleiche. Der diesjährige Sommer entspricht einem normalen mitteleuropäischen Sommer, denn dieser geht nicht einher mit Sonne satt und 30 Grad, sondern präsentiert sich eher wechselhaft und mäßig warm bis warm. Das liegt daran, dass wir uns in der Westwindzone befinden und da der Jetstream dieses Jahr häufig über Mitteleuropa liegt, ist somit kein heißes und stabiles Sommerwetter möglich. Dafür müsste die Strömung längere Zeit auf südliche oder östliche Richtungen drehen. Betrachtet man jedoch die Mittelwerte der Temperatur für Juni, so zeigt sich, dass dieser Monat im Vergleich zum langjährigen Mittel (Referenzzeitraum 1991-2020) sogar deutlich zu warm ausfiel. Der vergangene Juni war mit 19,0 Grad um 2,6 Grad wärmer als das Mittel. Der Juli entsprach mit 18,3 Grad genau dem langjährigen Mittelwert. Mittelwerte hin oder her; das Gefühl, dass der diesjährige Sommer noch nicht so wirklich in Fahrt gekommen ist, ist nicht ungerechtfertigt. Auch die bisherigen Augusttage waren deutlich zu kühl.


Geschätzte Ascheniederschläge während des Ausbruchs 1815. Die roten Bereiche zeigen die Dicke der Niederschläge an, der äußerste Bereich entspricht dabei einem Zentimeter Vulkanasche.
Geschätzte Ascheniederschläge während des Ausbruchs 1815. Die roten Bereiche zeigen die Dicke der Niederschläge an, der äußerste Bereich entspricht dabei einem Zentimeter Vulkanasche.


Doch im Vergleich mit dem Sommer 1816 ist das alles Jammern auf höchstem Niveau. Jenes Jahr ging als das "Jahr ohne Sommer" in die Annalen ein. Zurückzuführen ist dies auf den Ausbruch des Vulkans Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa im Jahr 1815. Dieser schleuderte eine große Menge vulkanischen Materials (Asche und Gas) bis in etwa 43 km Höhe und somit bis in die Stratosphäre hinein. Mit den damals vorherrschenden atmosphärischen Strömungen wurden diese Partikel rund um den Globus verteilt. Dadurch kam es in einigen Regionen zu einer erhöhten atmosphärischen Trübung, wodurch weniger Sonnenstrahlung bis zu Erdoberfläche vordringen konnte bzw. die Sonnenstrahlen bereits in der Stratosphäre zurückgestreut wurden. Damit erwärmte sich zwar die Stratosphäre, an der Erdoberfläche kam es jedoch einer Abkühlung. Außerdem förderte eine Erhöhung der Aerosolkonzentration in der Troposphäre regional auch die Niederschlagsbildung.

Die Sommertemperaturen der Stationen Hohenpeißenberg, Karlsruhe, München-Stadt und Regensburg zeigen durch die Bank für das Jahr 1816 Temperaturen deutlich unter dem Mittel der damaligen Zeit. Die negative Abweichung gegenüber dem Mittel 1781 bis 1810 lag bei etwa 2 Grad. Das hört sich jetzt nicht allzu viel an, wenn man jedoch bedenkt, dass beispielsweise in der Schweiz im Juli bis in die Niederungen noch Schnee fiel, dann wird einem bewusst, wie kalt es doch tatsächlich war. Außerdem hagelte es teils stark, es war lang anhaltend regnerisch und eben kalt. Dadurch kam es vor allem in Süddeutschland zu Missernten und Hungersnöten.

Es geht also noch deutlich kälter als in diesem Sommer. Einen Hoffnungsschimmer für die gebeutelten Wärmeliebhaber gibt es aber: ab Mitte der Woche klettert das Thermometer deutschlandweit auf 25 bis 30 Grad. Der Sommer 2021 nimmt also nochmals einen neuen Anlauf.



© Deutscher Wetterdienst

Bild: Wikicommons

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