HĂ€ufig erhalten wir Anfragen, die das Wetter in ferner Zukunft betreffen, oder auch Anfragen, wann genau ein Gewitter am Abend an einem bestimmten Ort auftritt. Doch der Wetterprognose sind Grenzen gesetzt. Oft mĂŒssen wir die Leute bei derartigen Anfragen enttĂ€uschen, da diese Aussagen nicht möglich sind. Doch warum sind der Vorhersagegenauigkeit und dem Vorhersagezeitraum Grenzen gesetzt und wo liegen diese Grenzen?
Um diese Frage zu beantworten, soll zunĂ€chst kurz erklĂ€rt werden, wie Wettervorhersagen in der Regel entstehen. In der heutigen Zeit leitet der Meteorologe seine Wetterprognose aus den Rechenergebnissen verschiedener Wettermodelle ab. Dabei wird von einem Hochleistungsrechner aus einem gegebenen Anfangszustand der AtmosphĂ€re mit Hilfe von komplexen Gleichungen der Zustand zu einem spĂ€teren Zeitpunkt berechnet. Der Anfangszustand fĂŒr diese Gleichungen ergibt sich aus den Stationsbeobachtungen, Messungen von Bojen, Schiffen Flugzeugen und Ballonaufstiegen sowie aus Satelliten- und Radardaten. Wettermodelle liefern dem Meteorologen nicht nur die Feuchte- und Druckverteilung in verschiedenen Höhen, sondern auch Parameter wie die Temperatur, den Bedeckungsgrad sowie die NiederschlĂ€ge.
Das Problem an den Berechnungen ist jedoch, dass die AtmosphĂ€re ein chaotisches System ist. Das heiĂt, dass der zukĂŒnftige Zustand der AtmosphĂ€re stark von den Anfangsbedingungen abhĂ€ngig ist. Nur geringe Abweichungen in diesen Anfangsbedingungen können zu einer völlig anderen Wetterentwicklung in der Zukunft fĂŒhren.
Ein Beispiel dafĂŒr sind die Unwetter am vergangenen Wochenende in Berlin und Ostbrandenburg. In einer schwĂŒlwarmen Luftmasse bildeten zahlreiche krĂ€ftige Gewitter, die in einer Linie hintereinander ĂŒber Berlin und Ostbrandenburg hinweg zogen und ĂŒber Stunden fĂŒr heftigen Regen sorgten. Diese Gewitter entstanden vorderseitig eines Regengebietes, das von Gewittern aus der Nacht im Westen ĂŒbrig geblieben ist. WĂ€ren die Gewitter in der Nacht stĂ€rker gewesen, dann wĂ€ren wahrscheinlich tagsĂŒber mehr Wolken von diesen Gewitterresten nach Berlin gezogen, wodurch sich die Luft nicht so stark hĂ€tte aufheizen können. 3 Grad weniger hĂ€tten vielleicht gereicht, dass diese Gewitter nicht diese IntensitĂ€t erreicht hĂ€tten.
Nun lĂ€sst sich der Anfangszustand der AtmosphĂ€re fĂŒr die Wettermodelle nicht beliebig genau bestimmen. Zum einen gibt es nicht fĂŒr jeden Punkt der AtmosphĂ€re Messungen, zum anderen sind alle Beobachtungen in einem gewissen Rahmen fehlerbehaftet. Des Weiteren sind die Gleichungen in den Wettermodellen zum Teil nur NĂ€herungen. So werden die Modellrechnungen mit zunehmender Vorhersagezeit immer unsicherer. Wie lange das Wetter noch einigermaĂen vorhersagbar ist, hĂ€ngt stark von der Wetterlage ab. Bei stabilen Wetterlagen wie sommerliches Hochdruckwetterlegen ist der Zeitraum entsprechend lĂ€nger, wĂ€hrend er bei Grenzwetterlagen (z.B. unsichere Tiefzugbahnen, groĂe Temperaturunterschiede auf engem Raum, Gewitterlagen) oft nur wenige Tage betrĂ€gt. Die aktuelle Wetterlage fĂŒhrt uns die Grenzen der Vorhersagbarkeit wieder vor Augen. Gleich zwei Tiefdruckgebiete beeinflussen gerade Deutschland. Im GepĂ€ck haben diese jeweils eine "Schleppe" aus krĂ€ftigem Regen. Da sich diese Tiefdruckgebiete gegenseitig beeinflussen, ist ihre Zugbahn sehr unsicher. Dadurch lĂ€sst sich nur schwer abschĂ€tzen, wo die intensivsten NiederschlĂ€ge, die bis in den Unwetterbereich gehen, auftreten. Die Wettermodelle weisen diesbezĂŒglich Unterschiede von mehreren Hundert Kilometern auf.
Im Allgemeinen gilt jedoch, dass das Wetter in der heutigen Zeit, ohne auf regionale Detailprognosen einzugehen, im Mittel etwa 7 Tage vorhersagbar ist. Bis zu 10 Tagen kann man noch einen groben Trend angeben. Schwieriger wird es bei Detailprognosen von Gewittern. HÀufig lÀsst sich dann nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit angeben. Aber ob ein Gewitter einen bestimmten Ort trifft, weià man in den meisten FÀllen maximal eine Stunde vorher. Der Mathematiker und Chaosforscher Wladimir Igorwitsch Arnold stellte fest, dass die prinzipielle Grenze von Wettervorhersagen bei 2 Wochen liegt.
Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 24.07.2017
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