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15. Dezember 2014 | Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Der absolute "Warnsinn"! - Winteredition

Der ein oder andere Leser wird sich vielleicht an das Thema des Tages "Der absolute "Warnsinn"!" vom 04. August dieses Jahres erinnern.

Darin wurden diverse Warnungen sowie die dazu gehörigen Warnkriterien
vorgestellt, sodass Sie einen Überblick darĂŒber bekommen konnten, was
alles zur EinfĂ€rbung unserer Warnkarte (oben rechts) fĂŒhren kann. Der
Jahreszeit entsprechend lag das Hauptaugenmerk damals auf den
Warnungen vor Gewittern sowie deren Begleiterscheinungen.

Unsere Warnkarte vom heutigen Montag um 09.30 Uhr (MEZ) zeigt einige der typischen winterlichen Warnereignisse: GlÀtte, Nebel, Sturm.
Unsere Warnkarte vom heutigen Montag um 09.30 Uhr (MEZ) zeigt einige der typischen winterlichen Warnereignisse: GlÀtte, Nebel, Sturm.


Zur Winterzeit Ă€ndert sich der Fokus naturgemĂ€ĂŸ etwas. Schneefall,
Schneeverwehungen, Frost, GlÀtte, Glatteis, Tauwetter und Sturm
stehen nun hauptsÀchlich auf der Agenda. Auf den Wind wird im
Folgenden allerdings nicht mehr explizit eingegangen (siehe dazu das
Thema des Tages "Der absolute Warnsinn!" vom 04. August). Zwar können sich auch im Winter noch Gewitter
bilden, verglichen zur sommerlichen Jahreszeit treten diese
allerdings doch stark reduziert und nicht in der sommerlichen
IntensitĂ€t auf. Daher folgt nun ausschließlich die Winteredition der
WarnungsĂŒbersicht.

Das GrundgerĂŒst der Warnungen bleibt unverĂ€ndert: Es gibt vier
Warnstufen, die farblich voneinander getrennt sind. Man unterscheidet
zwischen der "normalen" Wetterwarnung (gelb), der markanten
Wetterwarnung (ocker), der Warnung vor Unwetter (rot) und der Warnung
vor extremem Unwetter (dunkelrot).

BeschÀftigen wir uns zunÀchst mit der niedrigsten Warnstufe (gelb):
Wird mit Neuschneemengen bis 5 cm innerhalb von 6 Stunden, bis 10 cm
in 12 Std., bis 15 cm in 24 Std. oder bis 20 cm in 48 bis 72 Stunden
gerechnet, ist eine entsprechende Schneefallwarnung fÀllig. WÀhrend 5
cm Neuschnee vor allem in BallungsrÀumen wohl ein Verkehrschaos mit
sich bringen wĂŒrde, dĂŒrfte das im höheren Bergland vermutlich
niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Daher greift oberhalb von 800
m die sogenannte Einzelfallentscheidung, d.h. bei Erreichen der
Warnkriterien wird in diesen Lagen nur gewarnt, wenn es der
Meteorologe als notwendig erachtet.
Ebenfalls mit gelb bewarnt werden Gebiete, in denen verbreitet GlÀtte
aufgrund von ĂŒberfrierender NĂ€sse und/oder sehr starke Reifablagerung
auftritt. Dazu kommen noch Nebel, im Bergland zusÀtzlich auch Nebel
durch aufliegende Wolken, die als warnwĂŒrdig gelten, sobald die Sicht
unter 150 m liegt.

Die nÀchste Warnstufe beinhaltet die markanten, ockerfarbenen
Wetterwarnungen. In Sachen Schneefall Ă€ußert sich das darin, dass nun
beispielsweise vor 5 bis 10 cm Neuschnee innerhalb von 6 Std. gewarnt
wird. FĂŒr die ZeitrĂ€ume 12, 24, 48 und 72 Std. gibt es entsprechend
höhere Warnschwellen. NÀhere Informationen dazu finden Sie auf
unserer Startseite bei Klick auf [mehr] oben rechts neben der
Warnkarte und dann auf "ErlÀuterungen und Kriterien" in der linken
Spalte.
Konnte sich eine lockere 5 bis 10 cm hohe Schneedecke bilden, so wird
bei wiederholt auftretenden Böen der StÀrke 6 bis 7 Bft (zwischen 39
und 64 km/h) eine Warnung vor Schneeverwehungen ausgegeben.

Richtig gefÀhrlich wird es beim Thema Glatteis. Aufgrund von
kleinrĂ€umigem oder kurzzeitigem gefrierenden Regen oder SprĂŒhregen
ist dann eine entsprechende "ocker"-Warnung notwendig.
Ebenfalls zur markanten Warnstufe gehört die Warnung vor strengem
Frost, d.h., dass ĂŒberörtlich eine Lufttemperatur unter -10 Grad
erwartet wird. Aber auch Plustemperaturen können Warnungen mit sich
bringen. Tauwetter ist das Stichwort. Wird dabei zum Beispiel mit
einer Abflussmenge von 25 bis 40 l/qm innerhalb von 12 Std.
gerechnet, so ist eine entsprechende "ocker"-Warnung fÀllig.

Mit der nÀchsthöheren Warnschwelle gelangen wir in den
Unwetterbereich. Landkreise, fĂŒr die Unwetterwarnungen ausgegeben
werden, weisen eine rote EinfÀrbung auf. Von unwetterartigem
Schneefall ist die Rede, wenn zum Beispiel 10 bis 20 cm innerhalb von
6 Std. (oberhalb von 800 m 20 bis 30 cm im selben Zeitraum) erwartet
werden. Bei einer lockeren Schneedecke von mehr als 10 cm Höhe sowie
wiederholt auftretenden Böen ab 8 Bft (ab 65 km/h) sehen wir
Meteorologen in Sachen Schneeverwehungen rot. Tritt verbreitet
Glatteis am Boden oder an GegenstÀnden auf, wird ebenfalls die rote
Karte gezogen. Auch Tauwetter kann unwetterartig ausfallen, wobei
dann mit einer Abflussmenge von beispielsweise mehr als 40 l/qm
innerhalb von 12 Std. gerechnet wird.

Reicht selbst eine Warnung vor Unwetter nicht mehr aus, so muss die
höchste Warnstufe bemĂŒht werden. FĂŒr eine Warnung vor extremem
Unwetter, reprĂ€sentiert durch die Farbe Dunkelrot, werden bezĂŒglich
Schneefalls mehr als 20 cm Neuschnee innerhalb von 6 Std. (oberhalb
von 800 m mehr als 30 cm im selben Zeitraum) erwartet. Fegen
wiederholt Windböen ab 8 Bft ĂŒber eine mehr als 25 cm hohe, lockere
Schneedecke, wird eine Warnung vor extrem unwetterartigen
Schneeverwehungen ausgegeben. FĂŒr Tauwetter und Glatteis existiert
dagegen keine "Alarmstufe Dunkelrot".

Unter dem Strich lÀsst sich also sagen: je bunter unsere Warnkarte,
desto "warnsinniger" das Wettergeschehen.





© Deutscher Wetterdienst

Bild: DWD