07:24 MESZ | 23.07.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
07. Juli 2013 |

Strahlung

Strahlende Gesichter allerorten. Ein strahlend blauer Himmel, an dem die strahlende Sonne ihre Bahn zieht - so sieht ein Sommer aus dem Bilderbuch aus.

Dass der Strahlungstransport von der Sonne zu uns aktuell sehr
"fluffig" läuft, haben nicht nur unvorsichtige Cabriofahrer und
Freibadgäste an ihrem Sonnenbrand schon erfahren müssen. Auch wer
sich der Fragestellung der Strahlung und des Strahlungstransports
wissenschaftlicher nähert, kommt - wenig überraschend - zu ähnlichen
SchlĂĽssen.

Im Gegensatz zur Aussage von Altkanzler Helmut Kohl, nach der es
entscheidend ist, was hinten rauskommt, gilt beim Strahlungstransport
in der Atmosphäre, dass es entscheidend ist, was unten ankommt. Und
das hängt insbesondere von der Absorption und der Streuung in der
Atmosphäre ab. Bei der Absorption handelt es sich um die Aufnahme der
Strahlung durch die Teilchen und Moleküle in der Atmosphäre. Die
Streuung ist die Ablenkung der Strahlung aus ihrer ursprĂĽnglichen
Richtung.

Diese erste und sehr grobe Beschreibung der Abläufe entpuppt sich bei
genauerer Betrachtung als deutlich komplizierter. BerĂĽcksichtigen
kann man beispielsweise noch die Mehrfachstreuung und die Strahlung
der atmosphärischen Teilchen selbst. Und letztere lässt sich wieder
unterteilen, etwa in die kurz vorher absorbierte und dann -
möglicherweise verändert - wieder abgegebene Strahlung und diejenige
Strahlung, die die atmosphärischen Teilchen aufgrund ihrer eigenen
physikalischen Eigenschaften aussenden.

Aber während unter gewissen Annahmen und Randbedingungen eine
mathematisch exakte Beschreibung der Phänomene möglich ist, kann man
die Atmosphäre nicht lückenlos überwachen. Lediglich an manchen
Observatorien, wie etwa dem DWD-Observatorium in Lindenberg nördlich
von Cottbus, werden solche Messungen durchgefĂĽhrt.

Der Meteorologe im Vorhersagedienst muss sich also anderweitig
weiterhelfen. FĂĽr ihn liefern Radiosondenaufstiege mit Angaben zur
Feuchte in verschiedenen Höhenstufen Informationen über den
Strahlungshaushalt. Aber auch die im Routinedienst gemessenen
Sichtweiten sind diesbezĂĽgliche brauchbar. Nebenstehend finden Sieeine Karte mit den
Sichtweiten in Kilometern vom gestrigen Abend. Vor allem im Nordosten
deuten die guten Sichten auf "ungestörte" Strahlung hin.

Zum Vergrößern bitte klicken


Entsprechend sehen auch die Meteogramme in dieser Region aus, in der
Grafik ist oben rechts das Meteogramm der Station Kyritz im
Nordwesten Brandenburgs dargestellt. Oben finden sich dabei
Informationen zum Luftdruck und zur Drucktendenz, darunter sind die
Sichtweiten, der Bedeckungsgrad und die Temperatur angegeben. Die
rote Kurve zeigt grafisch den Tagesgang der Temperatur. Bei
"Strahlungswetter", wie wir es aktuell haben, wird die tiefste
Temperatur ganz kurz nach Sonnenaufgang registriert, dann steigt
diese bis zu ihrem Maximum am späten Nachmittag an, um dann wieder
abzusinken.

So kann es doch weitergehen . . .


Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.07.2013

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im SĂĽdwesten Deutschlands

09.07. - Neue Hitze im SĂĽdwesten

08.07. - Sommersturm an der Ostsee

07.07. - Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

06.07. - Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie

05.07. - Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

04.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

03.07. - Endlich wieder DurchlĂĽften - aber wie lange?

02.07. - Deutschlandwetter im Juni 2026

01.07. - Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

30.06. - Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

29.06. - Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

28.06. - Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

27.06. - Hitze, Blitz und Donner!

26.06. - Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

25.06. - HeiĂź, heiĂźer, HARTMUT!

24.06. - Nur noch 6 Monate

23.06. - SechsunddreiĂźig Grad und es wird noch heiĂźer