Facebook Twitter
Drucken
01. September 2022 |

Die "Atmosphäre" des Mondes

Die "Atmosphäre" des Mondes

Datum 01.09.2022

Bald sollen wieder Menschen auf dem Mond landen. Sie haben damit die Möglichkeit, die einzigartige Atmosphäre auf der Mondoberfläche zu genießen - wobei, eine Atmosphäre gibt es dort ja gar nicht. Warum eigentlich?

Im Rahmen der Artemis-Mission der NASA ist geplant, dass seit 1972 erstmals wieder Menschen auf der Mondoberfläche landen. Frühestens 2025 soll dies der Fall sein. Neben ihren Forschungsaufgaben, wie zum Beispiel der Untersuchung von Wasser- bzw. Eisvorkommen (wurden vor knapp zwei Jahren am Südpol des Mondes entdeckt), bleibt aber sicherlich auch etwas Zeit, um die einzigartige Stimmung auf dem Mond zu genießen. Den Blick auf das Wetterradar kann sich das Astronautenteam dabei sparen, denn wettertechnisch hat der Mond nicht viel zu bieten. Es fehlt ihm schlicht und ergreifend eine dafür notwendige Atmosphäre, also ein ihn umhüllendes Gasgemisch.


Zum Vergrößern bitte klicken
Zum Vergrößern bitte klicken


Das liegt aber nicht etwa daran, dass er kein Planet ist, denn der Titan (größter Mond des Saturn) kann beispielweise eine solche vorweisen. Auch bei Planeten ist ihr Vorhandensein wahrlich keine Selbstverständlichkeit, auch wenn in unserem Sonnensystem mit Ausnahme des Merkurs alle Planeten über eine mehr oder weniger gut ausgeprägte Atmosphäre verfügen. Für ihren "Erwerb" muss ein Himmelskörper diverse Voraussetzungen erfüllen.

Einen im wahrsten Sinne des Wortes massiven Vorteil hat ein Himmelskörper, der ein große Masse besitzt. Denn je schwerer er ist, desto größer ist auch seine Anziehungskraft auf andere Teilchen, z. B. eben auf Gasmoleküle. Anders ausgedrückt: Ist ein Himmelskörper zu leicht, also seine Anziehungskraft zu gering, kann er keine Gase in seiner Nähe halten. Sie würden in den Weltraum "abhauen".

Von Nachteil ist dagegen ein "erhitztes Gemüt". Je höher nämlich die Temperatur auf der Oberfläche ist, desto größer ist auch die Bewegungsenergie der dortigen Gasmoleküle. Das wiederum hat einen direkten Einfluss auf ihre Geschwindigkeit, die dabei nämlich ebenfalls zunimmt. Tja, und ab einer bestimmten Geschwindigkeit können sich die Gasteilchen letztendlich von der Anziehungskraft des Himmelskörpers losreißen und in den unendlichen Tiefen des Weltalls verschwinden.

Ein letzter Punkt, der sich positiv auf den Erhalt einer Atmosphäre auswirkt, bezieht sich auf die Gase selbst, die auf einem Himmelskörper z. B. durch Ausgasen (Gasaustritt aus festem oder flüssigem Material) entstehen. Da Gasmoleküle mit einem kleineren Molekulargewicht schneller sind als die mit einem größeren, stehen für Erstere die Chancen deutlich besser, dem Anziehungsfeld des Himmelskörpers zu entkommen.

Die Erde konnte sich in all diesen Punkten behaupten und verfügt somit über die Zusammensetzung des Gasgemisches, das unsere Atmosphäre ausmacht und dort bis zu einer Höhe von etwa 100 km über dem Erdboden recht konstant vorhanden ist: 78,08 % Stickstoff, 20,95 % Sauerstoff, 0,93 % Argon und weniger als 1 % Spurengase (z.B. Kohlendioxid). Der Wasserdampf, der den wichtigsten Bestandteil für unser Wetter darstellt, nimmt aufgrund starker räumlicher und zeitlicher Schwankungen etwa 1 bis 4 % der Luft ein.

Der Mond muss dagegen ohne Atmosphäre auskommen - zumindest im wissenschaftlichen Sinne. Atmosphäre im Sinne von Ästhetik und Stimmung bietet er aber allemal.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 01.09.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

21.01. - Inversionen soweit das Auge reicht

20.01. - Eisnebelhalos - ein himmlisches Phänomen auf Erden

19.01. - Sturmtief „Harry“ und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum

18.01. - Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland

17.01. - Sonne rauf, Temperaturen runter, Niederschlag Fehlanzeige

16.01. - Jahresvorausschau 2025 - Ein Rückblick

15.01. - Sicher auf dem Eis?!

14.01. - Mildes Zwischenspiel ohne Winterrückkehr

13.01. - Rückblick und Warnmanagement

12.01. - Wie geht es weiter mit dem Glatteis?

11.01. - Überregionale Glatteislage - Winterabschied mit der Brechstange

10.01. - Rückblick auf Sturmtief ELLI

09.01. - Bergland oder Tiefland? Wozu gehöre ich?

08.01. - Die Außenkugel

07.01. - Vollkorn oder Graupel?

06.01. - Brisante Wetterlage im Anmarsch?!

05.01. - Winterwunderland Deutschland – aber nicht überall!

04.01. - Gekommen, um zu bleiben

03.01. - Deutschlandwetter im Jahr 2025

02.01. - Deutschlandwetter im Dezember 2025

01.01. - Turbulente erste Tage im Jahr 2026!

31.12. - Das Wetter in der Silvesternacht – der Winter zeigt viele Facetten!

30.12. - Jahresvorausschau 2026

29.12. - Silvesterwetter

28.12. - Schneeflocken nicht nur aus Papier

27.12. - Nicht aufs Glatteis führen lassen

26.12. - Kleines meteorologisches Weihnachtsgedicht

25.12. - Kaltes Hochdruckwetter prägt Weihnachten

24.12. - Weihnachten vor 15 Jahren: "Scarlett" schneite den Süden Deutschlands ein

23.12. - Wie lange hält das hochdruckdominierte Wetter an?