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13. Oktober 2021 |

Bilanz der sommerlichen Meereisbedeckung in der Arktis

Bilanz der sommerlichen Meereisbedeckung in der Arktis

Datum 13.10.2021

Der Klimawandel macht vor allem den Polregionen zu schaffen und lässt das "Ewige Eis" schmelzen. Besonders die Arktis erwärmt sich schneller als der Rest der Welt. Nach dem Ende der sommerlichen Schmelzsaison im September richten sich daher die Blicke auf die minimale Meereisbedeckung in der Arktis. Wie fällt die diesjährige Bilanz aus?

Die Arktis erwärmt sich laut dem Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) schneller als die übrigen Regionen auf unserem Planeten. So stieg die Durchschnittstemperatur in der Arktis von 1971 bis 2019 um 3,1 Grad Celcius. Somit fiel die Erwärmung in der nördlichen Polregion dreimal so hoch aus wie der Anstieg des globalen Durchschnitts im gleichen Zeitraum. Die steigenden Temperaturen in der Arktis bleiben nicht ohne Folgen, denn das Eis rund um den Nordpol schmilzt rasant. Neben der beschleunigten Schmelze des grönländischen Eispanzers, ist auch die Meereisbedeckung im Arktischen Ozean in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen.


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Der saisonale Zyklus der Meereisschmelze wird durch die jahreszeitlichen Temperaturänderungen angetrieben. Der Schmelzprozess beginnt in der Regel Ende März an den äußeren Rändern des Eisschildes, wenn die Tage länger werden und der Einfluss der Sonne über den nördlichen Regionen stark genug ist und somit auch die Temperaturen steigen. Im Sommer scheint in der Arktis 24 Stunden am Tag die Sonne, was bedeutet, dass das Meereis nahezu konstant schmilzt. Mitte September wird meist das Minimum der Eisausdehnung verzeichnet. Anschließend nimmt die Meereisbedeckung mit Eintritt der Polarnacht wieder über das Winterhalbjahr zu.

Mithilfe von Satellitendaten wurde die minimale Ausdehnung in diesem Jahr am 16. September registriert (siehe Abbildung 1 und hellblaue Linie in Abbildung 2). Die Meereisausdehnung ließ sich auf 4,92 Millionen Quadratkilometer beziffern, was etwa 1,5 Millionen Quadratkilometer unter dem langfristigen Durchschnitt von 1981 bis 2010 liegt. Sie fiel immerhin fast eine Million Quadratkilometer größer aus als 2020, als der zweitniedrigste Wert seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen im Jahr 1979 konstatiert wurde. Verglichen mit den letzten sieben Jahren fällt das Minimum zwar in diesem Jahr größer aus, reiht sich dennoch als zwölfniedrigstes auf den vorderen Plätzen ein. Die aktuellen Auswertungen zeigen wenig überraschend, dass sich das jährliche Eisminimum im September in den vergangenen zehn Jahren um rund 13 Prozent gegenüber dem Mittel der Jahre 1981 bis 2010 verringerte.

Nachdem sich bis in den Juli hinein ein rasanter Rückgang mit Kurs auf ein neues Allzeitminimum abzeichnete (siehe Abbildung 2: Vergleich der hellblauen Linie zur gestrichelten Linie von 2012), nahm das Schmelztempo im August deutlich ab. Die etwas größere Meereisbedeckung in diesem Sommer lässt sich vor allem auf eine vorherrschende Wetterlage in der Westarktis zurückzuführen. So etablierte sich in der zweiten Hälfte des Augustes eine rege Tiefdruckzone über der westlichen Hälfte der Arktis zwischen dem nördlichen Kanada und Alaska, während über dem Nordatlantik eine Zone hohen Luftdrucks herrschte. Die Kombination dieser beiden Akteure transportierte Luft aus Nordkanada über die westliche Arktis. Die Lufttemperatur in Nordkanada ist dabei in aller Regel niedriger, als wenn die Luft etwa vom wärmeren Nordpazifik in die Arktis befördert würde. Dies trug dazu bei, dass die westliche Arktis kühler blieb, was die dortigen Schmelzraten reduzierte. Die größten Defizite mit weitgehend eisfreien Bedingungen wurden in diesem Sommer hingegen in den östlichen Randmeeren des Arktischen Ozeans von der Grönlandsee bis zur Barentsee verzeichnet. Verwunderlich ist das nicht, registrierte vor allem Sibirien einen ungewöhnlich warmen Sommer mit länger anhaltenden Hitzewellen, die bis in die russischen Arktisregionen reichten.

Neben der zurückgehenden Ausdehnung des Meereises, nimmt auch die Qualität der Eisdecke ab. In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich von einer mehrjährigen, dickeren und insgesamt stärkeren in eine dünnere, jüngere und instabilere Eismasse verwandelt. Das führt auch dazu, dass sich die arktischen Gewässer stärker aufwärmen, da Sonnenlicht nun vom dunkleren Ozean aufgenommen wird, statt an der Eisoberfläche zu reflektieren. Obwohl die Gesamtausdehnung des Eises im September im Vergleich zu den letzten Jahren höher ausfiel, erreichte die Menge des mehrjährigen Eises einen rekordverdächtigen Tiefstand und lag damit nur geringfügig über dem Wert vom Ende der Rekordschmelzsaison 2012.

M.Sc.-Met. Sebastian Altnau

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.10.2021

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