10:16 MESZ | 09.08.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
22. Mai 2020 |

Nachlese AMPHAN

Nachlese AMPHAN

Datum 22.05.2020

In den vergangenen Tagen wütete der Wirbelsturm AMPHAN in Bangladesch und Teilen Indiens. Viele Straßen und Ortschaften wurden überflutet, Millionen Menschen mussten fliehen.

In dieser Woche war beim deutschen Wetter nicht allzu viel los und so konnte im Thema des Tages vom 19.05.2020 ein Blick über den Tellerrand und Richtung bengalische See geworfen werden. Dort formierte sich bereits seit dem Wochenende ein tropisches Tief, das sich rasch verstärkte und kurzzeitig die Stufe 4 auf der 5-stufigen Saffir-Simpson-Skala erreichte. Die betroffenen Behörden tauften den Zyklon schließlich "Amphan".


Zum Vergrößern bitte klicken


Vergangenen Mittwoch (20.05.2020) verließ der Wirbelsturm AMPHAN die bengalische See und zog auf das Festland des indischen Bundesstaates Westbengalen und das südliche Bangladesch. Der Sturm hatte sich bis dahin von Stufe 4 auf der Saffir-Simpson-Skala zu einer Stufe 2 abgeschwächt. Er traf dennoch am Nachmittag (Indian Standard Time) mit Windgeschwindigkeiten von rund 155 km/h und Böen bis zu 185 km/h auf die Küstenbereiche und konnte in den Mangrovenwäldern vor der Küste noch mit voller Kraft zuschlagen. Eine Sturmflut von rund 3 bis 4 m Höhe erreichte die Küstengebiete Indiens und Bangladeschs und flutete die meisten niedrig gelegenen Regionen.

Auf seinem Weg nord-nordostwärts schwächte sich der Wirbelsturm rasch weiter ab und wurde bereits am Donnerstag nur noch als Sturmtief geführt. Allerdings hatte er bis dahin die dicht besiedelte Region Kalkuttas, in der mehr als 14 Millionen Menschen leben, passiert. Zeitungs- und Fernsehberichten zufolge riss der Sturm in Westbengalen zahlreiche Bäume um und zerstörte etliche Häuser und Tempel durch Wind und Regen. Auch aus Bangladesch wurden überflutete Straßen und zerstörte Häuser gemeldet. In vielen Orten brach die Stromversorgung zusammen.

An der Wetterstation in Kalkutta (Kolkata) Dum Dum wurde am Mittwochabend eine Böe von 130 km/h (12 Bft) registriert. Die höchsten 24-stündigen Regenmengen für Mittwoch wurden vom indischen Wetterdienst mit 240 l/qm in Alipore, 200 l/qm in Dum Dum und 80 l/qm in Haldia angegeben.

In Bangladesch wurden an der Wetterstation Ishwardi in 24 Stunden 160 l/qm Niederschlag registriert, an der Station Netrokona reichte es im gleichen Zeitraum für 94 l/qm. An der Wetterstation Patuakhali im Süden des Landes wurde am Mittwochabend eine Böe von 122 km/h gemessen.

Obwohl bereits im Vorhinein Millionen Menschen evakuiert wurden, gibt es in beiden Ländern etliche Tote zu beklagen. Hunderte von Reis-, Sesam-, Gemüse- und Fischfarmen wurden überschwemmt und zerstört. Die Regierungen befürchten Sachschäden in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro. Der letzte heftige Wirbelsturm in der Region war SIDR im Jahre 2007. Er forderte mehr als 3500 Tote und richtete Schäden von mehr als 2 Milliarden Euro an.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 22.05.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

08.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

07.08. - Starke Bodentrockenheit

06.08. - Schweißtreibender QUIRIAKUS

05.08. - Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

04.08. - Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

03.08. - Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2026

01.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

31.07. - Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

30.07. - Was ist eine Fallböe?

29.07. - Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

28.07. - Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

27.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

26.07. - Tag der Seenotrettung

25.07. - Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

24.07. - Von Hunden und Erfrischungen

23.07. - Kühle Meeresbrise oder die „Land-Seewind-Zirkulation“

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im Südwesten Deutschlands