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21. Februar 2015 | Dipl.-Met. Christian Herold

Erneut Kältewelle in Nordostamerika

Nach den sehr frühen und extremen Schneefällen Ende November, einem kalten Dezember und wieder starken Schneefällen Ende Januar, hat der Nordosten von Nordamerika erneut mit einer kräftigen Kältewelle zu kämpfen.

In Ostkanada wurden Mitte der Woche Temperaturen von bis zu -44 Grad gemessen. Zwar wurden dort schon tiefere Temperaturen gemessen, aber an einigen Stationen haben sich dennoch Tagesrekorde eingestellt. Besonders betroffen ist auch die Region um die Großen Seen und die Ostküste. In einigen Regionen ist der Februar dort auf gutem Wege, der kälteste seit den Wetteraufzeichnungen zu werden. Die extreme Kälte sorgte dafür, dass die Niagarafälle teilweise gefroren sind und es selbst in Florida zu mäßigen Nachtfrösten kam.


Aber nicht nur der Frost ist ein Problem. An der Grenze zur wärmeren
Luft haben sich kräftige Schneestürme gebildet, die im Nordosten der
USA und in Ostkanada ungewöhnlich viel Schnee brachten. Besonders
viel Schnee hat der nördliche Teil der Ostküste abbekommen. Dort
türmen sich die Schneemassen oft meterhoch. So zum Beispiel in der
kanadischen Küstenstatt Carthwright, wo gestern eine Schneehöhe von
2,44 m gemessen wurde.

Ursache für die kräftigen Kältewellen ist eine ungewöhnliche
Jetstream-Konfiguration. Der Jetstream ist ein Starkwindband in der
oberen Troposphäre, das kalte Arktikluft im Norden von warmer
Subtropikluft im Süden trennt. Normalerweise läuft er in mehr oder
weniger starken Mäandern in den mittleren Breiten von West nach Ost.
Derzeit biegt aber der Jetstream über dem Westen Kanadas ungewöhnlich
weit nach Norden ab, sodass warme Luftmassen bis zum Pol
transportiert werden. Im Westen von Nordamerika ist es somit für die
Jahreszeit deutlich zu warm. Über der Mitte von Nordamerika geht
dann der Jetstream wieder steil nach Süden, wobei die arktische
Kaltluft über den Osten von Nordamerika ebenfalls weit nach Süden
transportiert werden. Der Kaltluftpol konzentriert sich also nicht
mehr auf die Arktis sondern auf den Osten Kanadas.


Diese Wetterlage sorgte auch Anfang Januar 2014 für Rekordkälte im
Nordosten von Nordamerika. Sie bestimmte dort im Winter 2013/2014 und
in diesem Winter die wesentliche Strömungskonfiguration. Dies blieb
nicht ohne Folgen für Europa. Meist floss die kalte Luft auch über
den Westatlantik aus, wodurch sich über Neufundland kräftige
Tiefdruckgebilde bildeten. Diese zogen dann ostwärts Richtung Europa
und brachten auf ihrer Vorderseite warme Meeresluft mit sich. So war
das Muster der letzten beiden Winter von Kälte in Nordostamerika und
im Gegenzug von Wärme in Europa geprägt. Ob sich dieses Muster auch
in den kommenden Wintern fortsetzt oder ob sich wieder eine andere
Strömungskonfiguration einstellt, lässt sich allerdings nicht
vorhersagen.

Wie geht es mit der Kältewelle jetzt weiter?

Von Westen zieht am Wochenende ein Wintersturm heran. Dabei schiebt
sich warme und sehr feuchte Luft über die bodennahe Kaltluft. Die
Folge sind kräftige Schneefälle und heftiger Eisregen in Teilen der
Staaten Arkansas, Tennessee, Alabama und Georgia. Bis Mitte nächster
Woche bleibt die Kältewelle jedoch noch erhalten. Dann beginnt sich
die Wetterlage allmählich um zu stellen. Die kalte Luft verlagert
sich westwärts und schwächt sich dabei ab. An der Ostküste setzt dann
allmählich Warmluftzufuhr ein, wobei voraussichtlich erst in der 1.
Märzwoche wieder mit für die Jahreszeit normalen Temperaturen
gerechnet werden kann.






© Deutscher Wetterdienst

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