10. Dezember 2013 |
Wo steckt der Winter?
Diese Frage mag manchem Zeitgenossen unangenehm erscheinen, aber zehn Tage nach Beginn der meteorologischen Jahreszeit drängt sie sich schon in unser Bewusstsein.
Wenn auch der in den kommenden Tagen vielerorts neblig-trübe Himmel aufs Gemüt schlägt, ein frühwinterlicher Kälteeinbruch mit "Eis und Schnee" steht in Mitteleuropa kurz- und mittelfristig nicht auf der Tagesordnung.
Schauen wir nach Nordamerika: In großen Teilen Kanadas herrscht
klirrende Kälte. Spitzenreiter bei den Tiefsttemperaturen heute um
06:00 UTC ist die nördlichste zivile Wetterstation der Erde, Eureka
(Territorium Nunavut, Ellesmere Island, 79°58'N, 85°56'W, 10 m NN),
mit -43.5 °C, gefolgt von den Stationen Alert CS (ebendort, 82°40'N,
063°39'W, 65 m NN) mit -38.2 °C und Resolute Cars (Nunavut,
Cornwallis Island, 74°58'N, 095°15'W, 68 m NN) mit -37.6 °C.
Noch etwas kälter war es in der vergangenen Nacht in Sibirien. Dort
wurden um 00:00 UTC in Habardino (64°28'N, 112°41'E, 244 m NN) sogar
-43.7 °C beobachtet, in Kislokan (63°26'N, 104°19'E, 208 m NN) sowie
in Suntar (61°55'N, 117°44'E, 130 m NN) waren es jeweils -42.6 °C.
Alle diese Stationen liegen in Tälern des Mittelsibirischen
Berglandes. Neben der topografischen Lage, welche die Ansammlung von
Kaltluft ermöglicht, dürfte die Hauptursache für derartige
Extremwerte ein Hochdruckgebiet geringer vertikaler Mächtigkeit sein.
Die eingeflossene Luftmasse kommt zur Ruhe, wird durch
strahlungsbedingte Auskühlung der bodennahen Luftschichten,
insbesondere bei klarem Nachthimmel über Schneeflächen, immer kälter
und wirkt schließlich lokal Klima bildend. Dauerhafte winterliche
Kältehochs trifft man vor allem auch in der Antarktis. Zum Vergleich:
an der russischen Südpolar-Station Wostock (78°14'S, 106°31'E, 3488 m
NN), dem Kältepol der Erde, wurden heute um 00:00 UTC "nur" -38.6 °C
gemessen. Dort herrscht allerdings Polarsommer.
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.12.2013
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