13. März 2013 |
"Schneechaos" in Deutschland - eine Retrospektive
Der heftige und wieder einmal völlig überraschende Wintereinbruch mit
starken Schneefällen hat vor allem in den mittleren Teilen
Deutschlands den Straßen- und Luftverkehr lahmgelegt und für
chaotische Verhältnisse gesorgt. Der Rhein-Main-Flughafen Frankfurt
war zeitweise geschlossen, hunderte Flüge wurden annulliert und
mehrere hundert Passagiere durften die vergangene Nacht auf
Feldbetten in der Halle von Deutschlands größtem Airport verbringen.
Auf der Autobahn A45 im Bereich der Wetterau (Mittelhessen) kam es zu
einer Massenkarambolage, an der über hundert Fahrzeuge beteiligt
waren und dreißig Menschen verletzt wurden, sechs davon schwer. In
Sachsen geriet eine Autofahrerin auf glatter Straße in den
Gegenverkehr und kam ums Leben.
Was war geschehen? Eine Luftmassengrenze über Süddeutschland trennte
gealterte, relativ milde Meeresluft über dem Alpenraum und Südeuropa
von kontinentaler Polarluft weiter nördlich. Grenzflächen (Fronten)
zwischen verschiedenen Luftmassen bewirken Niederschläge, im
konkreten Falle schneite es an der Nordseite, an der Südseite fiel
Regen. Bereits am Samstag entstand diese Struktur über
Norddeutschland und wanderte langsam südwärts. Darüber hinaus bildete
sich im Frontbereich über Frankreich das kleine, aber intensive
Tiefdruckgebiet XAVER. Gestern früh griff es auf Deutschland über und
bescherte insbesondere den Mittelgebirgen ergiebige Schneefälle, die
örtlich Unwettercharakter aufwiesen.
Eine Landkarte der vierundzwanzigstündigen Neuschneemengen (in
Zentimetern) bis heute 06:00 UTC finden Sie nebenstehend:
Die Karte zeigt den Bereich der
deutschen Mittelgebirgsschwelle, etwa zwischen Rheinischem
Schiefergebirge und Erzgebirge. Der Vollständigkeit halber muss
ergänzt werden, dass durch kräftige Schneeschauer im gleichen
Zeitraum auf der Zugspitze (2960 m NN) 20 cm Schnee fielen.
Dass es nun zum "Chaos" kam, liegt wohl weniger an der "riesigen
Schneewalze" als vielmehr an der Entwöhnung und Empfindlichkeit
unserer modernen Gesellschaft. Just-in-Time-Logistik und unbedingte
Mobilität finden hier ihre Grenzen. Es gibt Gerüchte, dass nach den
warmen Vorfrühlingstagen zu Monatsbeginn, einige Winterdienste ihre
Technik bereits eingemottet hätten. Das ist nicht gerade smart.
Apropos "smart" - eine Schneeräum-App für Smartphones wurde bislang
noch nicht erfunden...
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.03.2013
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
© Deutscher Wetterdienst
Themenarchiv:
24.06. - Nur noch 6 Monate
23.06. - Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer
22.06. - Sommer, Sonne, Hitze
21.06. - Von Sonnenstand und Höchsttemperatur
20.06. - Mitternachtsdämmerung
19.06. - Große Hitze und auch schwere Gewitter?
18.06. - Gewitter im Anmarsch: So verhalten Sie sich richtig
17.06. - Wann gibt es Hitzewarnungen und warum?
16.06. - Stormchasing in den USA 2026
15.06. - Weltwindtag
14.06. - Erwartet uns eine intensive Hitzewelle?
13.06. - Das Vertikalprofil - ein zentrales Analyse-Werkzeug
12.06. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ist-Zustand und Prognosen
11.06. - Nicht so schönes Wochenende?
10.06. - Das Observatorium auf dem Hohen Sonnblick
09.06. - Wetterweisheiten aus den Bergen
08.06. - Die Schafskühle
07.06. - Die Wettervorhersage für den D-Day
06.06. - Eine Nebelnacht im Juni
05.06. - Aprilwetter im Juni
04.06. - Abwechslungsreiches Wetter für einen bunten CSD am Samstag in Dresden
03.06. - Deutschlandwetter im Frühjahr 2026
02.06. - Deutschlandwetter im Mai 2026
01.06. - Tief NESRIN - der erste Dämpfer für den (meteorologischen) Sommerbeginn
29.05. - Trockene und feuchte Luftmassen
28.05. - Erste große Gewitterlage 2026?
27.05. - In 16000 m Höhe
26.05. - Was ist eine „Heat Dome“?



