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24. Februar 2025 | MSc.Met. Thore Hansen

Eis- und Schneelage zum Ende des meteorologischen Winters 2024/25

Eis- und Schneelage zum Ende des meteorologischen Winters 2024/25

Datum 24.02.2025

Wenige Tage vor Ende des meteorologischen Winters 2024/25 blicken wir auf die gegenwärtige Schneesituation in Europa und die aktuelle Eisbedeckung der Ostsee.

Die länger werdenden Tage zeigen untrüglich das nahende Ende des Winters. Der meteorologische Winter endet bereits mit dem Ende des Februars am kommenden Freitag. Der kalendarische Winter dauert zwar noch rund drei Wochen länger, doch meist hatte der März der vergangenen Jahre bereits eher frühlingshafte als spätwinterliche Züge.

Der aktuelle Blick auf die Schneehöhen in Europa offenbart viele "Nullen" in den Messwerten bzw. grün-braune Flächen im Satellitenbild. Im Norden Europa liegt etwa nördlich einer Linie Südnorwegen-Mittelschweden-Südfinnland eine mehr oder weniger dicke Schneedecke. Besonders dick ist diese abseits der Gebirge in Lappland, dort werden zum Teil Schneehöhen zwischen 80 und 100 Zentimetern gemessen. In Osteuropa verläuft die Grenze der Schneedecke durch das Baltikum über den Nordosten Polens, Belarus und die Ukraine nach Südosten. Westlich und südlich der skizzierten Linien findet man Schnee, bis auf wenige Ausnahmen nur in den Bergen. Auffällige Besonderheit ist aktuell der Süden Rumäniens. Dort hatte es vergangene Woche zum Teil kräftig geschneit und die Schneedecke erreichte in Bukarest am vergangenen Mittwoch knapp 50 cm. Aktuell liegen dort noch um 20 cm Schnee. Eine weitere Ausnahme bildet die südliche Schwarzmeerküste, dort sorgt Lake Effect für anhaltende Schneefälle bis in tiefe Lagen der Türkei und Georgien. Zum Teil liegen dort mehr als ein halber Meter auf Meeresniveau. Dazu sei auf das gestrige Thema des Tages verwiesen: www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/2/23.html


Europakarte mit Schneedecke in cm.


Alles in allem ist dies eine magere Bilanz am Ende des Winters. Doch nicht nur in tiefen Lagen liegt weniger Schnee als üblich. Auch in den Alpen ist die aktuelle Schneesituation unterdurchschnittlich. Besser "greifbar" als einzelne Schneehöhen ist die Grafik des Schweizer Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (Abbildung 2). Diese zeigt die Schneehöhe relativ zum langjährigen Mittel. Demnach ist die Schneesituation nur in manchen Lagen der Südalpen durchschnittlich, sonst unterdurchschnittlich und besonders in den Nordalpen mit zum Teil unter 30 Prozent der üblichen Menge deutlich unterdurchschnittlich. In den deutschen und österreichischen Alpen sieht dies nicht grundlegend anders aus. Eine zum jetzigen Zeitpunkt denkbar ungünstige Ausgangssituation für die Gletscher im kommenden Sommerhalbjahr.


Alpenregionen der Schweiz unterteilt in Gebiete gleicher relativer Schneehöhe.


Passend dazu zeigt sich auch die Eisbedeckung der Ostsee, nämlich unterdurchschnittlich. Trotz der Kältephase zuletzt findet sich Eis vornehmlich im Bottnischen Meerbusen und dort im nördlichen Teil, der vollständig zugefroren ist. Abseits davon gibt es vor allem im östlichen Teil des Finnischen Meerbusens eine Eisdecke und in Küstennähe einiger Ostseeabschnitte. Mit Stand vom 28.02. sind rund 51.000 Quadratkilometer (km²) mit Eis bedeckt. Üblich sind Werte nahe 80.000 km ² und im Extremfall waren zu diesem Zeitpunkt schon mal etwa 300.000 km² mit Eis bedeckt. Die Oberflächentemperatur des Wassers der Ostsee beträgt aktuell meist drei bis vier Grad, im Finnischen und Bottnischen Meerbusen um ein Grad, ist also größtenteils relativ weit vom Gefrierpunkt und damit der Eisbildung entfernt. Das es, wenn es kalt ist, relativ schnell mit Eis auch an deutschen Küsten gehen kann, zeigen Webcambilder aus Husum der vergangenen Woche. Dort bildete sich im Hafen und bei trockenfallenden Wattflächen Eis.


Karte der Ostsee mit Hervorhebung der eisbedeckten Regionen.


Der Blick auf die kurz- und mittelfristigen Wetteraussichten für Europa zeigt keinen Wintereinbruch, der an dieser Situation grundlegend etwas ändern würde. Meist strömen milde oder mäßig kalte Luftmassen nach Europa. In tiefen Lagen ist mehrheitlich mit einer Abnahme der Schneedecke und in der Ostsee mit einer leichten Abnahme der Eisbedeckung zu rechnen. Einzig höhere Lagen könnten von unbeständigem Wetter profitieren.


Blick in den Husumer Hafen und das trockengefallene Wattenmeer vor Husum, jeweils zum Teil mit Eis bedeckt.




© Deutscher Wetterdienst

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