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12. Juli 2024 | Dr. rer. nat. Markus Übel

Satellitenmeteorologie (Teil 3) - Von kreisenden Adleraugen und unermĂŒdlichen Ruhepolen

Satellitenmeteorologie (Teil 3) - Von kreisenden Adleraugen und unermĂŒdlichen Ruhepolen

Datum 12.07.2024

Heute stellen wir zwei unterschiedliche Arten von Wettersatelliten vor, die geostationÀren und die polarumlaufenden Satelliten.

Wettersatelliten sind in der heutigen modernen Meteorologie nicht mehr wegzudenken. Mit ihrem Blick aus dem Weltall auf unsere Erde leisten sie unter anderem unschĂ€tzbare Dienste bei der Wetteranalyse und der Vorhersage der nachfolgenden Stunden. Insbesondere in Regionen, in denen es kaum Wetterbeobachtungen vor Ort gibt (z.B. Ozeane, WĂŒsten, unbesiedelte Regionen), sind die Daten von Wettersatelliten unverzichtbar. Im dritten Teil dieser Reihe widmen wir uns den beiden sehr unterschiedlichen Arten von Wettersatelliten - den geostationĂ€ren und den polarumlaufenden Satelliten. Beide haben gewisse Vor- und Nachteile, ihre Kombination liefert uns schließlich das bestmögliche Abbild des Wetters rund um den Globus.

Schauen wir uns zunĂ€chst die geostationĂ€ren Satelliten an, die man mit etwas Augenzwinkern auch als unermĂŒdliche Ruhepole bezeichnen könnte. Von der Erde aus betrachtet befinden sich diese Satelliten nĂ€mlich immer an derselben Stelle ĂŒber dem Äquator, sie scheinen sich also fĂŒr den Erdbeobachter nicht zu bewegen. TatsĂ€chlich bewegen sich geostationĂ€re Satelliten im Weltall natĂŒrlich schon; sie drehen sich mit derselben Winkelgeschwindigkeit um die Erde wie die Erde um sich selbst, sie folgen also der Erdrotation. Der Satellit verhĂ€lt sich, als wĂ€re er an einer senkrechten langen starren Stange an einem Ort ĂŒber dem Äquator befestigt und bewege sich mit der sich drehenden Erde. Mithilfe der Newtonschen Gesetze kann man berechnen, dass dies nur auf einer Kreisbahn in einer Höhe von etwa 35.800 Kilometern ĂŒber dem Äquator möglich ist, der geostationĂ€ren Umlaufbahn.

Dass sich geostationĂ€re Satelliten also wie ein Ruhepol immer ĂŒber derselben Stelle der Erde befinden, hat zwei entscheidende Vorteile. Zum einen ist die hohe zeitliche Auflösung zu erwĂ€hnen. Alle 5 bis 15 Minuten machen sie neue Aufnahmen von der Erde. Zum anderen "sehen" die Satelliten bei jeder Aufnahme immer denselben Bildausschnitt, sodass man mit ihnen leicht Satellitenfilme erzeugen kann, die beispielsweise die Bewegungen von Wolkenfeldern im Zeitraffer zeigen. Man kennt diese Filme aus den Medien, aber auch in der synoptischen Meteorologie werden sie benutzt, um die Verlagerung und VerĂ€nderung von Wolken und Druckgebilden zu analysieren und ihre zukĂŒnftige Entwicklung abzuschĂ€tzen.


RÀumliche Auflösung eines geostationÀren Satelliten (Quelle DWD)


GeostationĂ€re Satelliten haben aber auch Nachteile. Durch die recht große Entfernung zur Erde ist selbst mit den besten Radiometern (siehe Teil 1 zur Satellitenmeteorologie) die rĂ€umliche Auflösung begrenzt (Abbildung 1). Senkrecht unterhalb der Satelliten betrĂ€gt die Auflösung je nach MessgerĂ€t ca. 1 bis 5 km. Zu allen vier BildrĂ€ndern hin wird die Auflösung immer schlechter. In Ost-West-Richtung kann dies durch eine ausreichende Anzahl geostationĂ€rer Wettersatelliten ausgeglichen werden, die von der europĂ€ischen EUMETSAT (Meteosat-Satelliten), dem amerikanischen Wetterdienst NOAA (GEOS-Satelliten) sowie von den japanischen, chinesischen und indischen Wetterdiensten betrieben werden. Nach Norden und SĂŒden hin haben aber alle geostationĂ€ren Satelliten das gleiche Problem. Je weiter man sich vom Äquator entfernt, desto schrĂ€ger blickt der Satellit auf die Erde (Effekt von Blickwinkel und ErdkrĂŒmmung) und desto unschĂ€rfer werden demnach die Aufnahmen. Von den beiden Polen der Erde (und deren Umgebung) können geostationĂ€re Satelliten aufgrund der ErdkrĂŒmmung keinerlei Aufnahmen machen.

Die genannten Nachteile gleichen die sogenannten polarumlaufenden Satelliten aus, die kreisenden Adleraugen unter den Satelliten. Sie bewegen sich auf einer polaren, sonnensynchronen Umlaufbahn um die Erde. Anders als die geostationĂ€ren Satelliten fliegen die polarumlaufenden Satelliten also ĂŒber den Erdbeobachter hinweg. Ein Umlauf dauert etwa 100 Minuten und die Erde wird in 12 Stunden einmal komplett abgetastet. Jeder Ort wird also von einem polarumlaufenden Satelliten zweimal tĂ€glich zu denselben Uhrzeiten ĂŒberflogen, wo wir bereits beim Nachteil dieser Satelliten wĂ€ren, der geringen Bildwiederholfrequenz (12 Stunden bzw. im sichtbaren Bereich ein Bild pro Tag pro Satellit). Von Vorteil ist hingegen, dass die polarumlaufenden Satelliten in einer Höhe von nur ca. 800 Kilometern ĂŒber der ErdoberflĂ€che kreisen, wodurch die Satellitenaufnahmen eine deutlich höhere rĂ€umliche Auflösung von ca. 100 bis 1000 m besitzen (Abbildung 2). Zudem nehmen sie auch an beiden Polen scharfe Bilder auf. Polarumlaufende Satelliten werden von den europĂ€ischen, amerikanischen, chinesischen und russischen Wetterdiensten betrieben.


RÀumliche Auflösung eines polarumlaufenden Satelliten (Quelle DWD)


Beide Satellitenarten in Kombination bilden die Erde lĂŒckenlos ab. Schnelle Bildfolgen in rĂ€umlich begrenzter Auflösung liefern die geostationĂ€ren Satelliten, fĂŒr hochaufgelöste Aufnahmen sowie fĂŒr die Erfassung der Pole dienen polarumlaufende Satelliten.



© Deutscher Wetterdienst

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