12. Februar 2012 |
Kommt "Blitzeis"?
Klare Antwort: Jein
Warum das?
Es gibt keine meteorologische Definition von "Blitzeis".
Wenn man das Wort Blitz nicht allzu eng betrachtet, kann man aus
meteorologischer- und auch streutechnischer Sicht zwei Sorten
Blitzeis unterscheiden.
Betrachten wir zunÀchst mal die Regenentstehung.
In unseren Breiten ist Regen normalerweise geschmolzener Schnee,
wobei die Höhe, in der der Schnee schmilzt, logischerweise von den
Temperaturen abhÀngt. Im Sommer liegt die Nullgradgrenze immer so
hoch, dass es in den Niederungen nur regnet, im Winter fÀllt der
Niederschlag mal als Regen, mal als Schnee.
FĂŒr das Blitzeis erster Art braucht man eine normale atmosphĂ€rische
Temperaturschichtung, bei der es nach unten hin immer wÀrmer wird.
Der Schnee schmilzt wĂ€hrend des Fallens und wird zu Regen. Die StraĂe
aber hat Temperaturen von unter null Grad. (Derzeit im Norden um -4
Grad, sonst unter -10 Grad) Dadurch gefriert der Regen am Boden. Je
kÀlter der Boden und umso kleiner die Tropfen, umso schneller friert
der Regen und so kann es bereits nach Minuten spiegelglatt werden.
Dem kann man mit Streusalz, das bei Belagstemperaturen bis -20 Grad
wirkt, vorbeugen.
Nun zum Blitzeis zweiter Art.
Dabei nimmt die Temperatur nach unten hin nur bis zu einer bestimmten
Höhe von beispielsweise 1 km zu, um dann wieder auf Werte unter null
Grad abzusinken.
Wenn bis zum Erreichen der bodennah kalten Schicht der Schnee bereits
geschmolzen ist, kĂŒhlt sich der Regen auf Werte unter(!) null Grad ab
und geht beim Auftreffen schlagartig in Eis ĂŒber, also wirklich
blitzartig.
Da hilft dann auch zunÀchst kein Streusalz mehr und dann sind
zwingend Unwetterwarnungen fÀllig.
Das Blitzeis zweiter Art tritt typischerweise dann auf, wenn in der
Höhe Warmluft vom Mittelmeer kommt und der Regen lÀngere Zeit in die
bodennah eiskalte Kontinentalluft fÀllt.
Die derzeitige Nordostwetterlage wird von einer Nordwestlage
abgelöst. Bei Nordwestlagen wird die kalte Bodenschicht schnell durch
eine normale Temperaturschichtung ersetzt.
Daher kann man davon ausgehen, dass es beim Ăbergang von Schnee zu
Regen nur zum Blitzeis erster Art kommt. Und dem kann durch
rechtzeitiges Streuen der Zahn gezogen werden.
AuĂerdem fĂ€llt der Regen oftmals in eine Schneedecke und da ist man
sowieso immer auf GlÀtte vorbereitet.
Kommen wir nun zur Ausgangsfrage zurĂŒck.
Blitzeis (erster Art) kann bei dem Ăbergang zur Nordwestwetterlage in
den Niederungen örtlich auftreten. Ein Verkehrschaos ist aber nicht
zu erwarten.
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.02.2012
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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