03:03 MESZ | 13.10.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
26. April 2019 |

Der Wetterfrosch

Der Wetterfrosch

Datum 26.04.2019

Meteorologen werden oft auch als "Wetterfrösche" bezeichnet. Aber woher stammt der Begriff? Und können Frösche tatsächlich das Wetter vorhersagen?

Auch beim Deutschen Wetterdienst gibt es sie zuhauf: Wetterfrösche. So werden Meteorologen und ihr weibliches Pendant von ihren Mitmenschen gerne genannt. Beim DWD "lebt" sogar ein ganz spezieller Wetterfrosch namens Sunny (Schauen Sie mal unter www.dwd.de/DE/presse/kinder_sunny/kinder_sunny_node.html). Wieso nennt man Wetterfrösche eigentlich so?


Zum Vergrößern bitte klicken


Der Bezug zum "Wetterfrosch" lässt sich im deutschsprachigen Bereich auf den Europäischen Laubfrosch zurückführen. Dabei handelt es sich um einen nur bis zu etwa 5 Zentimeter großen Frosch, der lediglich 3 bis 9 Gramm wiegt. Diese Frösche sind mit besonderen Klettereigenschaften ausgestattet, die sie vor allem durch sogenannte Haftballen an den Unterseiten ihrer Finger und Zehen erlangen. Damit ist es ihnen möglich, an glatten Flächen und sogar an Glasscheiben hochzuklettern.

Eine weitere besondere Eigenheit schlägt nun die Brücke zum Wetter: Die Frösche steigen bei sonnigem und warmem Wetter an Zweigen und Stielen von Pflanzen empor. Dort halten sie Ausschau nach ihrer Nahrung, den Insekten. Diese fliegen bei Wärme in der Regel höher, weshalb ihnen die Frösche "nachsteigen". Ist es dagegen kalt, sind Insekten und Frösche eher in Bodennähe zu finden.

Wegen dieses Verhaltens dachten die Menschen früher, der Frosch könnte ihnen das Wetter vorhersagen und sperrten ihn fieserweise in ein Einmachglas mit einer kleinen Leiter ein. Stieg der Frosch nun die Leiter hoch, sollte es "gutes" Wetter geben bzw. blieb der Frosch unten, sollte das Wetter "schlecht" werden.

Zwei Dinge wurden dabei aber außer Acht gelassen. Erstens herrscht im Einmachglas ein eigenes Mikroklima, in dem äußere Einflüsse größtenteils ausblendet werden. Und zweitens "misst" der Frosch quasi nur einen Ist-Zustand des Wetters. Aus diesem lässt sich zwar manchmal eine Vorhersage ableiten, häufig jedoch nicht. Als Gegenbeispiel sei ein sonniger und warmer Morgen genannt, an dem nachmittags kräftige Gewitter entstehen. Dann wäre der Frosch am Morgen die Leiter rauf geklettert und trotzdem hätte es später "schlechtes" Wetter gegeben. Frösche können also genauso wenig wie Schwalben, die bei "gutem" Wetter ebenfalls den Insekten in höheren Luftschichten hinterherjagen, das Wetter vorhersagen.

Trotz (oder gerade wegen?) der geringen Vorhersageleistung der Frösche etablierte sich im Laufe der Zeit der Begriff des Wetterfrosches für die Vorhersagemeteorologen. Im Gegensatz zu den Fröschen können heutige Meteorologen aber tatsächlich das Wetter sehr gut vorhersagen. Wenn Sie nicht dieser Meinung sind und den Fröschen bessere Vorhersagen zutrauen, können Sie sich natürlich gerne einen Frosch zulegen. Nur in ein Einmachglas sollten Sie ihn dann besser nicht einsperren.

Dipl.-Met. Simon Trippler

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 26.04.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

12.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 1

11.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert

10.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

09.10. - Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

08.10. - Endlich Regen!

07.10. - Ist der Himmel wirklich blau?

06.10. - Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel

05.10. - Wetterentwicklung

04.10. - Der dritte im Bunde - MTG-I2

03.10. - Navier-Stokes - ein (un)lösbares Problem?

02.10. - Deutschlandwetter im September 2026

01.10. - Regen nach Trockenheit - warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

30.09. - Die pazifische Hurrikansaison 2026: Auf Rekordjagd!

29.09. - Kunterbuntes zum Monatswechsel

28.09. - Halos - optische Erscheinungen am Himmel

27.09. - Tag der Flüsse

26.09. - Ungewöhnlicher warmer Altweibersommer

25.09. - Warum Tallagen besonders frostgefährdet sind

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen