08:41 MESZ | 21.10.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
08. Februar 2019 |

Der nordaustralische Monsun: Wetterkapriolen Down Under

Der nordaustralische Monsun: Wetterkapriolen Down Under

Datum 08.02.2019

Mit dem Wort "Monsun" verbindet man gerne Indien und die damit einhergehenden heftigen Regenfälle. Aber auch auf der Südhalbkugel ist der Monsun anzutreffen, wie z.B. derzeit im Norden Australiens.

Mit dem Wort "Monsun" verbinden viele wohl Indien und die damit einhergehenden heftigen Regenfälle. Dagegen ist auch rein gar nichts einzuwenden. Schließlich liegen dort mehrere Orte, die eine durchschnittliche Jahresniederschlagssume von über 10000 mm vorweisen können, z.B. Cherrapunji mit knapp 11500 mm. Zum Vergleich: An der Station München-Flughafen fallen im Mittel rund 800 mm im Jahr, etwa so viel wie im bundesweiten Durchschnitt.


Schematische Darstellung des Monsunsystems


Der Monsun ist allerdings nicht nur auf Indien und nicht einmal nur auf die Nordhalbkugel beschränkt, sondern auch südlich des Äquators anzutreffen, wie z.B. derzeit im Norden Australiens zu beobachten ist. Was es mit dem australischen Monsun auf sich hat, dazu gleich mehr, doch zunächst ein paar Niederschlagswerte der vergangenen Tage: In der letzten Januarwoche fielen in der Nordhälfte Queensland (Nordost-Australien) verbreitet 100 - 200 mm, an der dortigen Ostküste kamen stellenweise sogar über 400 mm zusammen. Die erste Februarwoche legte im nördlichen Queensland noch einmal eine Schippe drauf und in einem recht großen Gebiet fielen über 400 mm (siehe Abbildung). Laut australischem Wetterdienst (Bureau of Meteorology) wurden an einigen Orten vornehmlich an der Küste im Norden Queenslands über 2000 mm innerhalb der letzten zehn Tage gemessen. Dass damit natürlich auch entsprechende Überflutungen einhergehen, muss wohl kaum extra erwähnt werden.

Was steckt denn nun aber eigentlich hinter dem nordaustralischen Monsun? Im Thema des Tages vom vergangenen Dienstag (05.02.2019, "Atmosphärische Zirkulation - Stationäre Witterungsregime prägen das Leben auf der Erde") wurde bereits auf die innertropische Tiefdruckrinne (ITCZ) und die damit verbundenen Passatwinde eingegangen. Nochmal ganz kurz: Unter der ITCZ versteht man eine mehr oder weniger parallel zum Äquator laufende Zone aufsteigender Luft, die mit dem Zenitstand der Sonne alljährlich zwischen dem nördlichen und südlichen Wendekreis pendelt. In diese Tiefdruckrinne strömt nun bodennah aus Norden und Süden Luft, die dabei auf der Nordhalbkugel nach rechts, also nach Westen (Nordostpassat) und auf der Südhalbkugel nach links, also ebenfalls nach Westen (Südostpassat) abgelenkt wird (Stichwort Corioliskraft).

Blicken wir wieder nach Australien. Im Südsommer - also momentan - verläuft die Tiefdruckrinne etwa über dem Norden des Kontinents, also südlich des Äquators. Das bedeutet aber, dass auch der Nordostpassatwind den Äquator überschreiten muss, um zu ihr zu gelangen, wodurch sein weiterer Weg auf einmal unter einem anderen Vorzeichen steht- im wahrsten Sinne des Wortes. Die nun greifende Linksablenkung des Winds führt dazu, dass dieser auf Nordwest dreht. Daher spricht man auch vom sog. Nordwestmonsun. Auf ihrem Weg über das sehr warme Meerwasser zwischen Asien und Australien kann die Luft einiges an Wasserdampf aufnehmen, sie ist also bei Ankunft im Norden Australiens sehr feucht. Staut sich die Luft nun an den küstennahen Höhenzügen, können sich langanhaltende und kräftige Stauniederschläge entwickeln. Außerdem bildet diese, in die Tiefdruckrinne einfließende feucht-warme Luft den idealen Zündstoff für schwere Gewitter und Tropenstürme (Stichwort "aufsteigende Luft"), die neben zerstörerischen Winden ebenfalls mit enormen Niederschlagssummen aufwarten können (wie derzeit beobachtet).

Im Südherbst, also in unserem Frühling auf der Nordhalbkugel, verabschiedet sich die ITCZ dann wieder allmählich nach Norden, um dann gegen Ende des Jahres wieder zurückzukehren.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 08.02.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

20.10. - Kulinarisches im Herbst

19.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 20: Meteorologie im 19. Jahrhundert (a)

18.10. - Mission impossible

17.10. - Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

16.10. - Es grünt so grün

15.10. - Kaltfront in Lauerstellung

14.10. - Verifikation von Wettermodellen - Teil 2

13.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 2

12.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 1

11.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert

10.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

09.10. - Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

08.10. - Endlich Regen!

07.10. - Ist der Himmel wirklich blau?

06.10. - Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel

05.10. - Wetterentwicklung

04.10. - Der dritte im Bunde - MTG-I2

03.10. - Navier-Stokes - ein (un)lösbares Problem?

02.10. - Deutschlandwetter im September 2026

01.10. - Regen nach Trockenheit - warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

30.09. - Die pazifische Hurrikansaison 2026: Auf Rekordjagd!

29.09. - Kunterbuntes zum Monatswechsel

28.09. - Halos - optische Erscheinungen am Himmel

27.09. - Tag der Flüsse

26.09. - Ungewöhnlicher warmer Altweibersommer

25.09. - Warum Tallagen besonders frostgefährdet sind

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst