22:54 MESZ | 22.07.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
18. August 2018 |

Astronomische Refraktion

Astronomische Refraktion

Datum 18.08.2018

Täglich geht die Sonne auf und unter. Aber wussten Sie, dass wir die Sonne länger sehen, als wir es eigentlich, rein geometrisch betrachtet, können sollten?

Grund für die manchmal etwas länger dauernden Sonnenuntergänge ist die Brechung des Lichts beim Übergang zwischen Medien unterschiedlicher optischer Dichte: die astronomische Refraktion. Die Sonnenstrahlen bewegen sich durch das Vakuum des Weltalls und treffen in der Nähe der Erde auf unsere Atmosphäre. Diese ist gefüllt mit Luft und unterschiedlichen Teilchen, welche eine höhere optische Dichte erzeugen und das Licht in Richtung der Erdoberfläche brechen.


Zum Vergrößern bitte klicken


Geht die Sonne nun unter, werden die sich linear ausbreitenden Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre zur Erde bzw. zum Beobachter hin gebrochen und man sieht sie länger, als man es ohne Atmosphäre tun wurde. Obwohl die Sonne geometrisch schon unter dem Beobachterhorizont steht, erscheint es durch die Lichtbrechung so, als wäre sie noch am Horizont. Wäre die Erde von einem Vakuum umgeben, würden die Sonnenstrahlen einfach an der Erde vorbei laufen und die Sonne wäre schneller nicht mehr sichtbar.

Je kälter es ist und je höher der Luftdruck, umso höher ist die optische Dichte der atmosphärischen Luft und damit auch die Brechung. In sehr warmer Luft und bei tieferem Luftdruck geht die Sonne also schneller unter, als bei kaltem Hochdruckwetter. Um die Refraktion und damit den Zeitunterschied zwischen tatsächlichem Sonnenuntergang und sichtbarem Sonnenuntergang zu berechnen, muss man viele Näherungen annehmen. Für die alltägliche Berechnung geht man bei den meteorologischen Bedingungen von einer Standardatmosphäre aus, die stabil und vertikal gleichmäßig geschichtet ist. Am größten ist die Brechung bei horizontal einfallenden Lichtstrahlen, also bei Auf- oder Untergang der Sonne oder anderer Gestirne. Am geringsten bzw. praktisch Null ist die Brechung bei senkrechtem Auftreffen der Lichtstrahlen auf die Erdatmosphäre und den Beobachter.

Auch das nächtliche Sternenbild unterliegt der astronomischen Refraktion. Sie lässt die Sterne viel weiter weg erscheinen, also sie es tatsächlich sind. Lediglich die sich direkt über dem Beobachter befindlichen Sterne haben den "richtigen" Abstand zur Erde, da sie senkrecht, also im Lot, auf den Beobachter treffen.

An einem 18. August geht die Sonne auf Borkum gegen 20:54 Uhr MESZ, im Raum Berlin gegen 20:22 Uhr MESZ, in Frankfurt am Main gegen 20:38 Uhr MESZ und in Konstanz am Bodensee gegen 20:20 Uhr MESZ unter.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.08.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im Südwesten Deutschlands

09.07. - Neue Hitze im Südwesten

08.07. - Sommersturm an der Ostsee

07.07. - Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

06.07. - Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie

05.07. - Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

04.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

03.07. - Endlich wieder Durchlüften - aber wie lange?

02.07. - Deutschlandwetter im Juni 2026

01.07. - Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

30.06. - Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

29.06. - Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

28.06. - Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

27.06. - Hitze, Blitz und Donner!

26.06. - Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

25.06. - Heiß, heißer, HARTMUT!

24.06. - Nur noch 6 Monate

23.06. - Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer