04. Februar 2015 | M.Sc.-Met. Anna Wieczorek
"Brrr...ist das kalt und unangenehm!"
Derzeit ist in ganz Deutschland nachts mit Frost, teilweise auch mit strengem Frost zu rechnen. Selbst tagsüber kann das Quecksilber im Thermometer an vielen Orten nicht über die Null-Grad-Grenze schreiten, sodass dort sogenannte Eistage herrschen.
Die gemessenen Temperaturen entsprechen aber nicht immer unserer Empfindung. Daher fiel im gestrigen Thema des Tages "Frost" (03.02.2015) auch der Begriff "Windchill Effekt".
Brrr, ist das kalt: Unsere Region bleibt im Eiskeller t.co/YO9k1gxPXI pic.twitter.com/KBIc7SornU
— Landshuter Zeitung (@Landshut) 4. Februar 2015
Der Windchill Effekt beschreibt die Abkühlung der Haut durch eine
erhöhte Windgeschwindigkeit. Das geschieht genau dann, wenn die
Hauttemperatur über der Lufttemperatur liegt. Je nachdem wie stark
die Differenz zwischen der Haut- und Lufttemperatur und wie hoch die
Windgeschwindigkeit ist, fällt die sogenannte "Windchill Temperatur"
(kurz: Windchill) aus. Diese Temperatur wird häufig in den USA als
auch in Kanada genutzt, um die Bevölkerung vor der Gefahr von
Gewebserfrierungen zu warnen (USA:
www.nws.noaa.gov/om/windchill ; Kanada:
www.msc.ec.gc.ca/windchill/index_e.cfm).
Der Windchill beschreibt die Temperatur, bei der die gleiche
windbedingte Abkühlungswirkung auf der Haut auftritt wie unter
meteorologischen Standardbedingungen - ähnlich wie bei der gefühlten
Temperatur. Allerdings werden hier nicht die Luftfeuchtigkeit sowie
die Sonneneinstrahlung betrachtet, sondern nur der Einfluss des
Windes. Daher eignet sich der Windchill zur Bewertung der thermischen
Belastung nur bei überwiegend kalten (winterlichen)
Wetterabschnitten, bei denen diese beiden Parameter nur einen
geringen bis gar keinen Einfluss ausüben.
In Deutschland ist dagegen die gefühlte Temperatur geläufiger, die
auch die Grundlage für den vom DWD vorhergesagten "Thermischen
Gefahrenindex" (Kältestress / Wärmebelastung) sowie den
"Gefahrenindex - Wetterfühligkeit" (Auswirkungen auf das körperliche
Befinden) darstellt.
Die gefühlte Temperatur beschreibt die Temperatur, die mit
angemessener Kleidung, bei mittlerer Luftfeuchtigkeit und Windstille
(beispielsweise bei einem Spaziergang im Schatten) empfunden wird.
Daher ist die gefühlte Temperatur unter warmen, sonnigen und
windschwachen sommerlichen Bedingungen höher als die gemessene
Temperatur. Im Winter fällt die gefühlte Temperatur vor allem bei
windigem Wetter geringer aus. Im Extremfall können in Mitteleuropa
bis zu 15 Grad Unterschied zwischen gefühlter und gemessener
Temperatur liegen.
Doch wie kann die gefühlte Temperatur bestimmt werden?
Der DWD nutzt dafür ein Modell, das den Wärmehaushalt des sogenannten
"Klima-Michels" bewertet. Der Klima-Michel ist ein Modellmensch, der
das Wärmeempfinden des Menschen wiedergeben soll. Dabei sind
Parameter wie Größe, Gewicht oder Alter festgelegt. Die Bekleidung
wird zwischen leichter Sommer- und dicker Winterbekleidung den
meteorologischen Bedingungen angepasst. Die gefühlten Temperaturen
zwischen 0 und 20 Grad würden Behaglichkeit bedeuten, gefühlte
Temperaturen unter 0 Grad ein Kälte- und über 20 Grad ein
Wärmegefühl.
Die Abbildung zeigt die Vorhersage der Lufttemperatur (in 2 m Höhe), des Windchills
und der gefühlten Temperatur in Grad Celsius für Donnerstagmorgen.
Die Vorhersagen basieren auf den Daten von heute 00 UTC (1 MEZ) des
deutschen COSMO-EU Modells. Auffällig ist dabei die zum Teil starke
Differenz zwischen der Lufttemperatur und dem Windchill bzw. der
gefühlten Temperatur von meist über 5 Grad, häufig auch über 10 Grad.
Zwischen dem Windchill und der gefühlten Temperatur fallen die
Unterschiede von meist 2 Grad eher gering aus, wie es für die kalte
Witterung zu erwarten ist.
Für weitere Informationen und Vorhersagen zur gefühlten Temperatur
und Befindensbeeinträchtigungen sei unsere Seite www.dwd.de/biowetter
und für Begrifflichkeiten unser Wetterlexikon unter
www.dwd.de/lexikon empfohlen.
© Deutscher Wetterdienst
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