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08. November 2014 | Dipl.-Met. Martin Jonas

Wet Wet Wet

Blickt man aktuell - zumindest mit dem "meteorologischen Auge" - auf die Mittelmeeranrainer, und dort speziell auf diejenigen im zentralen Mittelmeer, so könnte einem der Name der schottischen Popband "Wet Wet Wet" einfallen. Schließlich bedeutet "wet" u. a. "feucht" oder "nass", und so gesehen ist "wet wet wet" eine treffende Beschreibung der gegenwärtigen Situation in dieser Region.


Da es speziell im Norden Italiens und im Südosten Frankreichs schon
sein einiger Zeit zu kräftigen Regenfällen kam, waren diese am 4.11.
hier im Thema des Tages schon "vertreten". Allerdings hat sich die
meteorologische Situation jetzt etwas geändert, denn während vor
einigen Tagen noch eine langgestreckte Tiefdruckrinne von Spanien
über Frankreich und die Britischen Inseln bis nach Skandinavien
reichte, ist jetzt das Tiefdruckgebiet QENDRESA über Süditalien für
die Wetterentwicklung entscheidend.

Ein spezielles Satellitenbild, welches die Hebungsgebiete sichtbar
macht, finden Sie nebenstehend. Es stammt vom gestrigen Nachmittag um 14 Uhr UTC (15 Uhr
deutscher Zeit). Eine entsprechende Darstellung vom heutigen Samstag
ist zur Zeit noch nicht verfügbar, da die verwendeten
Satellitenkanäle teilweise nur bei Tageslicht zur Verfügung stehen.
Allerdings ist das Tief inzwischen nach Nord-Nordost vorangekommen
und befindet sich an der Südspitze Siziliens.


Sehr deutlich ist die spiralförmige Verwirbelung der Wolkenbänder zu
erkennen, wie man sie oft bei Hurrikanen beobachten kann. Die
Windgeschwindigkeiten haben dabei Orkanstärke erreicht, auf Malta
wurden bis zu 118 km/h gemessen, was exakt die Schwelle zum Orkan
darstellt. Aber auch an der kroatischen Küste, weitab des
eigentlichen Tiefkerns, brachte QENDRESA Orkanböen. In Split wurden
122 km/h gemessen. Natürlich - der Titel dieses Textes verrät es
schon - auch feucht und nass ist es im Einflussbereich von QENDRESA
zugegangen. In Kalabrien fielen in den letzten 24 Stunden (bis 7 Uhr
MEZ) lokal über 50 mm (Liter pro Quadratmeter) Regen. Besonders
"wet" war es aber im Nordwesten Kroatiens und in Slowenien. Dabei
markiert das slowenische Postojna mit 76 mm bis zum heutigen Morgen
die Spitze.


Dass es nicht wirklich besser wird zeigen die Berechnungen der
Wettermodelle. Bis in die Nacht zu Dienstag soll es laut unserem
Globalmodell GME im Norden Italiens erneut knapp 200 mm regnen. Die
niederschlagsreichste Region wird aber laut Modell in Griechenland zu
finden sein. Bis zu 227 mm Regen in 3 Tagen - so mancher deutsche Ort
schafft das im vieljährigen Mittel erst in 3 Monaten. Bei diesen
Aussichten kann man dann nicht nur an die Band "Wet Wet Wet", sondern
auch an ihren Songtitel "Walking on Water" erinnert sein.

Schließlich ist übers Wasser laufen nicht nur grundsätzlich ein
absolutes Alleinstellungsmerkmal. Es dürfte auch besonders
befriedigend sein, wenn alle anderen Gummistiefel brauchen!


P. S.: Es gibt aber auch gute Aussichten. Sonnenschein und bis zu 25
Grad werden in den kommenden Tagen im südargentinischen Patagonien
erwartet. Dort steht aktuell der Sommer vor der Türe. Wahrlich keine
Region für einen Wochenendtrip, aber man wird ja noch träumen dürfen...







© Deutscher Wetterdienst

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