10. April 2013 |
Die Krux mit der Regenwahrscheinlichkeit
Als ich vor etwa einer Woche das Radio einschaltete, war ein Beitrag
zu hören, in dem es um eine Buchvorstellung ging - und zwar um das
Buch "Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft" von Gerd
Gigerenzer. In diesem Zusammenhang wurde unter anderem über die
Aussagekraft der Regenwahrscheinlichkeit gesprochen.
Angeblich lieben wir Meteorologen die Regenwahrscheinlichkeit, hätten
es aber bisher nicht geschafft zu vermitteln, was wir damit
eigentlich meinen. Die Folge davon sei, dass jeder etwas anderes
darunter versteht.
Tja, was soll man dazu sagen...
Als erstes muss hier erwähnt werden, dass viele meiner Kollegen sehr
ungern mit Regenwahrscheinlichkeiten hantieren und sie in
Wetterberichten eigentlich keine Verwendung finden. Lediglich in
tabellarischen Wetterübersichten, wie sie auch häufig im Internet für
die nächsten 7 bis 10 Tage, manchmal sogar für die nächsten 14 Tage
zu finden sind, wird für den jeweiligen Vorhersageort eine
Regenwahrscheinlichkeit angegeben. Mal ganz abgesehen davon, dass die
Aussagekraft von Vorhersagen jenseits der 5 bis 7 Tage begrenzt ist
und diese eher als Trend zu werten sind.
An dieser Stelle ist nun aber wirklich einmal Zeit, die
Regenwahrscheinlichkeit etwas genauer zu beleuchten und hoffentlich
zum Verständnis beizutragen.
Regenwahrscheinlichkeiten beziehen sich immer auf einen bestimmten
Ort oder auch ein bestimmtes Gebiet und auf einen bestimmten
Zeitraum. Und es ist eine Aussage darüber, ob Tropfen fallen oder
nicht. Es wird also nur mit der Regenwahrscheinlichkeit allein keine
Aussage darüber gemacht, wie viel Regen zu erwarten ist. Darüber
hinaus kann auch keine Auskunft über die Art des Niederschlags
gegeben werden: regnet es länger oder ist nur ein kurzer Schauer zu
erwarten?
Wenn also für Berlin eine Regenwahrscheinlichkeit von 30 Prozent
angeben wird, sollte man sich zunächst einmal fragen, für welchen
Zeitraum diese Angabe gilt: meistens wird dies auf den Tag bezogen
sein (man kann aber auch Regenwahrscheinlichkeiten für kürzere
Abschnitte bis zu 1 Stunde angeben).
Die Aussage, die damit gemacht wird lautet: Mit einer
Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent regnet es in Berlin irgendwann.
Es bedeutet nicht, dass es 30 Prozent der Zeit des Tages (also etwa 8
Stunden) regnet oder in 30 Prozent des Gebietes von Berlin, sondern
nur dass es irgendwann, irgendwo in Berlin regnet. Die Aussagekraft
ist also stark begrenzt. Es kann weder auf die Menge des
Niederschlages, noch auf die Art des Niederschlages geschlossen
werden.
Wenn Sie eine Rat von meiner Seite zum Thema hören wollen: Hände weg
von Regenwahrscheinlichkeiten. Lesen sie lieber einen Wetterbericht,
in dem mit Worten besser ausgedrückt werden kann, wo und wann und vor
allem mit wie viel Regen voraussichtlich zu rechnen ist.
Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.04.2013
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