"TrĂŒbes Novemberwetter" oder "tristes Novembergrau" - diese Bezeichnungen fĂŒr ganztĂ€giges Einheitsgrau am Himmel im November (und nicht nur im November) kennt fast jeder. Auch in diesen Tagen ist der Himmel in vielen Regionen Deutschlands wieder grau in grau. Heute gehen wir der Frage nach, warum das so ist und ob in Deutschland der November tatsĂ€chlich der Monat ist, in dem die Sonne am seltensten zu sehen ist.
FĂŒr die zuletzt gestellte Frage hilft ein Blick in die langjĂ€hrigen Wetteraufzeichnungen. Dazu betrachten wir die Referenzperioden 1961-1990 und 1991-2020 und es wird schnell klar, dass der November seinem Ruf als "trĂŒb(st)er Monat" nicht gerecht wird. Mit 52,8 (1961-1990) bzw. 54,6 (1991-2020) Sonnenstunden liegt er in der Rangliste der sonnenĂ€rmsten Monate sogar nur auf Platz 3. Statistisch gesehen noch seltener scheint die Sonne im Januar (1961-1990: 43,6 Stunden; 1991-2020: 51,8 Stunden). Der trĂŒbste Monat ist allerdings der, in dem wir uns gerade befinden, der Dezember, und zwar mit durchschnittlich nur 38 (1961-1990) bzw. 42 Sonnenstunden (1991-2020). Im Vergleich zu den jeweils ĂŒber 200 Sonnenstunden in den Monaten Mai bis August ist das in der Tat ganz schön wenig. Aber warum ist das so?
Eine entscheidende Rolle spielen die unterschiedlichen TageslĂ€ngen. Da die Rotationsachse der Erde gegenĂŒber der Umlaufbahn um die Sonne um 23° geneigt ist, sind die Tage im Sommer lĂ€nger als im Winter. Dadurch betrĂ€gt in Frankfurt am Main die TageslĂ€nge (Zeit zwischen Sonnenaufgang und -untergang) zur Sommersonnenwende (2025: 21. Juni) 16:24 Stunden und zur Wintersonnenwende (2025: 21. Dezember) 8:03 Stunden. In anderen Worten sind also schon rein astronomisch betrachtet im Dezember nur etwa halb so viele Sonnenstunden möglich wie im Juni. Rechnet man die oben genannten monatlichen Sonnenstunden auf die einzelnen Tage um, sieht man schnell, dass die kĂŒrzere astronomische TageslĂ€nge das winterliche Sonnendefizit alleine aber nicht erklĂ€ren kann. In Frankfurt am Main beispielsweise scheint die Sonne im Juli durchschnittlich 7:07 Stunden am Tag und damit mehr als 8-mal so lange wie im Dezember (52 Minuten).
Ein weiterer Grund ist die stĂ€rkere Bewölkung im Winter. WĂ€hrend im Sommer ein Hochdruckgebiet meist sonniges Sommerwetter verspricht, ist bei winterlichen Hochdruckwetterlagen (wie aktuell) die Neigung zu neblig-trĂŒbem Wetter groĂ. Auch hierfĂŒr ist indirekt die Neigung der Erdachse verantwortlich, wir werden von ihr also quasi doppelt bestraft. Da im Winter die Sonne deutlich tiefer am Himmel steht als im Sommer, besitzt sie auch viel weniger Energie in Form von Sonnenstrahlung. Somit fehlt ihr im Winter oft die Kraft, um Nebelfelder aufzulösen. So können sich bei bestĂ€ndigem Hochdruckwetter Nebel- und Hochnebelfelder immer weiter ausbreiten und man bekommt die Sonne teils tagelang nicht zu sehen. Doch auch bei Tiefdruckwetterlagen hat es die Sonne im Winter schwer. Im Einflussbereich von Tiefs tummeln sich meist ausgedehnte Wolkenfelder mit Regen oder Schnee, die uns den Blick auf die Sonne versperren. Zwar gibt es zwischen den TiefauslĂ€ufern auch immer mal wieder sonnige Auflockerungen, von langer Dauer sind diese aber meistens nicht.
Es ist also nicht verwunderlich, dass gerade im Winter die Sonne ein recht seltener Gast ist. Tendenziell scheint die Sonne im Westen und Norden seltener als im SĂŒden, wobei es gerade dort groĂe regionale Unterschiede gibt. WĂ€hrend in den TĂ€lern Frankens die Sonne durchschnittlich teils weniger als 30 Stunden scheint (z.B. 29,9 Stunden in Bad Kissingen), kann man sich im sĂŒdlichen Alpenvorland ĂŒber deutlich mehr Sonne freuen (z.B. 72,8 Stunden in Kempten). Dort befindet man sich hĂ€ufig bereits oberhalb der Hochnebeldecke und profitiert zusĂ€tzlich vom Föhn. Am sonnigsten ist es auf den Alpengipfeln (z.B. Zugspitze mit 116,1 Stunden).
Der bisher sonnenĂ€rmste Monat war ĂŒbrigens der Dezember 1993 mit nur 18,4 Sonnenstunden im bundesweiten Schnitt, wobei damals in Hessen die Sonne lediglich 8,5 Stunden und in NRW 8,6 Stunden schien. Wer damals in LĂŒdenscheid im westlichen Sauerland oder in Schotten (Mittelhessen) wohnte, den traf es besonders bitter. Im gesamten Monat schien dort die Sonne gerade einmal 1,2 bzw. 1,4 Stunden. Manch einem mag auch der Dezember 2018 noch in Erinnerung sein, der mit 25,2 Sonnenstunden auch alles andere als glĂ€nzte.
Ganz so trĂŒb wird es im diesjĂ€hrigen Dezember aller Voraussicht nach nicht. In den ersten 12 Tagen kamen im deutschlandweiten Durchschnitt schon 17 Sonnenstunden zusammen. Zwar bekommen wir an diesem Wochenende die Sonne in vielen Landesteilen ĂŒberhaupt nicht zu sehen, aber ab Montag steigen die Chancen auf Sonne wieder, sodass weitere Sonnenstunden auf das Konto kommen werden. Wie viele Sonnenstunden sich dann in der zweiten MonatshĂ€lfte summieren, bleibt noch abzuwarten.



