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13. Dezember 2025 | Dr. rer. nat. Markus Ăśbel (Meteorologe)

Novembergrau oder Dezembergrau?

Novembergrau oder Dezembergrau?

Datum 13.12.2025

Im Winterhalbjahr ist der Himmel ist oft in tristem "Novembergrau" verhüllt. Doch ist der namensgebende November tatsächlich der trübste Monat im Jahr?

"Trübes Novemberwetter" oder "tristes Novembergrau" - diese Bezeichnungen für ganztägiges Einheitsgrau am Himmel im November (und nicht nur im November) kennt fast jeder. Auch in diesen Tagen ist der Himmel in vielen Regionen Deutschlands wieder grau in grau. Heute gehen wir der Frage nach, warum das so ist und ob in Deutschland der November tatsächlich der Monat ist, in dem die Sonne am seltensten zu sehen ist.

Für die zuletzt gestellte Frage hilft ein Blick in die langjährigen Wetteraufzeichnungen. Dazu betrachten wir die Referenzperioden 1961-1990 und 1991-2020 und es wird schnell klar, dass der November seinem Ruf als "trüb(st)er Monat" nicht gerecht wird. Mit 52,8 (1961-1990) bzw. 54,6 (1991-2020) Sonnenstunden liegt er in der Rangliste der sonnenärmsten Monate sogar nur auf Platz 3. Statistisch gesehen noch seltener scheint die Sonne im Januar (1961-1990: 43,6 Stunden; 1991-2020: 51,8 Stunden). Der trübste Monat ist allerdings der, in dem wir uns gerade befinden, der Dezember, und zwar mit durchschnittlich nur 38 (1961-1990) bzw. 42 Sonnenstunden (1991-2020). Im Vergleich zu den jeweils über 200 Sonnenstunden in den Monaten Mai bis August ist das in der Tat ganz schön wenig. Aber warum ist das so?

Eine entscheidende Rolle spielen die unterschiedlichen Tageslängen. Da die Rotationsachse der Erde gegenüber der Umlaufbahn um die Sonne um 23° geneigt ist, sind die Tage im Sommer länger als im Winter. Dadurch beträgt in Frankfurt am Main die Tageslänge (Zeit zwischen Sonnenaufgang und -untergang) zur Sommersonnenwende (2025: 21. Juni) 16:24 Stunden und zur Wintersonnenwende (2025: 21. Dezember) 8:03 Stunden. In anderen Worten sind also schon rein astronomisch betrachtet im Dezember nur etwa halb so viele Sonnenstunden möglich wie im Juni. Rechnet man die oben genannten monatlichen Sonnenstunden auf die einzelnen Tage um, sieht man schnell, dass die kürzere astronomische Tageslänge das winterliche Sonnendefizit alleine aber nicht erklären kann. In Frankfurt am Main beispielsweise scheint die Sonne im Juli durchschnittlich 7:07 Stunden am Tag und damit mehr als 8-mal so lange wie im Dezember (52 Minuten).


Links: Jahresverlauf der Sonnenstunden in Deutschland mit vieljährigen Mittelwerten 1961-1990 und 1991-2020 sowie der Extrema der einzelnen Monate; rechts: Vergleich astronomische Tageslänge und durchschnittlich gemessene Sonnenstunden pro Tag der einzeln


Ein weiterer Grund ist die stärkere Bewölkung im Winter. Während im Sommer ein Hochdruckgebiet meist sonniges Sommerwetter verspricht, ist bei winterlichen Hochdruckwetterlagen (wie aktuell) die Neigung zu neblig-trübem Wetter groß. Auch hierfür ist indirekt die Neigung der Erdachse verantwortlich, wir werden von ihr also quasi doppelt bestraft. Da im Winter die Sonne deutlich tiefer am Himmel steht als im Sommer, besitzt sie auch viel weniger Energie in Form von Sonnenstrahlung. Somit fehlt ihr im Winter oft die Kraft, um Nebelfelder aufzulösen. So können sich bei beständigem Hochdruckwetter Nebel- und Hochnebelfelder immer weiter ausbreiten und man bekommt die Sonne teils tagelang nicht zu sehen. Doch auch bei Tiefdruckwetterlagen hat es die Sonne im Winter schwer. Im Einflussbereich von Tiefs tummeln sich meist ausgedehnte Wolkenfelder mit Regen oder Schnee, die uns den Blick auf die Sonne versperren. Zwar gibt es zwischen den Tiefausläufern auch immer mal wieder sonnige Auflockerungen, von langer Dauer sind diese aber meistens nicht.

Es ist also nicht verwunderlich, dass gerade im Winter die Sonne ein recht seltener Gast ist. Tendenziell scheint die Sonne im Westen und Norden seltener als im Süden, wobei es gerade dort große regionale Unterschiede gibt. Während in den Tälern Frankens die Sonne durchschnittlich teils weniger als 30 Stunden scheint (z.B. 29,9 Stunden in Bad Kissingen), kann man sich im südlichen Alpenvorland über deutlich mehr Sonne freuen (z.B. 72,8 Stunden in Kempten). Dort befindet man sich häufig bereits oberhalb der Hochnebeldecke und profitiert zusätzlich vom Föhn. Am sonnigsten ist es auf den Alpengipfeln (z.B. Zugspitze mit 116,1 Stunden).

Der bisher sonnenärmste Monat war übrigens der Dezember 1993 mit nur 18,4 Sonnenstunden im bundesweiten Schnitt, wobei damals in Hessen die Sonne lediglich 8,5 Stunden und in NRW 8,6 Stunden schien. Wer damals in Lüdenscheid im westlichen Sauerland oder in Schotten (Mittelhessen) wohnte, den traf es besonders bitter. Im gesamten Monat schien dort die Sonne gerade einmal 1,2 bzw. 1,4 Stunden. Manch einem mag auch der Dezember 2018 noch in Erinnerung sein, der mit 25,2 Sonnenstunden auch alles andere als glänzte.

Ganz so trüb wird es im diesjährigen Dezember aller Voraussicht nach nicht. In den ersten 12 Tagen kamen im deutschlandweiten Durchschnitt schon 17 Sonnenstunden zusammen. Zwar bekommen wir an diesem Wochenende die Sonne in vielen Landesteilen überhaupt nicht zu sehen, aber ab Montag steigen die Chancen auf Sonne wieder, sodass weitere Sonnenstunden auf das Konto kommen werden. Wie viele Sonnenstunden sich dann in der zweiten Monatshälfte summieren, bleibt noch abzuwarten.



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