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06. Januar 2013 |

Die "Schneeliegenbleibgrenze"

"Schneeliegenbleibgrenze" in den Bergen


Anfang November war an dieser Stelle von der Schneefallgrenze die
Rede.
Wir erfuhren, dass die bestenfalls mit einer Genauigkeit von +-150
Metern vorherzusagen ist.
In ungünstigen Fällen, so konnte der leicht vorgebildete Leser
entnehmen, können die Fehler auch bei genauer Temperaturvorhersage
bis zu 500 Meter erreichen.

Zunächst mal kommen wir zu einem eigentlich trivialen Fall.
Es schneit und der Boden ist kälter als null Grad.
Da bleibt der Schnee eigentlich liegen.
Das gilt zumindest für Skipisten, nicht jedoch - und da ist die
Grenze wesentlich wichtiger -
für gestreute und gesalzene Straßen.
Da Tausalz bis etwa -16 Grad wirkt, liegt die
"Schneeliegenbleibgrenze", je nach dem wie viel Salz noch auf der
Straße liegt, bei Belagstemperaturen zwischen 0 und -16 Grad.

Problematisch ist es, wenn am Boden Temperaturen von über null Grad
gemessen werden.
Dann wird der gefallene Schnee so lange geschmolzen, bis die
Oberfläche durch Abgabe der zum Schmelzen notwendigen Energie auf
Werte unter null Grad abkühlt.
Bei Schneefällen und einer Lufttemperaturen über 5 Grad gibt es keine
Probleme.
Schnee fällt bei so hohen Temperaturen nur bei trockener Luft und es
sind so wenige Schneesterne, dass sie unmittelbar beim Auftreffen
schmelzen und den Boden kaum abkühlen können.
Kritisch wird es bei den Schneeschauern, die im Frühjahr schnell mal
10 cm Schneehöhe bringen können. In diesem Fall kann der ungesalzene
Straßenbelag gar nicht so schnell Wärme nachliefern, wie es nötig
wäre, um allen Schnee zu schmelzen. In kürzester Zeit kühlt die
Oberfläche auf null Grad ab und es entsteht eine Schneedecke.

Nun gibt es die Regel, "Winterreifen von O(ktober) bis O(stern)
aufzuziehen".
Liegt Ostern - wie auch 2013 - bereits im März, sind solche
Schneeschauer nach Ostern ziemlich wahrscheinlich und alle, die schon
nach der "O bis O" Regel auf Sommerreifen umgerüstet haben, haben
Pech gehabt.
Sie müssen nach dem Schneefall so lange warten, bis Schnee oder
Schneematsch von der Straße verschwunden sind. Das kann in den frühen
Morgenstunden ziemlich lang dauern.

Ansonsten gibt es noch haufenweise Bedingungen, die die
"Schneeliegenbleibgrenze" beeinflussen.
Man denke nur an von der Sonne beschienene oder im Schatten liegende
Straßen. Das kann im Frühjahr locker mal 10 Grad bei der
Belagstemperatur ausmachen.
Auch Straßenbeläge verhalten sich völlig verschieden. Beton und
Bitumen haben ein ganz anderes Verhalten in Bezug auf die Strahlung
und damit auf die Oberflächentemperatur.

Um es zusammenzufassen:
Ist die Vorhersage der exakten Schneefallgrenze schon ein ziemliches
Problem, so ist, soweit es den Straßenverkehr betrifft, die
Vorhersage der "Schneeliegenbleibgrenze" ein ziemlich aussichtsloses
Unterfangen.



Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.01.2013

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



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