22:59 MESZ | 24.08.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
16. Dezember 2012 |

Sibirische Kälte

Betrachtet man die aktuelle Wetterkarte, sticht das riesige
Tiefdruckgebiet (NICKI I-III) über dem Nordatlantik ins Auge, dem ein
ebenso massives Hoch (THOMAS) über Russland gegenüber steht. Das
Wetter in Mittel- und Westeuropa wird ganz von dem atlantischen Tief
bestimmt, das mit einer südwestlichen Strömung milde Meeresluft zu
uns lenkt. Im Bereich des russischen Hochs herrscht dagegen strenger
Frost, der nicht von ungefähr gerne als "sibirische Kälte" bezeichnet
wird.

Moskau meldete am gestrigen Samstag beispielsweise Höchsttemperaturen
von minus 13 Grad Celsius. Sonst liegen die Temperaturen dort
tagsüber weitgehend unter minus 15 Grad Celsius. Am kältesten war es
in den Gegenden um Omsk und Novosibirsk im Süden Russlands, wo die
Höchsttemperaturen kaum über minus 35 Grad Celsius anstiegen. In den
Nächten sanken die Werte sogar teils unter minus 40 Grad Celsius ab.

Höchsttemperaturen Russland/Nordasien 15.12.2012



Mit solchen Temperaturen, die meist über mehrere Monate hinweg
deutlich im Minusbereich liegen, bietet Sibirien jeden Winter aufs
Neue beste Voraussetzungen für die Entstehung eines kräftigen
Kältehochs, des sogenannten Sibirienhochs. Dieses Hoch gibt der
sibirischen Kaltluft ihren Namen.

Grundsätzlich wird zwischen dynamisch und thermisch bedingten
Hochdruckgebieten unterschieden.
Dynamische oder auch warme Hochdruckgebiete entstehen durch
großräumiges Absinken von Luftmassen, wodurch der Luftdruck am Boden
ansteigt. Beim Absinken erwärmt sich die Luft und trocknet aus, so
dass sich Wolken auflösen. Liegen diese Hochdruckgebiete über warmem
Wasser, dann wird die Luft dadurch noch zusätzlich erwärmt. Dies gilt
zum Beispiel für das Azorenhoch oder das pazifische Subtropenhoch.
Thermisch bedingte oder kalte Hochdruckgebiete entstehen hingegen,
wenn sich im Winter in den bodennahen Luftschichten durch die starke
Abkühlung des Festlandes sehr viel Kaltluft ansammelt. Die kalte Luft
hat eine größere Dichte als warme Luft und übt somit einen höheren
Druck auf den Boden aus.

Das Sibirienhoch erstreckt sich zurzeit über weite Teile Osteuropas
und den Nordwesten Asiens, wobei sich der Schwerpunkt etwa zwischen
Barentssee und dem Kaspischen Meer befindet. In diesem Bereich lag
der Kerndruck am Samstag bei 1062,5 hPa. Aktuell hat sich der
Kerndruck leicht abgeschwächt und beträgt 1056 hPa.
Das Sibirienhoch zählt generell zu den stärksten Hochdruckgebieten
der Erde. Der Rekord liegt allerdings bei einem Kerndruck von 1083,8
hPa, beobachtet am 31.12.1968 in Agata in Nordwest-Sibirien.

Von diesen Temperaturen sind wir allerdings in Mitteleuropa weit
entfernt. Im Gegenteil, nach der zuletzt kalten und schneereichen
Witterung wird in den kommenden Tagen milde Luft zu uns geführt. Es
bleibt dadurch tagsüber zunächst frostfrei und statt mit Schnee haben
wir es immer wieder mit Regen zu tun.
Natürlich steht die Frage im Raum, ob nicht eventuell doch zu den
Weihnachtsfeiertagen hin noch mal die Kaltluft die Oberhand gewinnt.
Oft ist es in der Tat so, dass sich starke sibirische
Hochdruckgebiete sehr rasch und oft schwer vorhersagbar nach Westen
ausweiten. Allerdings gibt es dafür derzeit keine Anzeichen.



Dipl.-Met. Johanna Anger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.12.2012

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nächsten Stunden

23.08. - Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?

22.08. - Pokalwetter mit Sommer-Comeback

21.08. - Noch einmal turbulent, dann wird's wieder ruhiger

20.08. - Sommer im Barock

19.08. - Übers Ziel hinausgeschossen

18.08. - Von laut bis leise: Der Donner

17.08. - Erwartet uns nun der langersehnte Landregen?

16.08. - Sind Sie auf dem aktuellen Stand?

15.08. - Waldbrandwetter

14.08. - Hitze ade?

13.08. - Von Labilität und Feuchte

12.08. - Höhepunkt der Perseiden

11.08. - Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

10.08. - Ätna: Feuer, Asche und Gewitter

09.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

08.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

07.08. - Starke Bodentrockenheit

06.08. - Schweißtreibender QUIRIAKUS

05.08. - Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

04.08. - Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

03.08. - Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2026

01.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

31.07. - Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

30.07. - Was ist eine Fallböe?

29.07. - Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

28.07. - Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

27.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

26.07. - Tag der Seenotrettung