01:35 MESZ | 19.07.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
11. Januar 2026 | M.Sc. Meteorologe Oliver Reuter

Überregionale Glatteislage - Winterabschied mit der Brechstange

Überregionale Glatteislage - Winterabschied mit der Brechstange

Datum 11.01.2026

Nachdem Tief ELLI nun aus Deutschland abgezogen ist und sich die Lage erstmal beruhigt hat, steht nun mit Tief GUNDA die nächste brisante Unwetterlage an, die dieses Mal weite Teile Deutschlands betreffen kann. Nähere Informationen hierzu gibt es im heutigen Thema des Tages.

Vor allem der heutige Sonntagmorgen verlief so gut wie überall frostig und war teilweise sogar bitterkalt, denn beispielsweise in der Lüneburger Heide konnten Tiefstwerte von rund -19 Grad gemessen werden. Auch sonst war es in einem breiten Streifen vom Nordwesten in den Südosten meist kälter als -10 Grad, und dieser (strenge) Frost wird in den kommenden beiden Tagen "zum Problem".

Erneut steht in einigen Teilen Deutschlands eine Nacht mit strengem Frost bevor, wie die prognostizierten Minimumtemperaturen zeigen. Vor allem in der Altmark sind Tiefstwerte von unter -15 Grad wahrscheinlich.



Das liegt daran, dass das sich nördlich von den Britischen Inseln befindliche Tief GUNDA in der Nacht und am Morgen des morgigen Montags ein Frontensystem nach Deutschland sendet, womit es zu Niederschlägen kommt. Dies ist zwar erstmal nichts Besonderes, aber die Konfiguration ist dieses Mal eine andere. In der Höhe kommt mit dieser Front nämlich deutlich mildere Luft nach Deutschland, sodass die Niederschläge zwar anfangs als Schnee fallen, dann aber immer mehr in Regen übergehen.

Dieser Regen fällt nun in die Frostluft und trifft auf durch den vergangenen Frost tief gefrorene Böden. Damit gefriert der Regen wieder, was einen starken Eisansatz zur Folge haben kann und teils auch haben wird. Es ist mit Einschränkungen auf Straßen, Wegen und der Schiene zu rechnen!



Die vom Wettermodell ICON-D2 prognostizierten Niederschläge verdeutlichen, wie beim Niederschlag aus Schnee (blaue Fläche) rasch der gefrierende Regen (rote Fläche) wird. Diese Zone verlagert sich von West nach Ost/Südost.



Blickt man auf die Prognose des deutschen Icon-D2-Wettermodells so wird ersichtlich, dass bereits in der zweiten Nachthälfte größere Teile von Nordrhein-Westfalen sowie von Rheinland-Pfalz und dem Saarland betroffen sind. In den folgenden Stunden verlagert sich die Front weiter gen Osten, dabei wird die Schneephase aber zunächst ein wenig ergiebiger, sprich langanhaltender. Dabei können in den zentralen Mittelgebirgen durchaus nochmal ein paar Zentimeter Schnee fallen.

Aber auch dort, genauso wie im Süden, geht der Schneefall im Tagesverlauf in gefrierenden Regen über und wird mit einer weiteren Welle von Südwesten sogar nochmal verstärkt. Dies gilt vor allem in den Nachmittags- und Abendstunden in einem Streifen von Nordhessen über Thüringen bis Niederbayern. Hier könnte es über Stunden hinweg bei Minusgraden regnen, was einen massiven Eisansatz zur Folge haben kann.

Abends und nachts erreicht die Front dann auch den Osten und bringt dort ebenfalls zunächst Schnee, im Verlauf gefrierenden Regen. Vor allem in Niederbayern halten sich die bodennahe Kaltluft und der darüber ziehende Niederschlag lange, sodass dieses Gebiet nach aktuellem Stand besonders im Fokus liegt.

Mit dem Dienstag ist die Unwetterlage aber noch immer nicht ganz vorbei. Zwar schwächen sich die Niederschläge etwas ab, aber auch im äußersten Osten kommen diese an und treffen dort auf die Frostluft. Erst im weiteren Tagesverlauf entspannt sich dort, wie auch in Südostbayern, die Lage.

Damit endet eine durchaus spannende und wechselvolle winterliche Episode - bis auf Weiteres.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im Südwesten Deutschlands

09.07. - Neue Hitze im Südwesten

08.07. - Sommersturm an der Ostsee

07.07. - Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

06.07. - Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie

05.07. - Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

04.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

03.07. - Endlich wieder Durchlüften - aber wie lange?

02.07. - Deutschlandwetter im Juni 2026

01.07. - Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

30.06. - Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

29.06. - Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

28.06. - Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

27.06. - Hitze, Blitz und Donner!

26.06. - Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

25.06. - Heiß, heißer, HARTMUT!

24.06. - Nur noch 6 Monate

23.06. - Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer

22.06. - Sommer, Sonne, Hitze

21.06. - Von Sonnenstand und Höchsttemperatur

20.06. - Mitternachtsdämmerung

19.06. - Große Hitze und auch schwere Gewitter?