11. November 2012 |
Dabei sein ist alles ...
Heute, zu Beginn der fünften Jahresszeit ist es fast unvermeidlich
über die "Maskierte Kaltfront" zu schreiben. Zudem ist es ja durchaus
möglich, dass eine solche die sich in dieser Woche entwickelnde
Hochdrucklage beendet.
Von einer Kaltfront spricht man, wenn in der gesamten unteren
Atmosphäre (Troposphäre) eine wärmere Luftmasse durch eine kältere
ersetzt wird.
Auf den Wetterkarten finden wir sie als schwarze Kurven mit Dreiecken
in Zugrichtung, bei farbiger Darstellung als blaue Kurven meist ohne
Dreiecke. Diese Linien zeigen den Bereich an, an dem ein Beobachter
in Bodennähe die Front zur Kenntnis nimmt.
Im Winter kann es allerdings passieren, dass sich unter andauerndem
Hochdruckeinfluss durch die nächtliche Ausstrahlung am Boden ein
Kaltluftsee bilden kann. In diesem See kann durchaus die Hälfte
Deutschlands liegen und nur die Berge ragen über ihn hinaus. Sie
erscheinen im Satellitenbild als schwarze Flecken in der weißen
Hochnebelsuppe.
Dann ist es, entgegen der üblichen Temperaturabnahme mit der Höhe, am
Boden kälter als beispielsweise in 1500 Metern.
Wird diese sogenannte Inversionswetterlage von einer Kaltfront
beendet, so kann folgendes passieren:
Die Kaltfront hat sich irgendwo ausgebildet und hinter ihr ist es
überall kälter als vor der Front.
Erreicht die Front den Kaltluftsee, wird es oberhalb des Sees hinter
der Kaltfront kälter. Gleichzeitig wird der Kaltluftsee durch die
Turbulenzen, die sich mit einer Kaltfront einstellen, weggeschafft.
Ist aber die Luft hinter der Kaltfront wärmer als die des
Kaltluftsees, wird es dort hinter der Kaltfront wärmer.
Die Kaltfront täuscht also für den Beobachter im Kaltluftsee eine
Warmfront vor, weshalb man ihr die Eigenschaft maskiert andichtet.
Wir haben es also mit einer "Maskierten Kaltfront" zu tun.
Und wenn Sie sich nun wundern, dass das Thema des Tages heute so spät
kommt, dann können Sie sicher nachvollziehen, dass dieses Thema
natürlich erst um 11:11 Uhr das Licht der Öffentlichkeit erblicken
darf.*
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.11.2012
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