11:55 MESZ | 24.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
24. September 2022 | Dipl-Met. Christian Herold

Ex-Hurrikan FIONA bringt rekordverdächtigen Orkan in Ostkanada

Ex-Hurrikan FIONA bringt rekordverdächtigen Orkan in Ostkanada

Datum 24.09.2022

Der Hurrikan "FIONA" hat sich in der Nacht zu einem rekordverdächtigen außertropischen Tief entwickelt und trifft mit Orkanböen und einer Sturmflut auf die kanadische Ostküste. Warum sich dieses System so explosionsartig entwickeln konnte und was das im weiteren Verlauf für unser Wetter bedeutet, soll heute Thema sein.

Im gestrigen Thema des Tages (Thema des Tages vom 23.09.2022) wurde erläutert, dass der aktuelle Hurrikan "FIONA" einen hohen Beitrag zum "Accumulated Cyclone Energy" ACE-Index liefert. Nun hat sich der ehemalige Hurrikan der Kategorie 4 ungewöhnlich schnell in ein außertropisches Tief umgewandelt, das als Orkantief auf die kanadische Ostküste trifft. Der geschätzte Kerndruck liegt derzeit bei 931 hPa, was weit unter dem kanadischen Allzeitrekord von 940 hPa aus dem Jahre 1977 liegt. Das Erstaunliche daran ist, dass sich solch ein tiefer Luftdruck bereits im Herbst entwickeln konnte. Normalerweise entstehen die kräftigsten Tiefdruckgebiete mit den niedrigsten Kerndrücken im Winter. Wie konnte sich der Hurrikan "FIONA" so schnell umwandeln und dabei so kräftig bleiben? Der Hurrikan traf auf die Kaltfront eines Tiefdruckgebiets über Ostkanada. Der warme abgeschlossene Kern des tropischen Wirbelsturms blieb am Boden noch erhalten, währende sich in der Höhe ein Trog (Höhentief angefüllt mit Kaltluft) näherte und sich deutlich verstärkte. Somit wandelte der Hurrikan sich ungewöhnlich schnell in ein Tief der mittleren Breiten um. Diesen Prozess nennt man auch "instant warm seclusion".
Satellitenbilder vom heutigen Vormittag mitteleuropäischer Zeit zeigten an der Südostseite des Tiefkerns knapp vor der Küste der Kap-Breton-Insel einen spitz zulaufenden "Wolkenstachel", der auf einen möglichen Sting Jet (Thema des Tages vom 24.03.2017, nicht barrierefrei bearbeitet) hindeuten. Im relativ schmalen Bereich eines Sting Jets können nochmals stärkere Böen aus der mittleren Troposphäre bis zum Boden transportiert werden. Absinkende trockene stratosphärische Luft sorgt hier für ein Abtrocknen der Wolken, was zu dieser typischen Stachelform führt. Bisher wurden auf der Insel Windgeschwindigkeiten über 150 km/h gemessen. In den neusten Satellitenbildern hat sich die Struktur jedoch abgeschwächt.


Infrarot-Satellitenbild 24.09.2022 8:00 UTC




Entwicklung eines Sting Jets (Quelle Clark et al. (2005). The sting at the end of the tail: model diagnostics of the fine-scale three-dimensional structure of the cloud band.)


Ex-"FIONA" spielt auch eine wesentliche Rolle für unser Wetter in der kommenden Woche. An der Ostflanke dieses mächtigen Tiefdruckgebietes wird warme Luft weit nach Norden über den Atlantik geführt, wodurch sich dort ein atlantisches Hochdruckgebiet
verstärkt. Stromabwärts entwickelt sich als Folge ein weiteres kräftiges Tief an der Ostküste Grönlands, dass sich Anfang der Woche an der Nordostflanke des Hochs über die Nordsee bis nach Nordwesten Deutschlands verlagert. Es hat hochreichend kalte Polarluft im Gepäck. Somit wird wieder ein wechselhafter und sehr kühler Witterungsabschnitt eingeleitet. Bereits ab Dienstag gehen die Temperaturen deutlich zurück und es muss mit herbstlichem Schauerwetter und sogar Graupelgewittern gerechnet werden. Bei längerem nächtlichem Aufklaren gibt es sogar vereinzelt wieder Frost.


Temperatur auf etwa 1500 Meter und Bodendruck für Mittwoch, den 28.09.2022




Der kühle Witterungsabschnitt hält noch bis Ende der neuen Woche an. Für das lange Oktoberwochenende zeigt sich dann ein grober Erwärmungstrend. Vom Altweibersommer sieht man also noch keine Spur.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!