Facebook Twitter
Drucken
28. Januar 2021 | M.Sc. Felix Dietzsch

Kampf der Luftmassen ante portas

Kampf der Luftmassen ante portas

Datum 28.01.2021

Ab heute wird es in der Wetterküche richtig spannend. Eine Luftmassengrenze bildet sich quer über der Mitte des Landes aus und sorgt für enorme Temperaturunterschiede und für teils unwetterartige Wettererscheinungen.

Über Langeweile kann man sich bezüglich des Wetters am heutigen Donnerstag und auch in den kommenden Tagen wahrlich nicht beklagen. Dafür verantwortlich ist Tief "Olaf", das sich zwar noch auf dem Atlantik befindet, aber seine Fühler bereits in Form einer Warmfront zu uns ausstreckt. Das Besondere dabei ist, dass die Luft, die dadurch aus Südwesten heranströmt, besonders warm und sehr feucht ist. Das macht sich in den nächsten Tagen vor allem bei den Niederschlagsmengen und den Höchsttemperaturen bemerkbar. Letztere erreichen dabei vor allem entlang des Oberrheins zweistellige Werte.


Zum Vergrößern bitte klicken
Zum Vergrößern bitte klicken


Die von Tief "Olaf" herangeführte warme Luft stößt dabei ungefähr ab der Mitte des Landes auf kalte Luft, die sich noch immer über dem nordöstlichen Teil Deutschlands befindet. Dieser Kaltluftblock ist ebenfalls ziemlich mächtig und erfährt Unterstützung von Tief "Malte" mit Zentrum über der Ostsee, das weitere Kaltluft von Norden auf seiner Rückseite in Richtung Süden führt. Aus dieser Konstellation heraus entfaltet sich nun ein "Kampf" dieser beiden Tiefdruckgebiete um die Vorherrschaft der zu ihnen gehörenden Luftmasse. Das führt letztendlich dazu, dass sich quer über Deutschland eine relativ scharfe Linie ausbildet, die große Temperaturunterschiede auf kleinstem Raum aufweist. Wo genau sich diese Luftmassengrenze befinden wird, lässt sich dabei selbst heute noch nicht mit hundertprozentiger Genauigkeit sagen, denn bei diesem Kampf sind mitunter kleinste Nuancen entscheidend.

Aber wo genau sich diese Linie auch befindet - voraussichtlich wird dies entlang eines Streifens von der Nordsee bis nach Franken der Fall sein - ziemlich sicher ist, dass bezüglich des auftretenden Wetters aus dem Vollen geschöpft wird. Vor allem am morgigen Freitag intensivieren sich die Niederschläge, die bereits am heutigen Tag von Südwesten her eingesetzt haben. Verbreitet regnet es recht kräftig, stellenweise mit über 10 l/qm innerhalb von 3 Stunden. Dabei kann es morgen früh am Oberrhein sogar gewittern. Entlang der eigentlichen Luftmassengrenze dominiert dagegen die Frage, ob die Niederschläge als Regen oder als Schnee fallen. Je nach Lage des Niederschlagsbandes ist es nicht auszuschließen, dass an dessen nördlichem Rand auf der kalten Seite erhebliche Neuschneemengen fallen. Bis zu 20 cm Neuschnee innerhalb von 6 Stunden sind dabei durchaus denkbar. Diese fallen dabei meist als Nassschnee, sodass Schneebruch in den betroffenen Regionen ein Thema sein dürfte. Eine weitere Gefahr liegt in der Übergangszone vom Schnee zu Regen. Da in größeren Höhen bereits die warme Luft eingeflossen ist, es aber bodennah noch kalt bleibt, kann es in diesen Regionen zu gefrierendem Regen kommen, der zu starker Glatteisbildung auf den Straßen führt. Wo genau das der Fall sein wird, lässt sich nur sehr schwer eingrenzen, da es sich um einen sehr schmalen Streifen entlang der Luftmassengrenze handelt. Nach aktuellem Stand ist das Risiko für gefrierenden Regen in Nordhessen und im Thüringer Becken am höchsten.

Im Süden und Südwesten sind Schnee und Glätte dagegen kein Thema - im Gegenteil. Hier wird man mehr damit zu kämpfen haben, dass der vorhandene Schnee rapide schwindet. Regen, Wind, und hohe Plusgrade sorgen verbreitet für sehr hohe Abflussmengen von Schmelzwasser, die in den Warnungen im Schwarzwald, dem Allgäu und am Alpenrand die Unwetterkriterien erfüllen. Hier wird in den nächsten Tagen vor allem die Hochwassersituation im Fokus stehen. Bemerkbar macht sich im Süden außerdem der Wind, denn zum Freitag rückt Tief "Olaf" immer näher und verschärft die Luftdruckgegensätze. Vor allem in den Mittelgebirgen wird es dann stürmisch mit Windgeschwindigkeiten von 70 bis 80 km/h, in exponierten Gipfellagen muss man sogar mit Orkanböen von bis zu 120 km/h rechnen. Aber selbst im Flachland dürften sich einige Windböen bemerkbar machen.

Einzig und allein der Nordosten bleibt bei dem ganzen Wetterspektakel außen vor. Hier bleibt es in der kalten Luftmasse weitgehend ruhig, nur ab und an reicht es von der Ostsee her höchstens für die ein oder andere Schneeflocke.



© Deutscher Wetterdienst