12:47 MESZ | 05.05.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
08. Juni 2019 |

Leuchtende Nachtwolken - Wolken in der kältesten Zone der Erdatmosphäre

Leuchtende Nachtwolken - Wolken in der kältesten Zone der Erdatmosphäre

Datum 08.06.2019

Manchmal lassen sich in klaren Sommernächten am Nordhorizont geheimnisvoll silbrig - weiß bis blau leuchtende Wolken beobachten. Sie haben etwas Ähnlichkeit mit Cirruswolken. Leuchtende Nachtwolken sind ein eher seltenes Phänomen. Meist treten sie von Anfang Juni bis Ende Juli im Zeitraum um die Sommersonnenwende auf.

Von normalen Wolken unterscheiden sie sich durch ihre große Höhe, in der sie auftreten. Während normale Wolken in der Troposphäre in Höhen bis zu 15 km zu finden sind, entstehen leuchtende Nachtwolken in einer Höhe von 81 bis 87 km. Dieses ist die sogenannte "Mesopausenregion". Es ist die kälteste Zone der Atmosphäre. Nirgendwo sonst auf diesem Planeten lassen sich in natürlicher Umgebung so tiefe Temperaturen messen. Im Sommer werden dort Werte von unter -150 °C erreicht. Diese kalten Temperaturen werden benötigt, damit bei der in diesen Höhen sehr geringen Wasserdampfkonzentration kleine Eiskristalle an Staubpartikeln kristallisieren. Dadurch entstehen nämlich die leuchtenden Nachtwolken. Woher jedoch die Staubpartikel stammen, ist noch nicht vollständig geklärt. Zuerst beobachtete man diese Wolken zwei Jahre nach dem Ausbruch des Krakataus (Sunda-Straße, Indonesien) im Jahre 1885. Man nahm an, dass durch den Ausbruch Staub bis in solche Höhen transportiert wurde. Doch traten diese Wolken auch noch viele Jahre nach dem Ausbruch auf. Deshalb geht man heute davon aus, dass der Staub von Meteoren stammt, die in diesen Höhen verglühen. Das scheinbare Leuchten der Wolken entsteht durch gestreutes Sonnenlicht. Wenn die Sonne etwa 6 bis 16 Grad unter dem Horizont steht, erscheint der Himmelshintergrund bereits dunkel, die Wolken werden allerdings aufgrund ihrer enormen Höhe von der Sonne noch beschienen und erscheinen als Leuchtende Nachtwolken.


Leuchtende Nachtwolken über dem Nationalpark Soomaa (Estland)


Erforscht werden diese Wolken unter anderem am Leibniz-Institut für Atmosphärenforschung (IAP) in Kühlungsborn (http://www.iap-kborn.de).Das IAP verwendet dazu ein LIDAR-Gerät (Light Detecting And Ranging) in der Arktis und sammelt damit die entsprechenden Daten. Dabei wird ein Laserstrahl ausgesendet und die Rückstreuung an den Wolken gemessen und ausgewertet. Entsprechende Daten lassen sich auf der Seite des IAP finden: alomar.andoyaspace.no/rmrlidar/html/index-public.html

Ende Mai konnte man in diesem Jahr die ersten Leuchtenden Nachtwolken im Norden Deutschlands beobachten. Die Saison begann damit ungewöhnlich früh. Auch wenn die Aktivität jetzt wieder abgenommen hat, lohnt sich doch nachts immer wieder ein Blick Richtung Norden. Wenn Sie Leuchtende Nachtwolken beobachten oder fotografieren wollen, so empfiehlt sich für die Vorhersage die Seite des OSWIN-VHF-Radars (https://www.iap-kborn.de/forschung/abteilung-radarsondierungen/aktuelle-radarmessungen/oswin-mesosphaere) am Leibnitz-Institut für Atmosphärenforschung. Dieses Radar ist in der Lage, Leuchtende Nachtwolken in der Mesosphäre zu detektieren. Sollten in den Grafiken nach Sonnenuntergang starke Reflektivitäten in etwa 85 km Höhe auftreten, so ist die Chance, dass man Leuchtende Nachtwolken in Mitteleuropa sehen kann, ziemlich hoch.

Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 08.06.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

04.05. - Ausblick in die Wetterwoche

03.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 5: Meteorologie im Spätmittelalter an der Schwelle zur Renaissance

02.05. - Deutschlandwetter im April 2026

01.05. - Facettenreicher Schönwetterhimmel

30.04. - Geschichte der Meteorologie – Teil 4: Meteorologie im Früh- und Hochmittelalter

29.04. - Hoch WINFRIED bestimmt das Wetter – Umstellung zum Wochenende

28.04. - Einheitenchaos - Teil 3: Niederschlag

27.04. - Wettergötter und -propheten Teil 1: Wenn Petrus die Himmelspforte öffnet

26.04. - Hagelereignisse in Deutschland

25.04. - Hochdruck ohne Ende

24.04. - Wie Wetter Geschichte schrieb

23.04. - Flache Kaltluftschicht und große Tagesgänge

22.04. - Über Erhaltungsgrößen - und eine grell-bunte Animation

21.04. - Hoch ULI und die späten Nachtfröste

20.04. - Heftige Regenfälle im Osten und Nordosten

19.04. - Petrichor – Der Duft des Regens

18.04. - Einheitenchaos - Teil 2: Wind

17.04. - Der April auf Achterbahnfahrt!

16.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 3: Meteorologie der Spätantike sowie im europäischen Frühmittelalter

15.04. - Zwischen Hoch und Tief im meteorologischen Niemandsland

14.04. - Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres

13.04. - Aktions- und Ehrentage mit meteorologischem Bezug

12.04. - Eine Rückschau und eine Vorschau - wie bewölkt ist es über Deutschland

11.04. - Findet die Trockenheit ihr Ende?

10.04. - Von Türmchen, Fasern und Linsen

09.04. - Tiefs "Saskia" und "Tamina" leiten Wetterumschwung ein

08.04. - Hana-Matsuri

07.04. - Einheitenchaos - Teil 1: Temperatur

06.04. - Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei

05.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 2: Meteorologie im letzten Jahrtausend vor der christlichen Zeitenwende