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10. April 2019 | Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Witterungsabhängige Infektionskrankheiten

Witterungsabhängige Infektionskrankheiten

Datum 10.04.2019

In einem BMBF-geförderten Projekt wurde kürzlich herausgefunden, dass höhere Außentemperaturen im Sommer mit einer Häufung bestimmter Infektionserreger einhergehen.

Dass das Wetter nicht nur Einfluss auf unsere Stimmung, sondern auch auf unseren Körper hat, wissen vor allem Allergiker und Wetterfühlige nur zu gut. Das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes erstellt deshalb gezielt Vorhersagen für mögliche Beeinträchtigung bzw. Gefährdung der Gesundheit durch das Wetter (z.B. rheumatische und asthmatische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden etc.).


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Doch Wetter und Klima haben auch Einfluss auf Infektionskrankheiten, wie Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) herausgefunden haben. In dem Projekt CLIP-ID ("Climate and pathogens - Impact of decolonization") wird von Medizinern, Klimaforschern und Infektionsepidemiologen der Einfluss von Klimaveränderungen auf das Auftreten von Infektionen und multiresistenten Erregern in Deutschland untersucht.

Schon länger bekannt ist, dass sowohl eine Sepsis (Blutstrominfektion) als auch Wundinfektionen witterungsabhängig sind, denn sie werden deutlich häufiger in den Sommermonaten beobachtet. Wundinfektionen treten im Sommer z.B. bis zu 38% häufiger auf als im Winter.

Im Zuge des Projekts wollten Forscher nun relevante Erreger finden, auf die das Wetter (genauer gesagt die äußeren klimatischen Bedingungen) nachweisbar Einfluss hat. Dazu wurden Meldedaten von Infektionskrankheiten auf Landkreisebene von 2001-2016, die durch das Robert-Koch-Institut erfasst werden, mit Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes verglichen.

Dabei konnte bei den Erregern Campylobacter (für Durchfallerkrankungen durch den Verzehr von Hühnerfleisch verantwortlich) und Legionellen (kann Lungenentzündungen verursachen) eine stark ausgeprägte Saisonalität nachgewiesen werden. Beide haben ein Maximum im Spätsommer/Frühherbst (August-September). Das Interessante: Die Kurven der Infektionskrankheiten ähneln stark der des jährlichen Temperaturverlaufs, nur sind sie leicht zeitlich verschoben: Die höchsten Temperaturen wurden stets 1-2 Monate vor den maximal gemeldeten Infektionsfällen gemessen. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass sich die Jahr-zu-Jahr Schwankungen im Infektionspeak durch die Jahr-zu-Jahr Schwankungen der Temperaturvorbedingungen (in den Monaten Mai, Juni, Juli) erklären lassen.

Diese Witterungsabhängigkeit könnte den Forschern zufolge bei einem wärmeren Klima eine Veränderung des Erregerspektrums herbeiführen und das Infektionsrisiko entscheidend erhöhen. Die Projektergebnisse ermöglichen in Zukunft eine Saisonvorhersage von Infektionen. Mögliche Anpassungsmaßnahmen werden derzeit noch erforscht...

Anmerkung: Das Projekt und die Ergebnisse wurden in einem Vortrag auf der DACH (Fach- und Fortbildungstagung für Meteorologie im deutschsprachigen Raum) im März 2019 vorgestellt. Weitere Informationen finden Sie in untenstehenden Links.



© Deutscher Wetterdienst

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