22:09 MESZ | 22.07.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
13. Februar 2019 |

Baroklines Blatt

Baroklines Blatt

Datum 13.02.2019

Wenn sich Tiefdruckgebiete über dem Atlantik entwickeln, zeigen sie in ihrem frühen Stadium oftmals das typische Wolkenmuster eines Baroklinen Blattes. Etwas Hintergrundwissen dazu und das Beispiel eines Baroklinen Blattes finden Sie heute im Thema des Tages.

Der Atlantik wird gerne als unsere Wetterküche bezeichnet. Dies deswegen, weil der Nordatlantik wie auch Mitteleuropa in der planetaren Westwinddrift der Nordhalbkugel liegen und somit Druckgebilde vom Atlantik meist auch in irgendeiner Form nach Europa gesteuert werden. Würde der Atlantik die Druckgebilde aber nur "liefern" oder "transportieren", so wäre der Begriff des "Wettercaterers" sicherlich passender.


Zum Vergrößern bitte klicken


Tatsächlich ist der Nordatlantik aber durchaus auch Wetterküche, und dies vornehmlich, weil dort kalte polare Luftmassen auf warme subtropische Luftmassen treffen. In der Folge zeigen sich über dem Nordatlantik oftmals auf engem Raum große Temperaturgegensätze zwischen der nördlich liegenden kalten Polarluft und der südlich lagernden warmen Subtropiktuft. Wenn die Atmosphäre solch hohe Temperaturgegensätze aufweist, so bezeichnet man sie als "baroklin". Das ist zumindest eine recht einfach zu merkende Näherung. Genau genommen ist die "Baroklinität" der Atmosphäre so definiert, dass die Flächen gleicher Temperatur und die Flächen gleichen Drucks sich schneiden, also nicht parallel zueinander liegen (vgl. Link zum DWD-Lexikon). Dies ist aber bei starken horizontalen Temperaturgegensätzen meist (mehr oder weniger deutlich ausgeprägt) der Fall - und führt, ohne hier ins Detail gehen zu wollen, zu instabilen atmosphärischen Verhältnissen.

Sehr deutlich ausgeprägt zeigt sich das Phänomen der Baroklinität oftmals über dem Nordatlantik, wo der Bereich der stärksten Temperaturgegensätze als Polarfront bezeichnet wird. Dabei handelt es sich aber mitnichten um eine starre Luftmassengrenze. Im Gegenteil. Die Polarfront mäandriert und schlängelt sich um die Erdkugel, sie bildet Beulen und Wellen, und gerade an solchen Wellen bzw. Beulen, die nach Süden weisen, entwickeln sich mit Vorliebe neue Tiefdruckgebiete.

Dabei gilt allgemein, dass Tiefdruckgebiete mit Hebung und in den meisten Fällen auch mit Wolkenbildung verbunden sind. Und bei "neuen" Tiefdruckgebieten? Da starten die Hebung und die Wolkenbildung sozusagen "im wolkenfreien Raum". Und im "Kinderstadium" zeigen diese Wolken oftmals ein recht typisches Muster, das dem eines Blattes ähnelt. Aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte, die ja an eine barokline Zone gekoppelt ist, wird dieses Wolkenmuster als Baroklines Blatt bezeichnet.

Damit ist die Theorie geschafft. Und wir blicken zurück auf Sturmtief STEFAN, das in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche über dem Atlantik entstanden und nach Irland gezogen ist. Sturmtief STEFAN zeigte die typischen Wolkenformen eines Baroklinen Blattes, wie in der beigefügten Grafik zu erkennen ist. Die Kaltfront bildet übrigens den nach Südwesten gerichteten Stängel des Blatts, die Warmfront befindet sich unter dem breiten "Kopf" des Blattes, und zwar recht nahe an dessen südlicher Kante.

Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.02.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im Südwesten Deutschlands

09.07. - Neue Hitze im Südwesten

08.07. - Sommersturm an der Ostsee

07.07. - Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

06.07. - Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie

05.07. - Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

04.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

03.07. - Endlich wieder Durchlüften - aber wie lange?

02.07. - Deutschlandwetter im Juni 2026

01.07. - Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

30.06. - Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

29.06. - Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

28.06. - Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

27.06. - Hitze, Blitz und Donner!

26.06. - Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

25.06. - Heiß, heißer, HARTMUT!

24.06. - Nur noch 6 Monate

23.06. - Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer