09:42 MESZ | 30.08.2025 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Facebook Twitter
Drucken
11. August 2018 | MSc.-Met. Thore Hansen

Leuchtende Nachtwolken - ein ehemals sehr seltenes Phänomen

Leuchtende Nachtwolken - ein ehemals sehr seltenes Phänomen

Datum 11.08.2018

Leuchtende Nachtwolken, vor 150 Jahren nur sehr selten am sommerlichen Nachthimmel zu entdecken, sind heutzutage deutlich häufiger zu sehen. Eine Studie zeigt, wie der Mensch die Wolken in der mittleren Atmosphäre beeinflusst.

Silbrig weiß schimmernd sind sie in wenigen Sommernächten am nördlichen Horizont in Deutschland zu entdecken: so genannte "Leuchtende Nachtwolken". Anders als "gewöhnliche" Wolken, die in unseren mittleren Breiten bis zu 13 km hoch sein können, befinden sich Leuchtende Nachtwolken in deutlich größerer Höhe. Sie sind in der mittleren Atmosphäre (Mesosphäre) in einer Höhe von etwa 83 km zu finden. Ihren Namen verdanken die Wolken dem Effekt, dass sie noch von der Sonne beschienen werden, wenn diese bereits 6 bis 16 Grad unter dem Horizont steht und der Himmel ansonsten schon dunkel ist. Dann leuchten diese Wolken silbrig weiß, teils auch etwas bläulich. Zahlreiche Bilder dieser Wolken finden Sie auf der Webseite des Noctilucent Cloud Observing Network, kurz NLCNET (http://ed-co.net/nlcnet/).


Zum Vergrößern bitte klicken
Zum Vergrößern bitte klicken


Nicht anders als tiefer gelegene Wolken bestehen auch die Leuchtenden Nachtwolken aus Wassereis, das aber in der großen Höhe nur noch in sehr geringer Konzentration vorkommt. Für die Bildung braucht es zudem sehr tiefe Temperaturen (unter -140 Grad Celsius) und Kondensationskerne, wie zum Beispiel Staub von Meteoriten.

Eine Studie des Leibnitz-Instituts für Atmosphärenphysik (Paper: https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1029/2018GL077719) hat nun untersucht, inwieweit die Emission von Kohlenstoffdioxid, Methan und Wasserdampf in den letzten 150 Jahren die Sichtbarkeit der Leuchtenden Nachtwolken erhöht hat. Mit Computermodellen wurden dabei die nördliche Hemisphäre und die Leuchtenden Nachtwolken von 1871 bis 2008 simuliert. Ergebnisse der Studie lassen darauf schließen, dass sich durch die Methanemissionen der Wasserdampfgehalt in der Mesosphäre seit Ende des 19. Jahrhunderts um 40 Prozent erhöht hat und damit die Sichtbarkeit der Wolken, nicht unbedingt das Vorhandensein der Wolken, deutlich verbessert hat.

Durch die Erhöhung des Wasserdampfes soll sich die Eismenge in der mittleren Atmosphäre von 1871 bis 2008 mehr als verdoppelt haben. Die Auswirkungen auf die Sichtbarkeit der Wolken sind enorm. Waren die Wolken im 19. Jahrhundert für Menschen in den mittleren und hohen Breiten nur alle paar Jahrzehnte zu sehen, kann man sie heute mehrmals im Sommer zu Gesicht bekommen.

Anders wirken die Emissionen von Kohlenstoffdioxid: Obwohl der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid die untere Atmosphäre erwärmt und die mittlere Atmosphäre kühlt, führen die tieferen Temperaturen zu kleineren Eispartikeln, die schwieriger zu sehen sind. Zu niedrige Temperaturen verschlechtern also die Sichtbarkeit der Leuchtenden Nachtwolken.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

29.08. - Eine Reise in die Great Plains

28.08. - Tropisch oder nicht, das ist hier die Frage! - Teil 2

27.08. - Erst sommerlich, dann regnerisch

26.08. - Tropisch oder nicht, das ist hier die Frage! - Teil 1

25.08. - Der Landgang eines Tropensturms

24.08. - Ein letztes Aufbäumen des Hochsommers

23.08. - Hoch "Mareike" sorgt für ruhiges Wetter

22.08. - Die Gänseblümchenwelt - Teil 2

21.08. - Der Gänseblümchenplanet - Teil 1

20.08. - Akklimatisierung - der Schlüssel beim Höhenbergsteigen

19.08. - Das Ende der Hundstage

18.08. - Hurrikan ERIN und dessen Einfluss auf das Wettergeschehen in Europa

17.08. - Hurrikan ERIN wirbelt über dem Atlantik

16.08. - Auswirkungen eines Blitzeinschlags in ein Fahrzeug

15.08. - Markanter Luftmassenwechsel beendet die Hitzewelle

14.08. - Von Schwämmen und Städten

13.08. - Sommerlich, heiß, sehr heiß? - "Kenntage" des Sommers 2025

12.08. - Perseiden 2025 – Sternschnuppen am Firmament

11.08. - Wolkenimpfung zur Hagelabwehr - Methode und Nutzen

10.08. - TEAMx: Groß angelegtes Forschungsprojekt in den Alpen

09.08. - Der Sommer mit Hindernissen nimmt zur neuen Woche richtig Fahrt auf!

08.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2025: Prognosen und Ist-Zustand

07.08. - Von Blitzen und Megablitzen

06.08. - Tornados - Faszinierende Naturgewalt mit zerstörerischer Kraft

05.08. - Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurück

04.08. - Das Jahr ohne Sommer

03.08. - Extremes Wetter in Teilen Europas

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2025

01.08. - Regen ohne Ende? – FLORIS bringt die Wende

31.07. - Hundstage? Dieses Jahr nur "kalter Hund"