01:38 MESZ | 16.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
23. Oktober 2017 |

(Super-)Taifun "LAN" über Tokio

(Super-)Taifun "LAN" über Tokio

Datum 23.10.2017

Der bisher zweitstärkste Taifun diesen Jahres, (Super-) Taifun "LAN" (auf den Philippinen "PAOLO") zog am vergangenen Sonntag (22.10.2017) über Japan und dort direkt über Tokio hinweg. Hohe Windgeschwindigkeiten, extrem heftiger Regen, Sturmfluten und zwei Todesopfer waren bzw. sind die Folge.

Am 15. Oktober diesen Jahres entstand der Taifun LAN nördlich von der Insel Palau (9.3° N, 136.8° O) im Pazifik und bekam einen Tag später seinen Namen, als er sich zum tropischen Sturm entwickelte. Am 18.10. nahm er schließlich Taifunstärke an. Während er östlich der Philippinen Kurs auf Japan nahm, verstärkte er sich auf die Kategorie 4 der Saffir-Simpson-Skala. Den Höhepunkt seiner Entwicklung erreichte er am 21.10. (00 UTC) über der Philippinensee, knapp 1000 m östlich von Taiwan und Luzon mit maximalen Böen bis 250 km/h und einem Kerndruck von 925 hPa. Damit ist er in diesem Jahr der zweitstärkste Supertaifun (Super-Taifun: >240 km/h) nach "NORU" (Kategorie 5, 19.07. - 09.08.2017). Aber LAN geht nicht nur deswegen in die meteorologischen Geschichtsbücher ein, denn sein großes Starkwindfeld ist mit einem Durchmesser von ca. 2220 km eines der größten seit Aufzeichnungen. Die Größe von LAN sowie sein ausgeprägtes "Auge" lassen sich im Satellitenbild vom 21.10.2017 11:30 UTC gut erkennen.


Zum Vergrößern bitte klicken


Kurz vor der japanischen Küste schwächte sich LAN etwas ab und erreichte mit seinem Starkwindfeld der Kategorie 3 und mittleren Windgeschwindigkeiten von rund 195 km/h (Böen: 240 km/h, Kerndruck: 950 hPa) das japanische Festland. Durch zunehmende Windscherung, trockenere Luftmassen und eine etwas kühlere Wassertemperatur von 25°C schwächte er sich so weit ab, dass er bei Landgang (engl. "landfall") in der Nähe von Omaezaki City "nur noch" die Kategorie 2 aufwies. Anschließend zog LAN über Tokio mit einer mittleren Windgeschwindigkeit von 130 km/h und maximalen Böen von 170 km/h auf den Pazifik nordostwärts hinaus Richtung Kamtschatka (Halbinsel Russlands). Dort verlor er weiter an Kraft und wandelte sich rasch in ein außertropisches Tief mit einer aktuell mittleren Windgeschwindigkeit von rund 110 km/h (Böen: 160 km/h) und einem Kerndruck von 970 hPa um.

Außer den Orkanböen und sehr hohen Wellen hatte LAN extrem heftigen Regen im Gepäck. An einigen Stationen des Landes wurden Monatsrekorde erreicht. Beispielsweise fielen in Maizuru (Provinz Honshu) mehr als 300 mm in 48 Stunden, wie an vielen anderen Stationen in Japan auch. In Shingu (ca. 480 km südwestl. von Tokio) wurden sogar rund 700 mm im selben Zeitraum gemeldet. Somit wurde dort auch fast die höchste, je gemessene 48-stündige Niederschlagsmenge von 782 mm erreicht! Diese heftigen Niederschläge hatten Erdrutsche und Überschwemmungen zur Folge. Außerdem forderte LAN zwei Todesopfer.

Doch zum Ende der Woche könnte schon der nächste Taifun auf Japan zuziehen. Östlich der Insel Guam entstand am vergangenen Donnerstag eine sogenannte "tropische Depression" (TD 27), die sich in der kommenden Nacht zum Dienstag zu einem Tropensturm entwickeln soll und anschließend vom Japanischen Wetterdienst einen Namen erhält. Dieser soll zunächst nach Nordwesten ziehen und auf Höhe der Ry?ky?-Inseln nach Nordosten Richtung Japan zubewegen. Dabei soll er sich bis zum Wochenende auf Taifunstärke der Kategorie 2 intensivieren.

M.Sc.-Met. Anna Wieczorek

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 23.10.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nächsten Stunden

23.08. - Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?

22.08. - Pokalwetter mit Sommer-Comeback

21.08. - Noch einmal turbulent, dann wird's wieder ruhiger

20.08. - Sommer im Barock

19.08. - Übers Ziel hinausgeschossen

18.08. - Von laut bis leise: Der Donner

17.08. - Erwartet uns nun der langersehnte Landregen?