04:06 MESZ | 17.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
18. Dezember 2025 | M.Sc. Fabian Chow

Schneeflöckchen, Weißröckchen

Schneeflöckchen, Weißröckchen

Datum 18.12.2025

Zu jeder winterlichen Wunschlandschaft gehören sie! Kleine, sanft herabschwebende, einzigartige Eisgebilde, die uns verzaubern mit ihrem filigranen Glanz. Zum Ehrentag der Schneeflocke soll es heute um Ebenjene gehen.

"Schneeflöckchen, Weißröckchen
Wann kommst du geschneit?
Du kommst aus den Wolken
Dein Weg ist so weit."

Dieses Lied erschallt jedes Jahr, sobald die winterliche Jahreszeit herannaht. Heute, am 18. Dezember, ist der Ehrentag der Schneeflocke. Daher wollen wir uns mit diesem faszinierenden Phänomen befassen.

Wie im Liedtext richtig beschrieben, legen Schneeflocken einen nicht zu unterschätzenden Weg zurück bis wir sie bewundern können. Zuerst muss Wasserdampf in den festen Zustand übergehen. Dazu sind mehrere Zutaten von entscheidender Wichtigkeit. Einerseits wird natürlich Wasserdampf benötigt, damit sich überhaupt Eis bilden kann. Andererseits muss die Temperatur tief genug sein, um zu verhindern, dass das Wasser nicht flüssig bleibt. Damit Wassertröpfchen ohne Hilfe anfangen zu gefrieren, werden Temperaturen unter -35 °C benötigt (homogene Nukleation). Die sogenannte heterogene Nukleation ist der deutlich prominentere Weg zur Bildung von Eisteilchen. Hierbei lagert sich das Eis schon ab etwa -10 °C an einem winzigen Partikel an.

Je nachdem welche Umgebungstemperatur und -feuchtigkeit herrscht entstehen unterschiedliche Formen von Eisteilchen. So weisen Eiskristalle bevorzugt eine plättchen- oder prismaartige Struktur auf, wenn wenig Wasserdampf vorhanden und es sehr kalt ist. Sogenannte Dendriten entstehen dadurch, dass sich Feuchtigkeit aus ihrer unmittelbaren Umgebung an den Eisteilchen anlagert. Die grundlegende Symmetrie in den Formen ist einer Eigenart des Wassermoleküls zuzuschreiben, das einen ganz speziellen Öffnungswinkel von 120 Grad aufweist.


Abb. 1: Bild einer Dendritenstruktur (Quelle: wikipedia.de)


Während des Bildungsprozesses dieser Eiskristalle darf jedoch nicht vergessen werden, dass diese Teilchen herumgewirbelt werden und sich die Umgebungsbedingungen andauernd verändern. Sie können teilweise wieder schmelzen und neu gefrieren oder mal sowohl Plättchen- als auch Dendritenanteile haben. Außerdem können sie auf ihrem Weg miteinander kollidieren und wachsen weiter an. Bis sie nach diesem Chaos bei uns am Boden ankommen, entstehen individuelle Formen, sodass keine Schneeflocke der anderen gleicht. Besonders akribisch mit Schneeflocken befasst, hat sich Wilson Alwyn Bentley. Ihm gelang es, ab 1885 Schneekristalle mithilfe eines Mikroskops zu fotografieren. Insgesamt über 5000(!) Exemplare untersuchte er und keines glich dabei dem anderen.


Abb. 2: Fotos von Schneeflocken von Wilson Bentley (Quelle: wikipedia.de)


Und was ist nun mit der entscheidenden Frage aus dem Liedtext am Anfang: Wann kommst du geschneit?

Bei der jetzigen Wetterlage stellt sich eher die Frage: Schneit es überhaupt? Die vorherrschende Luftmasse ist viel zu mild, als dass Schnee entstehen könnte, geschweige denn den Boden erreicht. Gleichzeitig lässt der Höhenrücken mit dem dazugehörigen Bodenhoch FRIEDA über Südosteuropa die atlantischen Tiefdruckgebiete abprallen, sodass wir nur schwache Ausläufer abbekommen.

Nach diesen ernüchternden Aussichten wagt man kaum einen ersten Blick auf die Feiertage zu werfen. Naturgemäß sind die Modellunterschiede noch groß, doch es scheint sich abzuzeichnen, dass wir zunehmend unter den Einfluss einer Ostströmung geraten und damit kältere Luft herangeführt wird. Die gute Nachricht für Schneeliebhaber, 10 Grad an Heiligabend sind demnach unwahrscheinlich! Zudem geben die Modelle erste vorsichtige Anzeichen, dass zumindest in den höheren Lagen etwas Schnee fallen könnte. Es heißt also: Gespannt bleiben und die Hoffnung stirbt zuletzt.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nächsten Stunden

23.08. - Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?

22.08. - Pokalwetter mit Sommer-Comeback

21.08. - Noch einmal turbulent, dann wird's wieder ruhiger

20.08. - Sommer im Barock

19.08. - Übers Ziel hinausgeschossen

18.08. - Von laut bis leise: Der Donner