17:00 MESZ | 24.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
30. März 2017 |

In der Savanne

In der Savanne

Datum 30.03.2017

Extremtemperaturen treten auf der Erde stets in meeresfernen, wetterberuhigten Arealen auf. Dazu zählt außerhalb der "Regenzeit" auch die Trockensavanne Westafrikas, die zonal südlich der Sahara verläuft und einen großen Teil des Jahres im Bereich des subtropischen Hochdruckgürtels liegt. Nach langer "Trockenzeit" und bei steigendem Sonnenstand sind in diesen Frühlingstagen Temperaturmaxima von über 40 °C keine Seltenheit. Damit ist die Region derzeit die heißeste auf der Welt.

Während sich in Europa Meeresluftmassen, die mit atlantischen Tiefausläufern zu uns gelangen, mäßigend auf das Temperaturregime auswirken, treten die Extrema auf der Erde stets in meeresfernen, wetterberuhigten Arealen auf. Dazu zählen außerhalb der "Regenzeit" auch die Trockensavannen, die in Westafrika südlich der Sahara zonal von West nach Ost verlaufen, und, je nach geographischer Breitenlage und Jahreszeit, entweder im Bereich des "subtropischen Hochdruckgürtels" (Trockenzeit) oder im Bereich der "innertropischen Konvergenzzone" (Regenzeit) liegen. Die Region gehört zur "Großlandschaft Sudan", dabei dürfte den meisten Zeitgenossen der unmittelbare Übergangsbereich zwischen der quasi völlig trockenen Wüste und der wechselfeuchten Savanne als medialer Begriff "Sahelzone" eher bekannt sein.


Zum Vergrößern bitte klicken


Innerhalb des subtropischen Hochdruckgürtels dominieren absinkende Luftbewegungen, d.h. die dort vorherrschende "Tropikluft" ist relativ trocken, stabil geschichtet und verhindert jegliche Konvektion und damit Wolken- und Niederschlagsbildung. Die mit der Nordverlagerung der innertropischen Konvergenzzone herangeführten äquatorialen Luftmassen sind dagegen feucht und labil geschichtet, so dass sie während der Regenzeit im nordhemisphärischen Sommer zeit- und gebietsweise intensive und ergiebige Niederschläge hervorbringen können. Dabei verkürzen sich die Regenperioden nach Norden hin, bis sie schließlich im Wüstenklima der Sahara völlig verschwinden. In Richtung Äquator verlängert sich die feuchte Zeit und an der Guineaküste herrscht tropisches Regenklima mit ganzjährigen Niederschlägen.

Derzeit herrscht in der westafrikanischen Trockensavanne am Tage bei hoch stehender Sonne vorwiegend wolkenarmes Wetter, daher ist nach langer und noch bis Mai/Juni andauernder Trockenzeit und folglich geringem Pflanzenbewuchs die am Boden empfangene (kurzwellige) Strahlung gewaltig. Auch die nächtliche (langwellige) Ausstrahlung ist bei meist klarem Himmel beträchtlich. Dennoch verbleibt insgesamt ein positiver Strahlungssaldo, dessen Betrag etwa doppelt so hoch wie in Mitteleuropa ist. Wo bleibt nun diese Energie? Verdunstung findet wegen Wassermangels nicht statt. Der ausgetrocknete Boden leitet die Wärme schlecht, kann also die eingestrahlte Energie kaum aufnehmen. Nur durch die Erhöhung der Lufttemperatur kann der hohe Energieüberschuss abgeführt werden.

Dementsprechend sind in diesen Frühlingstagen in der Savanne Westafrikas Tageshöchsttemperaturen über 40 °C keine Seltenheit, wobei es unmittelbar am Boden noch viel heißer ist. Als Beispiel sei die Station Kayes (14°27' N, 11°26' W, 33 m Höhe) im Südwesten der Republik Mali im Dreiländereck mit Mauretanien und dem Senegal genannt. Nach Frühtemperaturen von ca. 34 °C am gestrigen 29. März erreicht das Quecksilber rasch die 40-°C-Marke, steigt bis zum Nachmittag auf den Höchstwert von 45,5 °C, um dann gemächlich, nach Sonnenuntergang etwas rascher abzusinken. Zum Vergleich: Das mittlere Temperaturmaximum in Kayes beträgt im März 39,4 °C und im April 41,7 °C. Laut englischsprachiger Wikipedia ist Kayes die heißeste, dauernd bewohnte Stadt des Kontinents und besitzt deshalb den Kosenamen "Schnellkochtopf Afrikas". Aber auch am Flugplatz Yelimane unmittelbar an der mauretanischen Grenze (Distrikt Kayes, 15°07' N, 10°34' W, 99 m Höhe) kletterte das Quecksilber auf 45,5 °C.

Weiter oben finden Sie eine Karte Westafrikas vom Mittwoch, den 29.03.2017, 18:00 Uhr UTC, mit den Tageshöchsttemperaturen (in ganzen °C) ausgewählter Wetterstationen, unterlegt mit einem im infraroten Spektralbereich aufgenommenen Satellitenbild (Meteosat Second Generation, Kanal bei 10,8 µm). Während etwa nördlich von 10° Nord die derzeit heißesten Temperaturen auf der Erde gemessen werden, hat weiter südlich im Bereich der Oberguineaschwelle mit den dort auftretenden mächtigen und hoch reichenden Gewitterkomplexen bereits der "westafrikanische Monsun" begonnen.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 30.03.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen