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21. Januar 2017 |

Extreme Niederschläge im Mittelmeerraum

Extreme Niederschläge im Mittelmeerraum

Datum 21.01.2017

Die Tiefdrucktätigkeit im Mittelmeerraum hält weiter an. Dabei muss in den nächsten Tagen erneut in einigen Regionen mit extremen Niederschlägen gerechnet werden.

Während Hoch "Brigitta" derzeit in Deutschland für ruhiges Winterwetter sorgt, hält der Tiefdruckeinfluss im westlichen und zentralen Mittelmeerraum mit teils extremen Niederschlägen weiter an.



Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Tiefdrucktätigkeit in den Herbst- und Wintermonaten im Mittelmeerraum zunimmt. Wäre das nicht der Fall, bliebe es in dieser Region extrem trocken. Bemerkenswert ist aber, dass diese Entwicklungen oft mit teils extremen Starkniederschlägen verbunden sind. Die Tiefdruckgebiete nehmen auf ihrer Zugbahn über das auch zu dieser Jahreszeit im Vergleich zum Festland warme Mittelmeer reichlich Feuchtigkeit auf, die dann in Form enormer Regenmengen wieder zu Boden fällt. Kommen dann noch eine langsame Verlagerung der Tiefs und Staueffekte an Gebirgen hinzu, sind die Auswirkungen entsprechend stärker. In den Wintermonaten kommt es dann insbesondere in höheren Lagen zu heftigen Schneefällen.

Wie aus zahlreichen Medienberichten zu entnehmen war, sorgen enorme Schneemassen derzeit insbesondere in Mittelitalien für teils katastrophale Zustände. Hervorgerufen wurden diese Niederschläge durch Tief Finjas, das sich am letzten Wochenende über dem Ligurischen Meer gebildet hat. Es verlagerte sich anschließend unter leichter Intensivierung südwärts, wo es einige Tage relativ ortsfest über dem Tyrrhenischen Meer verharrte. Am vergangenen Mittwoch begann sich das Tief zwar allmählich wieder abzuschwächen, endgültig aufgelöst hatte es sich aber erst am gestrigen Freitag. Aufgrund der Ortsfestigkeit des Tiefs kam es von der algerischen und tunesischen Mittelmeerküste über Teile Italiens bis zur Balkanhalbinsel zu länger anhaltenden Niederschlägen. Dabei betrugen die Tagessummen vielerorts zwischen 30 und 50 Liter pro Quadratmeter. Über drei Tage hinweg summierten sich die Niederschlagsmengen stellenweise auf über 100 Liter pro Quadratmeter. Am meisten Niederschlag gefallen ist in der italienischen Region der Abruzzen. So meldete die Station Pescara 187 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 72 Stunden. Da der Niederschlag in höheren Lagen als Schnee fiel, kamen im Apennin enorme Neuschneemengen zusammen, gebietsweise sogar über 2 Meter. Dabei hatte es dort bereits Anfang Januar heftige Schneefälle gegeben, sodass höher gelegene Bergdörfer mittlerweile regelrecht in den Schneemassen versinken und von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Ein weiteres Tief entwickelte sich etwa über der Straße von Gibraltar und sorgte vor allem an der spanischen Mittelmeerküste und auf den Balearen für hohe Niederschlagsmengen, die mancherorts zu Überschwemmungen führten. So wurden beispielsweise in Valencia 131 Liter pro Quadratmeter in 48 Stunden gemessen. Teilweise fiel auch in Spanien bis in tiefe Lagen Schnee. So konnte man in Alicante laut Berichten zum ersten Mal seit 90 Jahren einen Strandspaziergang im Schnee machen.

Eine Entspannung der Wetterlage ist in den nächsten Tagen nicht zu erwarten. Interessant wird die Entwicklung eines weiteren Tiefs, das sich vor der Küste Algeriens gebildet hat. Laut den aktuellen Prognosen wird auch dieses Tief ortsfest verharren und sich erst im Laufe der nächsten Woche allmählich auflösen. Somit muss rund um das westliche Mittelmeer mit weiteren Starkniederschlägen gerechnet werden. Dabei sind bis Mittwoch in einigen Regionen Niederschlagsmengen über 100, teilweise sogar über 200 Liter pro Quadratmeter möglich. Aus jetziger Sicht sind solche extremen Mengen insbesondere an der spanischen und algerischen Mittelmeerküste, auf Korsika und Sardinien sowie auf Sizilien und in Kalabrien zu erwarten. Auch in Mittelitalien kommt es zu weiteren Niederschlägen, die im höheren Bergland als Schnee fallen. Sie werden aber voraussichtlich nicht so heftig ausfallen wie zuletzt.

Dipl.-Met. Johanna Anger

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 21.01.2017

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