13:32 MESZ | 09.08.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
14. September 2016 |

Super-Taifun MERANTI

Super-Taifun MERANTI

Datum 14.09.2016

Der Super-Taifun MERANTI ist der bislang stärkste tropische Wirbelsturm der Pazifischen Taifun-Saison 2016. Er entstand am 8. September westlich der Insel Guam und wird am Morgen des 15. September (Ortszeit) an der Südostküste Chinas landen.

Tropische Wirbelstürme sind Tiefdrucksysteme mit geschlossener Zirkulation des Windes um das Tiefdruckzentrum und organisierter Vertikalbewegung feucht-warmer Luftmassen, die mit schweren Regenfällen und Gewittern einhergeht. Dabei hält die frei werdende Kondensationswärme rund um das Zentrum die Systeme "am Leben". Infolge der Corioliskraft rotieren sie "zyklonal", d.h. auf der Nordhalbkugel entgegen dem Uhrzeiger, auf der Südhalbkugel mit dem Uhrzeiger. Die auf kleinem Raum herrschenden großen Luftdruckunterschiede bewirken enorme Windgeschwindigkeiten.



Als Taifune bezeichnet man die tropischen Wirbelstürme im Bereich des westlichen Pazifiks, die sich nördlich des Äquators und westlich der Datumsgrenze (um 180° geografische Länge) bilden. Während der Pazifischen Taifun-Saison (dauert im langjährigen Mittel von Mai bis Oktober) sind die randtropischen Seegebiete der Region beliebte Entstehungsorte der seit alters her gefürchteten Taifune. Man beachte den Terminus "Randtropen", denn neben warmem Meerwasser als Energielieferant muss die Coriolis-Kraft in der hydrodynamischen Kräftebilanz wirksam werden. Ohne diesen Trägheitseffekt würden bestehende Luftdruckunterschiede rasch ausgeglichen und große Tiefdruckwirbel könnten gar nicht erst entstehen.

Da die Coriolis-Kraft aber unmittelbar am Äquator verschwindet und in Äquatornähe sehr gering ist, gilt der Westpazifik zwischen etwa 5° und 30° nördlicher Breite, bei Meeresoberflächentemperaturen von mindestens 26 °C als Entstehungszone der Taifune. Die Bildung eines Taifuns ist nichts anderes als der Ausgleich des Wärmeüberschusses, der sich in den unteren Atmosphärenschichten "staut". Um diesen "Ausbruch von Energie" zu ermöglichen, muss großflächig Konvektion als Quelle latenter Wärmeenergie ausgelöst werden. Dazu ist wiederum Luftdruckfall notwendig, den meistens die innertropische Konvergenzzone (ITCZ) liefert. Sie bewirkt nämlich die Bildung von Druckwellen an der äquatorialen Seite des über dem Pazifik liegenden subtropischen Hochdruckgebietes. Diese "tropischen Wellen" sind sozusagen das erste Entwicklungsstadium tropischer Tiefdruckgebiete.

Im Idealfalle einer kontinuierlichen Entwicklung und Verstärkung besteht der Lebenszyklus tropischer Tiefdruckgebiete im Bereich des nördlichen Pazifik nach Lesart des Joint Typhoon Warning Center (JTWC) der US-Marine in Pearl Harbor aus den Stadien "tropische Depression" - bei Windgeschwindigkeiten bis 33 Knoten (1 Knoten = 1,852 km/h), "tropischer Sturm" - bei 34 bis 63 Knoten, "Taifun" - bei 64 bis 129 Knoten sowie "Super-Taifun" - bei 130 Knoten oder mehr. Bereits am 8. September erkannten die Experten des JTWC etwa 155 km westlich der Insel Guam ein geschlossenes tropisches Zirkulationssystem und klassifizierten es bereits einen Tag später als "tropische Depression 16W", die sich rasch intensivierte und derzeit in der höchsten Kategorie als "Super-Taifun 16W (MERANTI)" geführt wird.

Seit seiner Entstehung zieht MERANTI, zunächst mit Westnordwestkurs, nun mit Nordwestkurs, in Richtung auf die chinesische Küste. Seine aktuelle Position (14.09.2016, 03:00 Uhr UTC) liegt bei 21,6° nördlicher Breite und 120,7° östlicher Länge in der Straße von Luzon. Mit einem geschätzten Luftdruck im Kern von zeitweise nur 890 hPa ist MERANTI der bislang stärkste tropische Wirbelsturm der Pazifischen Taifun-Saison 2016. Bei andauernden Windgeschwindigkeiten von 160 Knoten und Böen von bis zu 195 Knoten erreichte MERANTI offenbar gestern Abend den Höhepunkt seiner Entwicklung. Nach den Prognosen des JTWC wird er in den Morgenstunden des 15. September an der Südostchinesischen Küste landen, möglicherweise im Bereich der Millionenstadt Xiamen.

Unten finden Sie ein infrarotes Satellitenbild (10,8 µm) des Super-Taifuns MERANTI vom Dienstag, den 13.09.2016, 18:00 Uhr UTC, ergänzt um eine Prognose der Windgeschwindigkeit (in Knoten [kt], 1 Knoten = 1,852 km/h) des ECMWF-Vorhersagemodells vom 13.09.2016, 00:00 Uhr UTC. Hier wird im inneren Bereich, unweit des windstillen "Auges" ein Windmaximum von 115 kt = 213 km/h berechnet.


Zum Vergrößern bitte klicken


Dipl.-Met. Thomas Ruppert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 14.09.2016

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

09.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

08.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

07.08. - Starke Bodentrockenheit

06.08. - Schweißtreibender QUIRIAKUS

05.08. - Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

04.08. - Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

03.08. - Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2026

01.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

31.07. - Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

30.07. - Was ist eine Fallböe?

29.07. - Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

28.07. - Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

27.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

26.07. - Tag der Seenotrettung

25.07. - Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

24.07. - Von Hunden und Erfrischungen

23.07. - Kühle Meeresbrise oder die „Land-Seewind-Zirkulation“

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI