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18. April 2016 |

Der "Scirocco" - heiß und staubig!

Der "Scirocco" - heiß und staubig!

Datum 18.04.2016

Immer wieder findet Wüstensand den Weg nach Mitteleuropa und lagert sich auf Gegenständen und Autos ab. Die Spurensuche führt uns nach Süden in den Norden Afrikas, die Ursprungsregion des sogenannten "Schirokko"!

In den letzten Wochen geisterten häufiger Begriffe wie "Saharastaub" und "Blutregen" durch die Presse. Starke südliche Winde transportierten Wüstensand über das Mittelmeer und die mittleren und östlichen Teile Südeuropas hinweg bis nach Deutschland. Zwar blieb der sogenannte "Blutregen" - eine durch den Wüstensand hervorgerufene schmutzig-gelbrötliche Einfärbung des Regens - in Deutschland bisher aus. Dennoch konnte man den feinen Sand spüren, da er sich auf Gegenständen ablagerte oder wie ein Schleier vor die Sonne schob. In den folgenden Abschnitten begeben wir uns auf Spurensuche. Was sind die Gründe für ein solches Staubevent in Mitteleuropa?


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Verantwortlich für die Emission des Saharasandes sowie dessen Verfrachtung über das Mittelmeer gen Europa ist der sogenannte "Schirokko" oder "Scirocco" (italienisch, vom arabischen sarqui = östlicher Wind). Dabei handelt es sich um einen heißen, zunächst trockenen, aus süd- bis südöstlicher Richtung wehenden, oft mit Staub oder Sand beladenen Wüstenwind. Andere, regionale Bezeichnungen für den "Scirocco" sind Ghibli (Lybien, Tunesien), Chamsin (Ägypten, Israel), Samum (nordafrikanischer-arabischer Raum), Leveche (Spanien), Sirokos (Griechenland) oder auch Chergui (Perischer Golf) (vgl. Graphik 1). Grundsätzlich kann der Schirokko zu allen Jahreszeiten entstehen. Allerdings tritt er häufig in den Übergangsjahreszeiten auf. In diesen sind die Temperaturunterschiede zwischen den polaren und tropischen Regionen am größten. Da die Atmosphäre jedoch ein Gleichgewicht anstrebt, stellen sich zwischen den Tropen und den mittleren bzw. nördlichen Breiten oftmals meridionale, also von Nord nach Süd oder umgekehrt verlaufende, Ausgleichströmungen ein.

Eine solche Ausgleichsströmung kann z.B. ein Kaltluftvorstoß über dem Westatlantik sein, der mit der Bildung eines weit nach Süden reichenden Höhentrogs (siehe http://www.dwd.de/lexikon; Stichwort Trog) verbunden ist. Meistens reicht der Höhentrog dabei bis zur Nordwestspitze Afrikas und schwenkt dann nach Osten, wobei die heiße Saharaluft angehoben wird. Damit verbunden fällt am Boden der Luftdruck stark ab und es entsteht über der westlichen Sahara ein eigenständiges Tiefdruckgebiet. Damit werden die Luftdruckunterschiede am Boden verstärkt, was eine Erhöhung der Windgeschwindigkeit zur Folge hat. Bei dieser Entwicklung wirbelt u.a. viel Saharastaub auf, welcher an der Ostseite des entstandenen Tiefdruckgebietes bzw. des Höhentrogs nach Norden verfrachtet wird (vgl. Graphik 2).

Je nachdem, über welcher Region der Sahara sich ein solches Tief entwickelt, werden verschiedene Regionen des Mittelmeers und seiner europäischen Anrainerstaaten vom Schirokko erfasst. Im oben beschriebenen Fall würde es Ostspanien, Südfrankreich und ggf. Sardinien und Korsika treffen. Auch zu Beginn dieses Monats kam es zu einem ausgeprägten Kaltluftvorstoß über die Britischen Inseln und Westeuropa hinweg weit nach Süden bis an die Küste Marokkos. Dabei entwickelte sich das Tiefdruckgebiet etwas weiter östlich mit einem Kern vor der Küste Libyens. In diesem Fall wehte der Schirokko den Wüstensand vorwiegend von Tunesien in Richtung Süditalien, Dalmatinische Adriaküstenregion (Kroatien, Montenegro, Albanien), Südgriechenland und der südwestlichen Türkei (vgl. Graphik 3).

Bei seinem Weg über das Meer kann der Schirokko zudem sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen und somit beim erzwungenen Aufstieg an Gebirgen zu Starkniederschlag in Spanien, Italien, Griechenland und Dalmatien führen. Wenn der Schirokko schließlich auch noch viel Sandstaub mit sich führt, können dann zum Beispiel Autos und Fensterscheiben beim Abregnen eine gelblich-graue Färbung (Blutregen) bekommen.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.04.2016

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