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10. März 2016 |

Wenn sich die Schleusen öffnen - Starkregen in Teilen des Südens der USA

Wenn sich die Schleusen öffnen - Starkregen in Teilen des Südens der USA

Datum 10.03.2016

Während sich das Wetter über Mitteleuropa sehr ruhig gestaltet, toben in Teilen der Südstaaten der USA seit Tagen heftige Schauer und Gewitter. Doch wieso kam es zu dieser gefährlichen Wetterlage?

Das Wetter zeigt sich in weiten Bereichen Mitteleuropas bis ins westliche Mittelmeer doch recht unterkühlt. Zudem sorgt die höhenkalte Luftmasse über dem mit 11 bis 15 Grad leicht zu kühlen Mittelmeer für wiederholt auftretende kräftige Schauer und Gewitter. Doch die Niederschlagsmengen sind bei Weitem nicht mit denen vergleichbar, die momentan im Zuge einer hochwasserträchtigen Wetterlage im Süden der USA beobachtet werden. Schauen wir uns doch diese Wetterlage einmal näher an.


Zum Vergrößern bitte klicken


Am vergangenen Montag beginnend wölbte sich ein mächtiger Höhentrog (ein Bereich relativ geringen atmosphärischen Luftdrucks, der sich seinem Namen entsprechend bis in die obere Troposphäre erstreckt) über dem Westen Nordamerikas auf und erreichte bereits in den Abendstunden des Montags den Norden Mexikos. In der Folge zog der Trog unter weiterer Südausdehnung allmählich nach Osten und liegt am heutigen Donnerstag beinahe zentral über Nordmexiko. Grundsätzlich gilt, dass bei anormalen Lagen von solch markanten Trögen bereits Vorsicht geboten ist, denn je südlicher diese ausgreifen, desto eher kommen sie in Kontakt mit sehr feuchter Luft aus subtropischen oder gar tropischen Breiten. Diese Luftmasse wird dann nordwärts gelenkt und somit erreichen außergewöhnlich feuchte und regenträchtige Luftmassen Regionen, die im klimatologischen Mittel eher seltener davon betroffen sind. Ein mögliches Beispiel eines solchen Feuchtetransportes wurde im Thema des Tages vom 06.02.15 im Zuge von Atmosphärenflüssen beschrieben. Wie weit südlich der Höhentrog ausgreift, kann im ersten Bild "Wetter Nordamerika" nachgeschaut werden.

Doch nicht nur in der Höhe, sondern auch bodennah konnte sich ein großräumiges Bodentief über dem westlichen Golf von Mexiko ausbilden. Dieses schaufelt auch weiterhin eine für diese Jahreszeit rekordverdächtig feuchte Luftmasse vom Golf von Mexiko nordwärts in Richtung der Südstaaten der USA. Dieser Vorgang wird noch durch ein kräftiges 1030 hPa Hochdruckgebiet über Bermuda gestützt. Zwischen dem Tiefdruckgebiet über dem westlichen Golf und dem Hochdruckgebiet konnte sich ein kräftiger Luftdruckgradient (Differenz des Luftdrucks in diesem Fall von West nach Ost betrachtet) aufbauen, sodass die feuchte Luft die vergangenen Tage über mithilfe eines böigen Südwindes rasch nach Norden transportiert werden konnte.



Über dem Südosten von Texas und Louisiana erreichte diese ungewöhnlich feuchte Luftmasse eine dort liegende wellende Front, die auch im Satellitenbild mit eingezeichnet wurde. Man muss sich nun diese Front als einen Bereich vorstellen, wo die Luftmasse aus Süden beständig gehoben wird und die Energie in Form kräftiger Konvektion mit heftigen Regenfällen freigesetzt wird. Da sich weder der Höhentrog, noch das Bodentief und auch nicht die Front während der letzten beiden Tage großartig verlagert haben, konnten die Regenfälle wiederholt eine bestimmte Region treffen. Teils bildeten sich die Schauer und Gewitter vor Ort neu, was in der Meteorologie als "training" bezeichnet wird. Diese Art von Konvektion ist sehr effektiv, wenn es darum geht, extreme Regenmengen in kurzer Zeit hervorzurufen.

Bisher war besonders der Nordwesten von Louisiana betroffen, wo beinahe unglaubliche Regenmengen beobachtet wurden. Teilweise übertrafen die stündlichen Raten des Niederschlags 50 l/qm. Einige vorläufige Spitzenreiter wurden im Bild aufgelistet, wobei diese Messergebnisse noch nicht alle offiziell verifiziert werden konnten. Zudem dauert der Starkniederschlag weiter an, sodass bereits befürchtet wird, dass bis zum Niederschlagsende im Nordwesten von Louisiana (voraussichtlich im Verlauf des morgigen Freitags) gebietsweise über 600 l/qm fallen können!



In der Folge verlagern sich die Protagonisten dieses Unwetterereignisses bis zum morgigen Freitag allmählich nach Osten. Dann werden auch über weiter östlicher gelegenen Gebieten der Südstaaten heftige Schauer und Gewitter erwartet. Von daher wird man auch in diesen Bereichen mit Überschwemmungen und entsprechenden Schäden rechnen müssen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Bewohner die frühzeitig ausgegebenen Warnungen des staatlichen Wetterdienstes ernst genommen haben und sich besonders in den flutanfälligen Bereichen in Sicherheit gebracht haben.

Dipl.-Met. Helge Tuschy

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 10.03.2016

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