04:31 MESZ | 23.07.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
28. November 2015 |

Die Schneefallgrenze

Die Schneefallgrenze

Datum 28.11.2015

Die Schneefallgrenze exakt vorherzusagen ist ein schwieriges Unterfangen.

Kurz vor der Adventszeit, die am morgigen Sonntag mit dem 1. Advent beginnt, lesen wir alljährlich in der einschlägigen Fachpresse etliche Artikel zum Thema "kalorienfreies Weihnachtsgebäck". Auch bei uns Meteorologen gibt es alljährlich Themen, die immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden sollten, denn sie sind teilweise "lebenswichtig".



Schauen wir uns im Lichte der Überschrift den aktuellen Vorhersagetext vom heutigen Samstag für Deutschland an: " ... Dabei fällt zunächst teilweise bis in tiefe Lagen Schnee, oder vor allem im Bergland und nach Norden zu ist auch gefrierender Regen nicht ausgeschlossen mit starker Glätte. Im Tagesverlauf steigt die Schneefallgrenze auf 400 bis 600 m ..."

Wie genau ist diese Höhenangabe? Im Wesentlichen steckt eine Temperaturvorhersage dahinter. Bei uns entstehen im Winter üblicherweise Niederschläge als Schnee. Wenn der Schnee durch die nach unten im Normalfall wärmer werdende Atmosphäre fällt, beginnt er ab 0 Grad zu schmelzen. Bei einer Temperatur von 2 Grad und mehr fällt der Niederschlag im Regelfall vollständig als Regen. Wir müssen also "nur" vorhersagen, in welcher Höhe eine Temperatur von 2 Grad herrscht, um die Schneefallgrenze anzugeben. Dass wir das nicht ganz genau hinbekommen, weiß jeder, der sich mit der Meteorologie beschäftigt. Gehen wir recht optimistisch von einer Vorhersagegenauigkeit von +/- 1 Grad aus, so beträgt der Höhenfehler etwa 150 m, da sich die Atmosphärentemperatur bei Niederschlagswetter und daher feuchten Bedingungen um etwa 0,65 Grad pro hundert Meter nach unten hin zunimmt. Bei einer vorhergesagten Schneefallgrenze von 200 m wird also die tatsächliche Schneefallgrenze zwischen 50 und 350 m liegen. Betrachten wir beispielsweise das Rhein-Main-Gebiet. Dort liegen fast alle relevanten Verkehrswege in diesem Höhenbereich. Bei einer Vorhersage einer Schneefallgrenze von 200 m ist zwischen weitgehend fließendem Verkehr (Schneefallgrenze 200+150 m) und Verkehrschaos (Schneefallgrenze 200-150 m) alles möglich. Verlassen Sie sich also bei der Planung einer winterlichen Reise nicht auf exakte Höhenangaben der Schneefallgrenze, sondern kalkulieren sie mindestens einen Höhenfehler von 150 Höhenmetern ein. Oftmals finden Sie die Spannen auch in der Wettervorhersage.


Deutsches Wettergemisch in der Frühe:blaue Kreise: klarer Himmel oder weniger als 50% bewölktweiße Kreise: Bewölkung...

Posted by Deutscher Wetterdienst on Freitag, 27. November 2015

Im obigen Wetterbericht finden wir auch gefrierenden Regen. Dann ist der Schnee an der Schneefallgrenze vollständig geschmolzen und fällt danach durch eine bodennahe Luftschicht, die kälter als null Grad ist, also dem normalen atmosphärischen Temperaturverlauf widerspricht. Dabei wird der Regentropfen nicht in Schnee zurückverwandelt, sondern fällt als unterkühlter Regen auf den Boden und gefriert dort schlagartig.

In der nächsten Woche aber kommt dann so milde Luft, dass die meisten von uns sich mit dem Problem der Schneefallgrenze nicht befassen müssen.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 28.11.2015

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im SĂĽdwesten Deutschlands

09.07. - Neue Hitze im SĂĽdwesten

08.07. - Sommersturm an der Ostsee

07.07. - Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

06.07. - Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie

05.07. - Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

04.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

03.07. - Endlich wieder DurchlĂĽften - aber wie lange?

02.07. - Deutschlandwetter im Juni 2026

01.07. - Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

30.06. - Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

29.06. - Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

28.06. - Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

27.06. - Hitze, Blitz und Donner!

26.06. - Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

25.06. - HeiĂź, heiĂźer, HARTMUT!

24.06. - Nur noch 6 Monate

23.06. - SechsunddreiĂźig Grad und es wird noch heiĂźer