Kurz vor der Adventszeit, die am morgigen Sonntag mit dem 1. Advent beginnt, lesen wir alljÀhrlich in der einschlÀgigen Fachpresse etliche Artikel zum Thema "kalorienfreies WeihnachtsgebÀck". Auch bei uns Meteorologen gibt es alljÀhrlich Themen, die immer wieder ins GedÀchtnis gerufen werden sollten, denn sie sind teilweise "lebenswichtig".
PĂŒnktlich zum 1. Advent kommt der erste Schnee 😆 pic.twitter.com/sSrVTwMzbL
— Manuel Palkowitsch (@mpalkowitsch) 28. November 2015
Schauen wir uns im Lichte der Ăberschrift den aktuellen Vorhersagetext vom heutigen Samstag fĂŒr Deutschland an: " ... Dabei fĂ€llt zunĂ€chst teilweise bis in tiefe Lagen Schnee, oder vor allem im Bergland und nach Norden zu ist auch gefrierender Regen nicht ausgeschlossen mit starker GlĂ€tte. Im Tagesverlauf steigt die Schneefallgrenze auf 400 bis 600 m ..."
Wie genau ist diese Höhenangabe? Im Wesentlichen steckt eine Temperaturvorhersage dahinter. Bei uns entstehen im Winter ĂŒblicherweise NiederschlĂ€ge als Schnee. Wenn der Schnee durch die nach unten im Normalfall wĂ€rmer werdende AtmosphĂ€re fĂ€llt, beginnt er ab 0 Grad zu schmelzen. Bei einer Temperatur von 2 Grad und mehr fĂ€llt der Niederschlag im Regelfall vollstĂ€ndig als Regen. Wir mĂŒssen also "nur" vorhersagen, in welcher Höhe eine Temperatur von 2 Grad herrscht, um die Schneefallgrenze anzugeben. Dass wir das nicht ganz genau hinbekommen, weiĂ jeder, der sich mit der Meteorologie beschĂ€ftigt. Gehen wir recht optimistisch von einer Vorhersagegenauigkeit von +/- 1 Grad aus, so betrĂ€gt der Höhenfehler etwa 150 m, da sich die AtmosphĂ€rentemperatur bei Niederschlagswetter und daher feuchten Bedingungen um etwa 0,65 Grad pro hundert Meter nach unten hin zunimmt. Bei einer vorhergesagten Schneefallgrenze von 200 m wird also die tatsĂ€chliche Schneefallgrenze zwischen 50 und 350 m liegen. Betrachten wir beispielsweise das Rhein-Main-Gebiet. Dort liegen fast alle relevanten Verkehrswege in diesem Höhenbereich. Bei einer Vorhersage einer Schneefallgrenze von 200 m ist zwischen weitgehend flieĂendem Verkehr (Schneefallgrenze 200+150 m) und Verkehrschaos (Schneefallgrenze 200-150 m) alles möglich. Verlassen Sie sich also bei der Planung einer winterlichen Reise nicht auf exakte Höhenangaben der Schneefallgrenze, sondern kalkulieren sie mindestens einen Höhenfehler von 150 Höhenmetern ein. Oftmals finden Sie die Spannen auch in der Wettervorhersage.
Deutsches Wettergemisch in der Frühe:blaue Kreise: klarer Himmel oder weniger als 50% bewölktweiße Kreise: Bewölkung...
Posted by Deutscher Wetterdienst on Freitag, 27. November 2015
Im obigen Wetterbericht finden wir auch gefrierenden Regen. Dann ist der Schnee an der Schneefallgrenze vollstĂ€ndig geschmolzen und fĂ€llt danach durch eine bodennahe Luftschicht, die kĂ€lter als null Grad ist, also dem normalen atmosphĂ€rischen Temperaturverlauf widerspricht. Dabei wird der Regentropfen nicht in Schnee zurĂŒckverwandelt, sondern fĂ€llt als unterkĂŒhlter Regen auf den Boden und gefriert dort schlagartig.
In der nĂ€chsten Woche aber kommt dann so milde Luft, dass die meisten von uns sich mit dem Problem der Schneefallgrenze nicht befassen mĂŒssen.
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 28.11.2015
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