21:44 MESZ | 07.06.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
28. November 2015 |

Die Schneefallgrenze

Die Schneefallgrenze

Datum 28.11.2015

Die Schneefallgrenze exakt vorherzusagen ist ein schwieriges Unterfangen.

Kurz vor der Adventszeit, die am morgigen Sonntag mit dem 1. Advent beginnt, lesen wir alljährlich in der einschlägigen Fachpresse etliche Artikel zum Thema "kalorienfreies Weihnachtsgebäck". Auch bei uns Meteorologen gibt es alljährlich Themen, die immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden sollten, denn sie sind teilweise "lebenswichtig".



Schauen wir uns im Lichte der Überschrift den aktuellen Vorhersagetext vom heutigen Samstag für Deutschland an: " ... Dabei fällt zunächst teilweise bis in tiefe Lagen Schnee, oder vor allem im Bergland und nach Norden zu ist auch gefrierender Regen nicht ausgeschlossen mit starker Glätte. Im Tagesverlauf steigt die Schneefallgrenze auf 400 bis 600 m ..."

Wie genau ist diese Höhenangabe? Im Wesentlichen steckt eine Temperaturvorhersage dahinter. Bei uns entstehen im Winter üblicherweise Niederschläge als Schnee. Wenn der Schnee durch die nach unten im Normalfall wärmer werdende Atmosphäre fällt, beginnt er ab 0 Grad zu schmelzen. Bei einer Temperatur von 2 Grad und mehr fällt der Niederschlag im Regelfall vollständig als Regen. Wir müssen also "nur" vorhersagen, in welcher Höhe eine Temperatur von 2 Grad herrscht, um die Schneefallgrenze anzugeben. Dass wir das nicht ganz genau hinbekommen, weiß jeder, der sich mit der Meteorologie beschäftigt. Gehen wir recht optimistisch von einer Vorhersagegenauigkeit von +/- 1 Grad aus, so beträgt der Höhenfehler etwa 150 m, da sich die Atmosphärentemperatur bei Niederschlagswetter und daher feuchten Bedingungen um etwa 0,65 Grad pro hundert Meter nach unten hin zunimmt. Bei einer vorhergesagten Schneefallgrenze von 200 m wird also die tatsächliche Schneefallgrenze zwischen 50 und 350 m liegen. Betrachten wir beispielsweise das Rhein-Main-Gebiet. Dort liegen fast alle relevanten Verkehrswege in diesem Höhenbereich. Bei einer Vorhersage einer Schneefallgrenze von 200 m ist zwischen weitgehend fließendem Verkehr (Schneefallgrenze 200+150 m) und Verkehrschaos (Schneefallgrenze 200-150 m) alles möglich. Verlassen Sie sich also bei der Planung einer winterlichen Reise nicht auf exakte Höhenangaben der Schneefallgrenze, sondern kalkulieren sie mindestens einen Höhenfehler von 150 Höhenmetern ein. Oftmals finden Sie die Spannen auch in der Wettervorhersage.


Deutsches Wettergemisch in der Frühe:blaue Kreise: klarer Himmel oder weniger als 50% bewölktweiße Kreise: Bewölkung...

Posted by Deutscher Wetterdienst on Freitag, 27. November 2015

Im obigen Wetterbericht finden wir auch gefrierenden Regen. Dann ist der Schnee an der Schneefallgrenze vollständig geschmolzen und fällt danach durch eine bodennahe Luftschicht, die kälter als null Grad ist, also dem normalen atmosphärischen Temperaturverlauf widerspricht. Dabei wird der Regentropfen nicht in Schnee zurückverwandelt, sondern fällt als unterkühlter Regen auf den Boden und gefriert dort schlagartig.

In der nächsten Woche aber kommt dann so milde Luft, dass die meisten von uns sich mit dem Problem der Schneefallgrenze nicht befassen müssen.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 28.11.2015

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

07.06. - Die Wettervorhersage fĂĽr den D-Day

06.06. - Eine Nebelnacht im Juni

05.06. - Aprilwetter im Juni

04.06. - Abwechslungsreiches Wetter fĂĽr einen bunten CSD am Samstag in Dresden

03.06. - Deutschlandwetter im FrĂĽhjahr 2026

02.06. - Deutschlandwetter im Mai 2026

01.06. - Tief NESRIN - der erste Dämpfer für den (meteorologischen) Sommerbeginn

29.05. - Trockene und feuchte Luftmassen

28.05. - Erste groĂźe Gewitterlage 2026?

27.05. - In 16000 m Höhe

26.05. - Was ist eine „Heat Dome“?

25.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 7: Meteorologie im beginnenden Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen Meteorologie

24.05. - Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!

23.05. - Des einen Freud…

22.05. - Hoch "Zeno" sorgt fĂĽr niedrigen Meeresspiegel?!

21.05. - Weichenstellung auf Sommerwetter!

20.05. - Bisher abwechslungsreicher Mai

19.05. - Tag der Diversität

18.05. - Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivität

17.05. - Blick nach vorne - Sommerwetter?

16.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

15.05. - König Fußball und das Wetter

14.05. - KĂĽhles "Aprilwetter" an den Eisheiligen

13.05. - Wo ist der Polarjet hin?

12.05. - Der Geruch von Regen

11.05. - Turbulente und kĂĽhle Maitage

10.05. - Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht

09.05. - Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

08.05. - Warmes Wochenende, kĂĽhler Wochenstart

07.05. - Wie funktioniert eine Gewittervorhersage?