14. März 2015 | Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Wettbewerb der Temperaturen
Wer kennt das nicht: Wir laufen in der wärmeren Jahreszeit durch die Straßen und finden innerhalb kürzester Zeit verschiedene Lufttemperaturen auf den "öffentlichen" Anzeigen diverser Geschäfte oder Informationstafeln.
7. April um 20:11 Uhr in Deutschland . Aktuelle Temperatur ..... Da stimmt was nicht pic.twitter.com/gUgbJJkZ7b
— Matze Knop (@matzeknop) 7. April 2014
Die Unterschiede betragen durchaus 5 Grad innerhalb von ein paar
Metern.
Wie kann das kommen?
Zum einen sind das Unterschiede der einzelnen Thermometerbauarten,
zum anderen hängt die gemessene Lufttemperatur auch von der Umgebung
ab.
Im heutigen Thema des Tages setzen wir voraus, dass uns perfekte
Thermometer zur Verfügung stehen. Diese würden unter gleichen
Umgebungsbedingungen die gleichen Temperaturen anzeigen.
Die unterschiedlichen Umgebungsbedingungen sorgen aber dafür, dass
auch perfekte Thermometer verschiedene Temperaturen anzeigen.
Es ist natürlich jedem klar, dass ein Thermometer, das von der Sonne
beschienen wird, andere Temperaturen anzeigt als eines im Schatten.
Das im Sonnenschein liegende Thermometer zeigt nämlich zusätzlich zur
Lufttemperatur seine Eigenerwärmung durch die direkte
Sonneneinstrahlung an.
Daher sollten also Temperaturen im Schatten gemessen werden.
Wir bauen also ein Dach über das Thermometer, das so gestaltet ist,
dass die Sonne das Thermometer selbst niemals erreichen kann.
Dann kann aber immer noch ein von der Sonne über die Lufttemperatur
erwärmter Gegenstand, z.B. eine Hauswand oder der Boden seine
Strahlungsenergie an das Thermometer abgeben.
Das Thermometer darf also von seiner dem direkten Sonnenlicht
ausgesetzten Umgebung möglichst wenig "sehen".
Daher muss es in einer Kiste seine Messungen machen.
Wir wissen, dass sich dunkle Gegenstände im Sonnenschein stärker
erwärmen als helle. In einer schwarzen Kiste wird es also wärmer als
in einer weißen Kiste.
Wir wollen aber nicht die Lufttemperatur in einer Kiste messen,
sondern die der Außenluft.
Dazu muss die Kiste belüftet werden. Das macht man mit Lamellen, die
so gestaltet sind, dass zwar die Luft, die bei Sonnenschein immer in
Bewegung ist, durch die Kiste strömen kann, aber trotzdem keine
Sonnenstrahlung direkt auf das Thermometer fällt. (Ein Bild dazu
finden Sie nebenstehend.)
Wir sehen also, dass die Temperaturen je nach Umgebungsbedingungen
unterschiedlich sein werden.
Die oben beschriebene weiße Kiste heißt in der Meteorologie
Thermometerhütte bzw. Wetterhütte und ist international genormt.
Daher sind die offiziellen Messwerte vergleichbar.
Im Gegensatz dazu sind die Umgebungsbedingungen der "öffentlichen"
Thermometer unterschiedlich. Und daher sollten wir uns nicht wundern,
dass wir so unterschiedliche Temperaturen innerhalb so geringer
Entfernung sehen. Dabei gewinnt das Thermometer den Wettbewerb um die
höchste Temperatur, das am stärksten von der Umgebung beeinflusst
wird.
© Deutscher Wetterdienst
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