12. März 2015 | Dipl.-Met. Simon Trippler
Super-Zyklon in der Südsee
Ein kräftiger Wirbelsturm hat sich am 9. März 2015 bei etwa 8 Grad südlicher Breite und 170 östlicher Länge über dem Südpazifik gebildet und bedroht nun einige Südseeinseln.
Am heutigen Donnerstagmorgen (Mitteleuropäischer Zeit) befindet er sich rund 350 km nordöstlich des Inselstaates Vanuatu, der zu den Südseeinseln gehört und seinerseits etwa 1800 km vor der Nordostküste Australiens liegt (siehe dazu auch die Grafik).
Wirbelstürme in dieser Region werden als Zyklon bezeichnet und wie
Hurrikane bekommen auch sie einen Namen. Der aktuelle Zyklon wurde
auf "Pam" getauft und könnte in den nächsten Stunden zu einem der
kräftigsten Zyklonen der letzten Jahre mit entsprechendem
Schadenspotenzial in dieser Region werden.
Heute Morgen erreichte "Pam" mit seinem "Auge" von etwa 75 km
Durchmesser Windgeschwindigkeiten von geschätzt 215 km/h in der
Spitze. Damit ist er nach der fünfteiligen Saffir-Simpson-Skala für
Wirbelstürme in die Kategorie 4 einzuordnen. Das Ende der
Fahnenstange ist damit allerdings noch nicht erreicht, weil sich der
Sturm unter günstigen Bedingungen mit warmen
Meeresoberflächentemperaturen über 29 Grad noch weiter verstärken
wird und am Freitag und Samstag für Windgeschwindigkeiten von 260
km/h sorgen soll. Nach Vorhersagen des japanischen Wetterdienstes
sind sogar Spitzenböen bis 315 km/h möglich! Damit würde er die
höchste Kategorie 5 erreichen und den Status eines Super-Zyklons
bekommen. Die Bezeichnung "Super" setzt bei Zyklonen (und Taifunen)
bei den Sturmböen mindestens eine Geschwindigkeit von 240 km/h
voraus. Bei Hurrikanen wird in solch einem Fall meist das Präfix
"Major" benutzt, dafür wären aber "nur" Windböen über 180 km/h nötig.
Aplins Weir, T'ville post Cyclone Ita. Congrats Bob Walker - winner, Townsville Storms Weather Photography Comp. pic.twitter.com/dMrmfR3ETF
— NQ Comment (@NQComment) 8. Mai 2014
Immer wieder wird die Region im Südpazifik von starken Zyklonen
heimgesucht. Zyklone der Kategorie 4 oder 5 kommen gar nicht so
selten vor. 2014 beispielsweise sorgte Zyklon "Ita" (Kategorie 4) vom
4. bis zum 14. April für Windspitzen bis 250 km/h, als er sich
südlich von Papua-Neuguinea in Richtung Australien verlagerte, um
dort an der Nordostküste an Land zu gehen. "Gut" in Erinnerung
geblieben ist auch Zyklon "Yasi" (Kategorie 4), der vom 30. Januar
bis zum 3. Februar 2011 auf ähnlicher Zugbahn ebenso Australien
erreichte und auch Windspitzen bis 250 km/h zu bieten hatte.
Von der Zugbahn her wandert Zyklon "Pam" von seinem aktuellen
Standort nun in südliche Richtung weiter und bedroht damit vor allem
die Inseln von Vanuatu. Ausläufer des Sturmtiefs sind wahrscheinlich
aber auch bis zu den Fidschi-Inseln und nach Neu-Kaledonien zu
spüren. Nach Berechnungen des Europäischen Zentrums für
mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) in Reading ist ein Kerndruck
von unter 910 hPa möglich, womit einer der tiefsten Kerndrücke der
vergangenen Jahre erreicht werden würde. Andere Wetterdienste halten
sogar 880 hPa für möglich, womit man nicht mehr weit entfernt ist vom
tiefsten jemals auf der Erde festgestellten Luftdruck. Dieser liegt
bei 870 hPa und wurde im Zentrum des Taifuns "Tip" auf dem
Nordwestpazifik am 12. Oktober 1979 ermittelt.
Neben dem extremen Wind sind vor allem auch heftige Regenfälle eine
unerwünschte Begleiterscheinung. Diese sind besonders auf Vanuatu zu
erwarten. Bis zu 300 Liter Regen können dort innerhalb von 24 Stunden
pro Quadratmeter niedergehen. Das ist gleichzusetzen mit 30 normal
großen Eimern a 10 Liter Wasser! Zum Vergleich: In Deutschland fallen
innerhalb eines Jahres ungefähr 800 Liter Regen.
Entsprechend der Zugbahn-Vorhersage gibt es auf Vanuatu, den
Fidschi-Inseln und auf Neu-Kaledonien Warnungen vor dem Zyklon. Durch
den extrem heftigen Regen und die Orkanböen ist mit starken
Überschwemmungen und großen Zerstörungen zu rechnen.
Am Sonntag zieht "Pam" dann weiter in Richtung Südosten, sodass der
Einfluss auf Vanuatu allmählich nachlässt. Gleichzeitig wird sich der
Wirbelsturm abschwächen, weil ihm nun durch die weiter südlich nicht
mehr ganz so hohen Meerestemperaturen die "Nahrung" rationiert wird.
© Deutscher Wetterdienst
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