14:04 MESZ | 21.10.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
26. Dezember 2014 | Dipl.-Met. Christoph Hartmann

In welcher Höhe liegt die Schneefallgrenze?

Haben Sie schon mal genau aufgepasst, wenn Ihnen im Wetterbericht die Höhe der Schneefallgrenze vorhergesagt wurde? So hört man beispielsweise: Der Niederschlag kann zum Teil bis in die Niederungen als Schnee fallen, oberhalb von 300 Metern fällt er durchweg als Schnee.

Die Schneefallgrenze wird immer in Metern über Normalnull angegeben.

Die aktuelle Schneegrenze ist im unteren Drittel des Fotos zu sehen. Diese ist identisch mit der Schneefallgrenze des letzten Schnee-Niederschlags, wenn es kürzlich schneite bzw. der Schnee bei Temperaturen unter 0 °C liegen bleibt


Daher gibt es beim obigen Vorhersagetext in der Norddeutschen
Tiefebene ein Restrisiko für Schneefall. Der Süddeutsche, der im
Regelfall oberhalb 300 m Meereshöhe zu Hause ist, weiß, dass er mit
Schnee rechnen muss.
Für den Mittelgebirgsraum sind die Angaben dieser Vorhersage zur
Reise- oder Schneeräumplanung viel zu ungenau. Während eine
Schneefallgrenze oberhalb 400 m ist oftmals verkehrstechnisch
unerheblich ist, führt eine bei 200 m teilweise schon bei geringen
Schneemengen zu chaotischen Straßenverhältnissen.

Warum machen wir nicht einfach genauere Vorhersagen?

Die Höhe der Schneefallgrenze ist meteorologisch betrachtet die
Festlegung einer Temperaturschwelle in der normalerweise von oben
nach unten hin wärmer werdenden Atmosphäre. Niederschlag in
Mitteleuropa wird in den frostigen Höhen, in denen die Wolken
unterwegs sind, als Schnee geboren. Wird es während des Fallens warm
genug, so schmilzt der Schnee und kommt als Regen am Boden an.

Bei welcher Temperatur liegt denn nun die Schneefallgrenze?

Zunächst würde man denken bei null Grad. Aber das ist ein Irrtum.
Denken Sie einfach an Eis, das Sie dem Gefrierfach entnommen haben.
Das Eis wird auch nicht unmittelbar nach dem Verlassen des
Kühlschranks vollständig zu Wasser, obwohl es in der Küche weit über
null Grad warm ist.
Der Schnee fällt also eine Weile bei Temperaturen über null Grad
weiter, bis er tatsächlich geschmolzen ist.
Im Einzelfall, der insbesondere von der Luftfeuchte abhängt, kann
Schnee bis etwa +7 Grad fallen.
Für den Straßenverkehr relevante Schneemengen fallen bis etwa +4
Grad, wenn insbesondere im April kräftige Schneeschauer bei einem
Kaltlufteinbruch übers Land ziehen.

Normalerweise liegt die Schneefallgrenze bei etwa 2 Grad C.
Zu deren Vorhersage müsste man nur wissen, in welcher Höhe die
Temperatur 2 Grad beträgt.
Als Optimist nehmen wir an, dass wir die Temperatur auf 1 Grad genau
vorhersagen könnten.
Außerdem legen wir fest, dass die Atmosphäre bei Schneefall um etwa
0,65 Grad pro 100 m wärmer wird.
Ein Temperaturfehler von einem Grad würde also einem Höhenfehler von
etwa 150 m entsprechen. Die Genauigkeit der Schneefallgrenze beträgt
also +-150 m bei den optimistischen Annahmen.
Da sollten Sie sich nicht wundern, wenn der Schnee bis hinab auf 150
m fällt, wenn als Schneefallgrenze etwa 300 m vorhergesagt sind.

Wer sich mit dem Problem genauer befasst, stößt noch auf weitere
physikalische Bedingungen, die wir an dieser Stelle gar nicht
erörtern können.
Und ob der Schnee dann auch tatsächlich liegen bleibt, das ist ein
weiteres Kapitel, das wir unter dem Begriff der
"Schneeliegenbleibgrenze" ein anderes Mal zum Thema des Tages machen
werden.




© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

20.10. - Kulinarisches im Herbst

19.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 20: Meteorologie im 19. Jahrhundert (a)

18.10. - Mission impossible

17.10. - Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

16.10. - Es grünt so grün

15.10. - Kaltfront in Lauerstellung

14.10. - Verifikation von Wettermodellen - Teil 2

13.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 2

12.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 1

11.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert

10.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

09.10. - Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

08.10. - Endlich Regen!

07.10. - Ist der Himmel wirklich blau?

06.10. - Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel

05.10. - Wetterentwicklung

04.10. - Der dritte im Bunde - MTG-I2

03.10. - Navier-Stokes - ein (un)lösbares Problem?

02.10. - Deutschlandwetter im September 2026

01.10. - Regen nach Trockenheit - warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

30.09. - Die pazifische Hurrikansaison 2026: Auf Rekordjagd!

29.09. - Kunterbuntes zum Monatswechsel

28.09. - Halos - optische Erscheinungen am Himmel

27.09. - Tag der Flüsse

26.09. - Ungewöhnlicher warmer Altweibersommer

25.09. - Warum Tallagen besonders frostgefährdet sind

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst