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28. November 2014 | M.Sc. Met. Stefan Bach

Wo ist es am kältesten?

Meteorologisch gesehen neigt sich der Herbst dem Ende zu: Am 1. Dezember, also bereits am kommenden Montag, beginnt der Winter. Da kann man sich durchaus schon einmal fragen, wo derzeit "Väterchen Frost" regiert und vor allem wie kalt es dort ist.

In Deutschland lag der Kältepol, sieht man vom Fichtelberg und der
Zugspitze ab, in der Nacht zum heutigen Freitag in Lichtentanne (bei
Zwickau, Sachsen). Dort wurden -4,4 °C als Tiefstwert gemessen.
Tagsüber steigt die Temperatur im Nordosten Deutschlands meist nur
auf 0 bis 5 °C, während es im Westen mit etwas Sonne und auf der
Leeseite der Mittelgebirge mit 7 bis 10 °C noch mild bleibt. Örtlich
könnten sogar bis nahe 14 °C erreicht werden. Dieses
Temperaturgefälle zwischen dem Nordosten und dem Westen unserer
Republik bleibt im Wesentlichen auch in den nächsten Tagen erhalten.
Allerdings "mildern" sich die Temperaturunterschiede etwas ab und das
Temperaturniveau geht allgemein allmählich zurück.


Europaweit war es in der vergangenen Nacht in Furmanowo mit -19,0 °C
am kältesten, zumindest wenn man die westlich des Flusses Ural
gelegenen Teile Kasachstans zu Europa zählt. Frostige Nächte gibt es
derzeit vom Uralgebirge bis in die Mitte Deutschlands und vom Norden
Lapplands bis nach Bulgarien und zum Kaukasus. Dauerfrost herrscht
dagegen tagsüber in weiten Teilen Nord- und Osteuropas. So wird für
das nordschwedische Kvikkjokk für heute eine Höchsttemperatur von
gerade einmal -9 °C erwartet. Solch kalte Temperaturen sind für den
kleinen Ort allerdings nicht ungewöhnlich, fällt dort doch oftmals
bereits Anfang Oktober der erste Schnee. Die umliegenden Gebirgszüge
gestalten das Wetter in Kvikkjokk merklich kontinentaler als an der
nur gut 100 km entfernten norwegischen Küste.

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Vor kurzem ging die Kältewelle in Nordamerika durch die Medien. Die
starken Schneefälle wurden am 19. und 20. November an dieser Stelle
im "Thema des Tages" behandelt. Zweistellige Frostgrade findet man in
erster Linie in weiten Teilen Kanadas, Alaskas und im Norden der
zusammenhängenden US-Bundesstaaten. Negativer Spitzenreiter war dabei
Old Crow (Yukon/Kanada) mit -40,3 °C. An den Großen Seen wurden
Tiefstwerte zwischen -1,2 °C am Ontariosee und -28,4 °C am Oberen See
verzeichnet.

Gegenüber den Tiefsttemperaturen, die in Sibirien gemessen wurden,
könnte man diesen Wert sogar fast noch als "mild" einstufen.
Chabardino meldete -52,7 °C als Tiefstwert. Vom Allzeit-Rekord für
permanent bewohnte Gebiete ist dies noch weit entfernt. Dieser wurde
mit -67,7 °C gleich an zwei Stationen registriert: in Werchojansk am
5.2. und 7.2.1892 sowie im bekannteren Oimjakon am 6.2.1933. In
Oimjakon sind am Sockel des Kältepol-Denkmals -71,2 °C aus dem Jahr
1926 vermerkt. Diese sind aber, ebenso wie eine 1916 gemessene
Temperatur von -81,2 °C, offiziell nicht anerkannt, da ersterer Wert
nicht instrumentell bestimmt, sondern nur hochgerechnet worden sein
soll. In beiden Orten wird das Wetter von einem extremen
Kontinentalklima bestimmt. Oft findet man im Gebiet um Oimjakon stark
ausprägte Kältehochs. Zusätzlich werden solch niedrige Temperaturen
durch die Topografie im Ostsibirischen Bergland noch begünstigt.

Am absoluten Kältepol der Erde, nämlich in Wostok (Antarktika) wurden
am 21.7.1983 unglaubliche -89,2 °C gemessen. Derzeit herrscht auf der
Südhalbkugel aber Polarsommer - der Tiefstwert fiel in Wostok mit
-42,2 °C also bedeutend moderater aus.







© Deutscher Wetterdienst

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