11. Oktober 2014 | Dipl.-Met. Adrian Leyser
Vongfong - stärkster Wirbelsturm des Jahres
Über dem Westpazifik spielt sich derzeit ein außergewöhnliches Naturschauspiel ab. Super-Taifun "Vongfong", der bisher stärkste tropische Wirbelsturm des Jahres, beweist der Menschheit wieder einmal, welch unbändige Gewalt die Natur entfalten kann.
"Vongfong" befand sich mit seinem Kern heute Morgen (8 Uhr MESZ) etwa 130 km südöstlich von Okinawa. Mit Windgeschwindigkeiten bis 100 Knoten (185 km/h) bedroht er als Taifun der nun mehr dritten Kategorie in den kommenden Stunden die südlichste Präfektur Japans, im weiteren Verlauf unter Abschwächung auch Kyushu, einer der Hauptinseln Japans. Neben Orkan müssen sich die betroffenen Bewohner auf heftigen Starkregen gefasst machen. Verbreitet fallen über 100 l/qm, örtlich sogar über 300 l/qm. Dadurch kommt es zu Überflutungen und Erdrutschen, die wiederum zu einem vorübergehenden Erliegen des öffentlichen Lebens führen können. Auf dem Meer und an den Küsten muss zudem mit sehr hohem Wellengang bzw. Wellenschlag gerechnet werden. Gerade einmal eine knappe Woche, nachdem Taifun "Phanfone" weite Teile Japans erfasste, müssen sich viele Bewohner des ostasiatischen Staates also wieder vor einem tropischen Wirbelsturm in Sicherheit bringen.
Dieser stolze Geselle heißt Vongfong und ist auf dem Weg in Richtung Japan. t.co/2vbYPnNEva pic.twitter.com/edPNj1LjpF
— Gökalp Babayiğit (@G_Babayigit) 10. Oktober 2014
"Vongfongs" Geburtsstätte ist das südliche Seegebiet der Marshall
Inseln. Ende September und in den ersten Oktobertagen verlagerte sich
"Vongfong" als zusammenhängendes Gewittersystem am Südrand eines
subtropischen Hochdruckgebiets westwärts. Am 3. Oktober war die
Entwicklung bereits so weit fortgeschritten, dass "Vongfong" vom
japanischen Wetterdienst als "tropischer Sturm" eingestuft wurde, nur
einen Tag später bereits als Taifun der ersten Kategorie. Sehr
günstige Entwicklungsfaktoren (u. A. sehr warme Wassertemperaturen,
geringe Windzunahme und -drehung mit der Höhe) waren insbesondere ab
dem 6. Oktober schließlich der Auslöser einer explosiven Heranreifung
zu einem Super-Taifun der fünften Kategorie. Auf seinem Höhepunkt am
7. Oktober brachte es "Vongfong" auf einen Kernluftdruck von 900 hPa
und die Windgeschwindigkeit erreichte Werte bis 155 Knoten (287
km/h). Kein anderer tropischer Wirbelsturm weltweit erreichte in
diesem Jahr solche Werte. Stärker in Bezug auf maximale
Windgeschwindigkeiten und minimalen Kernluftdruck war ein tropischer
Wirbelsturm zuletzt Anfang November 2013. Super-Taifun "Haiyan"
sorgte damals für gewaltige Zerstörung in Südostasien. Im Gegensatz
zu "Haiyan" erfasste "Vongfong" während seiner "Hochphase" aber
keinerlei bewohntes Gebiet, sodass bisher auch keine Schäden aufgrund
der Auswirkungen des tropischen Wirbelsturms bekannt wurden.
Pretty scary winds but not so wavy as in other typhoons. View from my 6th floor. #Vongfong #Okinawa pic.twitter.com/rJP2vDurQW
— Eder Zavala (@ederzavala) 11. Oktober 2014
Ab dem 8. Oktober bog "Vongfong" von einer westlichen auf eine eher
nord- bis nordöstliche Richtung. Vor allem aufgrund des nach Norden
zu immer kälter werdenden Meerwassers versiegt zusehends die
wichtigste Energiequelle des Wirbelsturms, wodurch er auf seinem Weg
Richtung Japan nun sukzessive an Kraft verliert. Nichtsdestotrotz
birgt der immer noch als Taifun geführte Wirbelsturm in den kommenden
Stunden und Tagen nach wie vor großes Gefahren- und
Schadenspotenzial, besonders für die südlichen Regionen Japans.
© Deutscher Wetterdienst
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